Die genossenschaftliche R+V Versicherung will ihre Tochtergesellschaft Condor Lebensversicherung an den Investor Acathia Capital verkaufen, der unter anderem Run-off-Plattformen entwickelt. Das berichtet aktuell das „Handelsblatt“ mit Verweis auf Unternehmenskreise. Für die in Frankfurt ansässige Investmentgesellschaft habe sich die R+V nach einem Auswahlprozess entschieden. Ein Abschluss des Kaufvertrags sei nach einem für das zweite oder dritte Quartal des Jahres vorgesehen
Sprecher bestätigt unterzeichnete Absichtserklärung
Ein R+V-Sprecher habe auf Nachfrage bestätigt, dass in dieser Woche eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet worden sei. Zum Kaufpreis habe er sich nicht äußern wollen. Gegenüber dem Fachmagazin „Versicherungsjournal“ sagte ebenfalls ein R+V-Sprecher, dass ein Verkauf für die Versicherungsgruppe sinnvoll sei, um sich neu auszurichten. Der Verkaufserlös schaffe Spielraum für Investitionen in „zukunftsweisende Initiativen“.
Bei einem Verkauf würde ein Portfolio von 219.000 Lebensversicherungsverträgen den Eigentümer wechseln, so das „Handelsblatt“, darunter klassische Lebensversicherungen, Neue-Klassik-Tarife, Fondspolicen, Berufsunfähigkeitsversicherungen und Tarife der betrieblichen Altersversorgung (bAV).
Neue Run-off-Plattform geplant
Der Investor wollt sich laut des Medienberichts auf Nachfrage nicht zu dem geplanten Deal äußern wollen, ebenso wenig die Finanzaufsicht Bafin. Dafür sagte der Geschäftsführer von Acathia Capital, Thomas Schmitt, gegenüber dem „Versicherungsjournal“, dass er „Potenzial für eine weitere Plattform“ sehe. „Unser Werkzeugkasten umfasst mehrere wertsteigernde Strategien, wie Buy-and-Build und die Entwicklung von Run-off-Plattformen, um Wachstum voranzutreiben“, so Schmitt.
Klar ist, das die Acathia Capital die Verträge nicht selbst verwalten kann. Das Unternehmen sammelt nach eigenen Angaben Geld von langfristig ausgerichteten institutionellen Investoren ein und kauft damit vor allem Banken und Versicherer in Europa. Acathia war auch als Berater in den Aufbau der Frankfurter Leben involviert, einer Abwicklungsplattform für Lebensversicherungen.
Einem Bericht des Branchendienstes „Versicherungsmonitor“ zufolge handelt Acathia im Falle der Condor für ein Konsortium aus deutschen Versicherern, globalen Rückversicherern und Versorgungswerken.
Mitarbeiter übernimmt Acathia Capital nicht, so das „Handelsblatt“. Die Beschäftigten, die sich bisher um die Bestände der Condor Leben gekümmert haben, sollen bei der R+V angestellt bleiben und sich noch bis zu drei Jahre um die Bestandsverwaltung der Verträge kümmern.
Seit Jahresbeginn bereits kein Neugeschäft mehr
Bereits seit Jahresbeginn 2026 schreibt die Condor Leben in der privaten Altersvorsorge kein Neugeschäft mehr. Die Gesellschaft ist aber weiterhin in der betrieblichen Altersvorsorge und bei Berufsunfähigkeitsversicherungen aktiv. Die R+V hatte Condor 2008 von der Oetker-Gruppe übernommen. Das Sachversicherungsgeschäft der Condor Allgemeine ging 2024 in der R+V Allgemeine auf, die Condor Leben blieb als separate Einheit bestehen.
Bereits im Sommer 2025 hatte R+V-Chef Norbert Rollinger gesagt: „Wenn der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen für uns von Vorteil wäre, könnten wir nicht einfach sagen, dass wir es nicht machen.“ Laut aktuellem Bericht wäre es zudem verhältnismäßig teuer gewesen, die Verträge von Condor Leben auf ein gerade eingeführtes IT-System für die Bestandsverwaltung in der Lebensversicherung zu migrieren.
R+V plant keine weiteren Verkäufe
Weitere Verkäufe von des Vertragsbestands von 5,8 Millionen Verträgen in ihrer Lebens-und Pensionsversicherungssparte über die aktuelle Transaktion hinaus sind laut „Handelsblatt“ nicht geplant. Grundsätzlich bemühe sich der Versicherer schon länger, Komplexität im Konzern zu reduzieren und sich auf die Kernmarke R+V zu konzentrieren.
Im Maklervertrieb von Personenversicherungen konzentriert sich die R+V seit Januar auf Biometrie, betriebliche Altersvorsorge und Gesundheit. Im Maklergeschäft Personen gibt es seit Anfang des Jahres auch nur noch Tarife aus diesen drei Produktbereichen.
Run-Off´-Markt in Bewegung
Laut Experten komme mit dem Deal neue Dynamik in den Markt. Lebensversicherer dürften sich zunehmend nach möglichen Partnern umschauen, so die Zeitung. Das Geschäft gerate bei Zinsänderungen schnell unter Druck, die Schaden-Unfall-Versicherer seien davon deutlich unabhängiger.
So könnten weitere Bestände zum Verkauf kommen. Dazugehören laut Handelsblatt unter anderem ein Portfolio an deutschen Lebensversicherungen der Zurich und das Deutschlandgeschäft von Athora. Auch Bestandsabwickler Viridium bringe sich demnach mit neuen Eigentümern in Stellung, weitere Akquisitionen zu tätigen.

