Machtlose Geld- und Fiskalpolitik

China kann und wird auf die virusbedingte Wachstumsabschwächung im ersten Quartal mit einer massiven geld- und fiskalpolitischen Offensive reagieren. Vorausgesetzt, die Epidemie im Reich der Mitte erreicht in den kommenden Wochen ihren Höhepunkt, dürfte dank dieser Maßnahmen vermutlich schon ab dem Frühsommer dort ein Aufholeffekt einsetzen, der die konjunkturelle Delle über den Jahresverlauf nahezu und ohne größere Spuren ausbügeln kann. Der Eurozone dagegen bleibt dieser Weg versperrt. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ist weitgehend ausgereizt; eine weitere moderate Zinssenkung ist zwar wahrscheinlich, aber vermutlich wenig wirksam. Gleiches gilt für eine mögliche Anhebung der monatlichen Anleihekäufe oder der Ausweitung der Liquiditätshilfen für den schwachen Bankensektor.

Auch die Fiskalpolitik wird in dieser Krise ihre Handlungsunfähigkeit ein weiteres Mal unter Beweis stellen. Seit Jahren zwischen den Erfordernissen des EU-Stabilitätspaktes und der Doktrin der ‚Schwarzen Null‘ gefangen, wird sie auch in diesem Jahr trotz massiv fallender Zinskosten keine expansiven Impulse setzen können. Statt Haushaltsüberschüsse wie in Deutschland für fiskalpolitische Anreize wie zum Beispiel Steuererleichterungen zu nutzen, genießt das Gebot des Sparens weiterhin oberste Priorität. Im Korsett der europäischen Währungsunion gefangen dürften jegliche Vorstöße in die andere Richtung langwierige Verhandlungen nach sich ziehen, für spontanes und damit rechtzeitiges Handeln ist dieses Konstrukt einfach nicht geschaffen.

Währungsunion weiterhin krisenanfällig

Zudem bleibt die Währungsunion weiter krisenanfällig. Es ist unstrittig, dass für ein Funktionieren einer Währungsunion drei Bedingungen erfüllt sein müssen:

  • ein zentrales Budget inkl. einer zentralen Steuerpolitik,
  • ein einheitliches Einlagensicherungssystem des Bankensektors und
  • ein funktionierendes Transfersystem.

Nach wie vor ist die Eurozone politisch nicht in der Lage, diese Bedingungen herzustellen. Im Dezember vergangenen Jahres ist trotz monatelanger Verhandlungen der Versuch erneut gescheitert, eine gemeinsame europäische Einlagensicherung auf den Weg zu bringen. Gerade Deutschland blockiert hier unverändert – mit negativen Konsequenzen. Die Währungsunion bleibt ein ‚Stückwerk‘ und die ökonomischen Spannungen können nicht ausgeglichen werden. Dies zersetzt die politische Akzeptanz der europäischen Idee zusehends.

Probleme im Bankensektor ungelöst

Die nationalen Egoismen verhindern ebenso, dass im europäischen Bankensektor die notwendige Konsolidierung und damit eine Stärkung der verbleibenden Institute erfolgen kann. In vergleichbaren Währungsräumen (wie z.B. den USA oder Kanada) gibt es drei bis maximal vier ‚große‘ Banken, in Europa sind es siebzehn. Im Ergebnis sind sie ertrags- und eigenkapitalschwach – fatal für einen Währungsblock, der sich primär über den Bankensektor und weniger den Kapitalmarkt finanziert.

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Die Ankunft des Corona-Virus in Europa und die derzeit nicht abschätzbaren Folgen einer globalen Pandemie haben zu Wochenbeginn zu einem Einbruch an den Börsen geführt. Wegen der Machtlosigkeit und Handlungsfähigkeit Europas im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen des Virus erwarten wir auch im laufenden Jahr eine Fortsetzung der schlechteren Entwicklung von Europas Börsen gegenüber den globalen Aktienmärkten und reduzieren deshalb unser Engagement in europäischen Aktien. Somit senken wir auch die Risikoauslastung in unseren Portfolien spürbar ab.

Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation bei Feri

Steigende Infektionszahlen in Süd-Korea, Japan und zuletzt auch in Italien verstärken Ängste vor einer globalen Ausbreitung des Coronavirus. Nach bereits schwachem Ausklang der Vorwoche verzeichneten deshalb die globalen Aktienmärkte zu Wochenbeginn erneut deutliche Kursabschläge. Gleichzeitig markieren die Anleihenmärkte vielfach neue Zinstiefpunkte, während der Goldpreis in Euro ein neues Allzeithoch erreichte. Vor dem Hintergrund dieser drastischen Kursmuster stellt sich die Frage, ob die heftigen Reaktionen der Märkte gerechtfertigt sind. In der Tat hätte eine Coronavirus-Pandemie sehr negative Folgen für die Weltwirtschaft. Der ökonomische Schaden entstünde weniger durch den Krankheitserreger selbst, sondern vor allem durch die erforderlichen Maßnahmen zur Eindämmung. In China haben massive Quarantäneschritte das wirtschaftliche Geschehen vielfach lahmgelegt. Auch die italienische Regierung hat in der wichtigen Industrieregion Norditalien ganze Bezirke abgeriegelt. Auf globaler Ebene wären die wirtschaftlichen Folgen solcher Maßnahmen ungleich größer.

Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario ist seit kurzem deutlich gestiegen. Die jüngsten Kursverluste sind ein klares Signal dafür, dass die Gefahr einer globalen Pandemie, mit entsprechenden Folgen für die Realwirtschaft, von den Finanzmärkten neu bewertet wird. Wie weit die Korrekturen gehen können, hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf der Epidemie ab. Hauptleidtragende des Coronavirus sind bislang Schwellenländeraktien, die gleich durch mehrere Effekte belastet werden. Zum einen durch die wirtschaftliche Dämpfung in China, zum anderen durch Unterbrechung oder Behinderung globaler Lieferketten, und schließlich auch durch den starken US-Dollar (USD), der den Schuldendienst für Auslandskredite deutlich verteuert.