Iris Bülow (Redakteurin)Lesedauer: 2 Minuten

Investmentprofi meint „Corona ist ein riesiges Geschenk für Vermögensverwalter“

Menschen in der Heidelberger Innenstadt, einige mit Mund-Nasen-Masken
Menschen in der Heidelberger Innenstadt, einige mit Mund-Nasen-Masken: In der Corona-Krise haben viele Menschen ihren Konsum eingeschränkt und das Geld stattdessen zurückgelegt. | Foto: imago images / Ralph Peters

„Um brutal ehrlich zu sein – die Corona-Krise ist ein riesiges Geschenk für das Vermögensverwaltungsgeschäft.“ Die offenen Worte kommen von Frank Hvid Petersen, Mitinhaber des dänischen Investmentberatungshauses Jentzen & Partners. In einem Gastbeitrag für das dänische Finanzportal AM Watch schätzt der Anlageprofi die aktuelle Lage für seine Branche ein.

Das freigiebig in den Markt geschleuste Geld unterschiedlicher Zentralbanken durch Anleihekäufe haben die weltweiten Vermögenspreise auf Höchststände getrieben, so Hvid Petersen. Gleichzeitig hätten Privathaushalte während der Pandemie mehr Geld zurückgelegt. Da auf klassische Sparkonten jedoch oft Null- oder sogar Negativzinsen fällig werden, wollten viele Kunden ihr Geld an den Kapitalmärkten anlegen. Vorteil für die Branche: Die Sorge vor realem Geldverlust habe Vermögensverwaltern eine Menge neuer Kunden beschert.

Die andere Seite der Medaille, die Hvid Petersen sieht, findet der Vermögensprofi dagegen weniger erfreulich. Er zählt auf: „Immobilienblasen und unbezahlbarer Wohnraum, enorme Vermögenstransfers, wachsende Ungleichheit, fremdfinanzierte Unternehmen, ein globaler Schuldentsunami und Zombiefirmen sind nur einige der schlimmsten Probleme.“ Auch viele Mitarbeiter aus Zentralbanken würden mittlerweile ein Ende der ultralockeren Geldpolitik befürworten. „Ein Kurswechsel scheint immer wahrscheinlicher in den kommenden Monaten“, glaubt der Finanzprofi. 

In mehreren Ländern, darunter den USA, Großbritannien und Deutschland, seien die Verbraucherpreise zuletzt ungewöhnlich schnell gestiegen. Ob nur vorübergehend oder ob die Inflation auch langfristig anziehe, mag Hvid Petersen nicht bewerten. Trotz des insgesamt günstigen Umfelds aus Sicht von Vermögensverwaltern: Es gebe keine Argumente mehr, die vielerorts ultralockere Geldpolitik weiter fortzusetzen. Die regelmäßigen Anleihekäufe durch die Notenbanken der Industrieländer sollten schleunigst stoppen, meint der Finanz-Spezialist.

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