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Corona-Crash „Vorsicht hilft, Panik aber nicht“

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Viele Anleger beginnen erst ab Mitte Vierzig damit, richtig für das Alter vorzusorgen. Halten Sie es mit Blick auf die jüngsten Turbulenzen für sinnvoll, Aktieninvestments zu nutzen und jetzt mit dem Sparen anzufangen?

Lehr: Wenn nicht jetzt, wann dann? Die Aussage bezieht sich allerdings weniger auf die aktuellen Turbulenzen als auf die nicht mehr vorhandenen Zinsen. Gerade beim langfristigen Vermögensaufbau wirkt der Zinseszinseffekt, den Albert Einstein mal als das achte Weltwunder bezeichnet hat. Wie wollen Sie aber Vermögen aufbauen, wenn der Zins quasi abgeschafft wurde? An den Aktienmärkten stehen die Chancen für Anleger, die bereit sind Schwankungen auszusitzen, hingegen deutlich besser, wie ein Blick in die Historie zeigt.

Wenn aber sehr sicherheitsorientierte Anleger ein Sparprodukt finden, das ihnen sichere 1,5 Prozent pro Jahr bringen würde: Kann das nicht besser sein?

Lehr: Angenommen, Sie erhalten wirklich zwanzig Jahre lang diesen Ertrag. Dann würden Sie über den gesamten Zeitraum etwa ein Drittel auf Ihr eingesetztes Kapital verdienen, Kosten und Steuern nicht eingerechnet. Nominal mag das genügen, doch real reicht das nicht. Liegt doch das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank bei zwei Prozent.

Aber würden Anleger, die in einer Abschwungphase mit dem Sparen für die Altersvorsorge beginnen und die Aktienmärkte nutzen wollen, nicht zum falschen Zeitpunkt einsteigen?

Lehr: Die kurzfristige Entwicklung ist nie vorhersehbar. Weder mit noch ohne Virus. Daher kann es sinnvoll sein, hohe Beträge in mehrere Tranchen aufzuteilen und nach und nach zu investieren. Wer ohnehin plant, regelmäßig zu sparen, für den sind Marktrücksetzer, wie wir sie derzeit erleben, vor allem Chancen. Denn er kauft sich nach und nach ein und profitiert von niedrigen Einstiegskursen. Und der Gewinn liegt bekanntlich im Einkauf.

Dennoch kaufen die wenigsten. Die meisten Privatanleger verkaufen vor allem in schlechten Zeiten. Wieso?

Lehr: Ich weiß gar nicht sicher, ob nicht vielleicht vor allem institutionelle, oftmals sehr viel kurzfristiger ausgerichtete Anleger deutlich häufiger verkaufen. Bei Privatanlegern spielt sicher eine Rolle, dass alle den Preis der Aktie, aber die Wenigsten den Wert der Unternehmen einschätzen können. Daher fehlt die Orientierung. Sie können dann schlicht nicht beurteilen, ob etwas teuer oder billig ist. Fallen die Kurse, dann befindet sich, etwas salopp formuliert, nicht nur das Depot im Sinkflug, sondern der Anleger im Blindflug – und verkauft. Gerade deswegen kann es für den weit überwiegenden Teil der Anleger sinnvoll sein, die Wahl der Unternehmen jemandem anzuvertrauen, der den Wert besser einschätzen kann als der Anleger selbst. Alles, was Sie als Anleger dann für den Erfolg brauchen, ist Geduld…

…und in Zeiten tiefer Zinsen einen hohen Aktienanteil?!

Lehr: Das Risikoempfinden ist höchst individuell. Der passende Anteil von Aktien im Portfolio hat auch viel mit Emotionen zu tun. Deswegen sollte der Aktienanteil letztlich immer nur so hoch sein, dass Anleger dabei ruhig schlafen können. Es wird Menschen geben, die sich lieber etwas langsamer herantasten, aber auch Investoren, die gelassen und ruhig mit Schwankungen umgehen, so wie mich. Ich habe persönlich etwa 80 Prozent Aktien im Depot. Das Gros meiner Anlagen soll mir auf lange Sicht Renditen bringen. Mit dem Rest versuche ich, fundamentale Krisen etwa mit einer Goldposition abzufedern und mit einer flexiblen Kasse Chancen zu nutzen, wenn sie sich bieten.

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