Häuser in Berlin Foto: Imago Images / Jürgen Held

Immobilien-Investments in Deutschland

Corona bringt Digitalisierung voran

Christian Westphal, Crem Solutions;
Quelle: Crem Solutions

Die Bedeutung der deutschen Immobilienbranche wird oftmals übersehen: 20 Prozent beträgt ihr Anteil an der Gesamtwertschöpfung der Bundesrepublik. Ein Viertel aller Unternehmen zählt zu dieser Branche. 3,3 Millionen sozialversicherungspflichtige Beschäftigte sind dort tätig, das sind 10 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland. Zum Vergleich: In der Autobranche ist es eine Million. Vom kleinen Mittelständler über den Hidden Champion bis zum Großkonzern: Alle sind auf Immobilien angewiesen, die stets gewartet und deren Nutzung geprüft werden muss – und die vielfach effizienter gestaltet werden kann.

Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 war die Immobilienbranche eine Sparte, in der analog alles gut lief. Daher gab es auch kaum Leidensdruck, etwa Prozesse oder gar Flächen zu digitalisieren. Doch die Corona-Pandemie hat für die Immobilienbranche einen wesentlichen Schwachpunkt aufgezeigt: Die Digitalisierung. Denn viele IT-Projekte wurden bis 2020 oftmals an bestimmte, durch exter festgelegte Stichtage ausgerichtet. Die Einführung der Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, ist hierfür ein prominentes Beispiel.

Die Ereignisse seit März 2020 haben vor allem der Immobilienbranche deutlich gemacht, dass ein reines Hinarbeiten auf Stichtage nicht zielführend ist, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Die Lockdowns zeigen: Besonders die Infrastruktur von Gewerbeimmobilien jeder Art muss mehr denn je auf mobiles Arbeiten ausgelegt sein. Hier gibt es Prozesse und Lösungsansätze, um schnell und kostengünstig nachzurüsten. Etwa durch eine cloudbasierte Telefonanlage ist die Belegschaft schon nicht mehr auf die Räumlichkeiten angewiesen, sondern kann von überall auf der Welt mit der eigenen Festnetznummer telefonieren.

Lockdowns, Homeoffice und das Unbehagen vieler Mitarbeiter, sich aktuell am Arbeitsplatz aufzuhalten, haben die Situation für die Immobilienbranche stark geändert und für Dynamik hinsichtlich der Digitalisierung gesorgt, insbesondere bei Property Managern und Investoren. Die Branche kommt um den Umstieg vom Analogen ins Digitale nicht mehr herum, will sie weiterhin ein konsistentes Geschäftsmodell aufweisen. Schließlich muss sie auch in der Lage sein muss, belastbare Prognosen für ihre Objekte zu erstellen.

Ob Flächenermittlung während und besonders nach der Krise, ob Verwaltungs- oder Schadensmanagement, ob nachhaltige Klimatisierung oder zielgerichtete Reinigung nur bei Bedarf – die Basis hierfür sind Daten. Diese sind aber in der aktuell noch stark analog geprägten Immobilienwelt noch nicht im ausreichenden Maße digital verfügbar beziehungsweise teilweise auch gar nicht vorhanden – weil das Geschäftsmodell bisher auch ohne sie auskam. Das hat sich geändert, da die Ansprüche an die Nutzung und auch an die Kriterien, etwa in Bezug auf Nachhaltigkeit, vieler Immobilien neu gedacht werden müssen. Mit digitalen Techniken lassen sich relevante Daten einfach erheben und auswerten. Fest installierte Sensoren im Gebäude erfassen sie, smarte Software verarbeitet diese mittels Künstlicher Intelligenz.

 Wir müssen anders mit Digitalisierung umgehen

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass an der Digitalisierung der Arbeitswelt kein Weg vorbeiführt. In der Pandemie ist aber auch deutlich geworden, dass sich der Umgang mit der Digitalisierung selbst ändern muss. Digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess - das ist in der Pandemie deutlich zutage getreten. Deswegen haben wir es auf vielen Gebieten gerade so eilig damit.

Drei Lehren können wir aus der Krise ziehen: Zunächst einmal hat die Corona-Pandemie sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern die Angst vor dem Homeoffice genommen. Homeoffice wird auch nach der Pandemie bleiben, die Frequenz aber voraussichtlich sinken. Es wird also weiterhin Büroräume geben, deren Nutzung wird sich aber ändern. Das bedeutet zweitens, man benötigt nicht nur digitale Prozesse, sondern auch digitale Dokumente. Wer will schon jede Menge Aktenordner zwischen Büro und Homeoffice hin- und her transportieren? Und schließlich muss die neue Infrastruktur auch auf mobiles Arbeiten ausgelegt sein, beispielsweise durch Ermittlung des neuen Raumbedarfs.

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