Corona und die Aktienmärkte „Die Marktkorrektur ist gesund“
Dies spiegelt die Einschätzung des Marktes wider, dass in den USA in den nächsten 12 Monaten eine Senkung um 50 Basispunkte erfolgen wird. Das war in den letzten Jahren eine vernünftige Auffassung, und wir würden vermuten, dass die Zentralbank auch dieses Mal unterstützen wird. Allerdings gibt es Grenzen für die Wirksamkeit der Geldpolitik angesichts eines exogenen Schocks wie beim Corona-Virus.
Welche Auswirkungen hat dies auf die Portfolios?
Der DAX verlor am Montag 4 Prozent. Seit dem Brexit-Referendum haben wir keinen Tagesverlust in dieser Größenordnung gesehen, dennoch kann es sich lohnen, die Zahl in einem breiteren Kontext wie den MSCI World (netto, in Euro) zu stellen. Der weltweite Index musste auch 2019, einem der stärksten Börsenjahre der jüngeren Vergangenheit, im Mai und August zwei Rücksetzer in Höhe von jeweils 6 Prozent verkraften. Im vierten Quartal 2018 verlor der MSCI World sogar zeitweilig 17 Prozent. Wir befinden uns also noch in einem überschaubaren Schwankungsbereich an den Märkten mit Indexständen, die mit denen von Ende Januar vergleichbar sind.
Entscheidend ist nun, wie sich das Corona-Virus ausbreitet und welche Lähmungserscheinungen auf die Wirtschaft übergreifen: Je mehr Krisenherde sich weltweit bilden, desto mehr leidet die Wirtschaft. Je länger die Situation andauert, desto einschneidender werden die Konsequenzen. Denn es ist selten, dass ein exogener Schock sich gleichzeitig auf die Angebots- (globale just-in-time Lieferketten werden unterbrochen) und Nachfrageseite (Rückgang des Konsums in zahlreichen Branchen) der Wirtschaft auswirkt. Wie sich die Situation aber tatsächlich entfalten wird, bleibt abzuwarten. Stabilere Wirtschafts- und Gewinndaten, die Beruhigung vieler politischer Risiken sowie die Unterstützung der Notenbanken weltweit haben den Märkten Rückenwind gegeben – mit der seit Oktober erhöhten Aktienquote konnten wir davon auch in unseren Portfolios profitieren.
Im aktuellen Umfeld stellen wir die Portfolios nun geografisch und mit zusätzlichen Zielfonds noch etwas breiter diversifiziert auf und setzen dabei auf ein ausgewogenes, tendenziell etwas verringertes Risikoprofil.
Eric Khaw, Portfoliomanager von Nikko Asset Management
- Das BIP-Wachstum der asiatischen Länder wird kurzfristig beeinträchtigt werden, da der Ausbruch enorme Störungen für regionale Unternehmen und private Reisen verursacht hat. Dies gilt insbesondere für China, wo viele Produktionsstätten geschlossen wurden.
- In unserem Basisszenario gehen wir jedoch davon aus, dass die durch das Coronavirus verursachte wirtschaftliche Verlangsamung nur vorübergehend ist. Kurz gesagt, der Ausbruch ist kein strukturelles Problem für die regionale Wirtschaft. Die bescheidene zyklische Erholung in Asien, die wir für das erste Halbjahr 2020 erwartet hatten, wird sich aufgrund des Ausbruchs verzögern und dürfte im zweiten Halbjahr stattfinden.
- Die politischen Entscheidungsträger und Zentralbanken sind sich der Auswirkungen des Virus sehr bewusst und besorgt, und wir erwarten mehr politische Maßnahmen, um kurzfristige Auswirkungen auszugleichen. In jedem Rücksetzer am Markt sehen wir einen guten Zeitpunkt, um hochwertige Unternehmen mit guten langfristigen strukturellen Aussichten zu angemessenen Preisen zu kaufen. Der jüngste Kursrückgang ist aber bisher sehr mild und kurz ausgefallen.
- Die Coronavirus-Situation dürfte den Wechsel zu Cloud Computing und Software als Dienstleistung beschleunigen. Da immer mehr Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten müssen, erkennen Unternehmen die Bedeutung des Fernzugriffs. Das wird mehr Unternehmen zu Cloud-Diensten führen.