Bernd Raffelhüschen Foto: Union Investment

Staatliche Altersvorsorge

Corona-Pandemie verschärft Probleme der Rentenkassen

Der Kampf gegen die Corona-Pandemie ist mit hohen Kosten verbunden und dürfte die bereits heute absehbaren Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) deutlich verschärfen. So lautet das Fazit einer Analyse von Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaft und Sozialpolitik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Demnach werde der Politik nichts anderes übrig bleiben, als die Rentenbeiträge auf 20 Prozent des Bruttogehaltes zu deckeln und das Rentenniveau auf unter 40 Prozent des letzten Einkommens absinken zu lassen.

Laut der im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment erstellten Studie haben sich die Probleme des deutschen Rentensystems während der vergangenen Jahre zugespitzt. So bestand bei der GRV schon vor der Corona-Pandemie eine Nachhaltigkeitslücke von 2,6 Billionen Euro. In Folge der Corona-Lockdowns wird sie sich schätzungsweise auf rund 3 Billionen Euro vergrößern. Der Anstieg sei so drastisch, da die Durchschnittseinkommen und in der Folge auch die staatlichen Renteneinnahmen sinken dürften. Die Höhe der Rentenzahlungen bleibt aufgrund gesetzlicher Vorgaben jedoch gleich.

„Zahlen muss dies die zukünftige Generation“, warnt Raffelhüschen. Parallel dazu habe der Bund in den kommenden Jahren keinen großen Handlungsspielraum mehr, um die GRV durch weitere Steuerzuschüsse aus dem Bundeshaushalt zu unterstützen. Denn die Folgen der Corona-Pandemie ließen die Staatsverschuldung schneller anwachsen. Das zeige sich nicht nur in der offiziellen Statistik, sondern vor allem durch einen extrem gestiegenen impliziten Anteil an Verpflichtungen, die heute schon absehbar die öffentlichen Haushalte in Zukunft belasten werden.

Sinkendes Rentenniveau erwartet

„Aufgrund der wachsenden Nachhaltigkeitslücke in der GRV und den sinkenden staatlichen Steuerzuschüssen, werden die Rentenbeiträge über kurz oder lang auf ein Fünftel des Bruttogehaltes gedeckelt werden müssen“, prognostiziert Raffelhüschen. Dadurch sinke das Rentenniveau auf unter 40 Prozent. Um den Lebensstandard zu sichern, sei jedoch eine Ersatzquote von 60 bis 80 Prozent des letzten Bruttolohnes notwendig. Zukünftige Rentner würden somit eine Vorsorgelücke von 20 bis 40 Prozent erwarten. „Die GRV kann die Versorgungsanforderungen nicht mehr erfüllen.“ 

Daher werde es immer dringlicher, die private Altersvorsorge weiterzuentwickeln, so Raffelhüschen. Aufgrund der aktuellen Gesetze könnten viele Finanz- und Versicherungsunternehmen ihren Anlegern nur scheinbar sichere Produkte anbieten, mit denen die Sparer jedoch kaum noch Rendite erzielen. In Kombination mit dem sinkenden Rentenniveau sei dies das falsche Signal. „Die Politik muss daher dringend handeln. Statt des Zwangs zur nicht verzinsten Staatsanleihe muss der Gesetzgeber die private Altersvorsorge reformieren und der Finanzindustrie die Freiheit zur Diversifikation eröffnen.“

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