Fondssparpläne gehören seit vielen Jahrzehnten zur gängigen Praxis für den Vermögensaufbau von Anlegern.

Bei Sparplänen wird argumentiert: Wer monatlich einen festen Betrag in eine schwankende Anlageform wie Aktien spart, kauft automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse oder Preise niedrig sind. Über einen gewissen Zeitraum ist der durchschnittliche Anteilspreis im Anlegerdepot damit niedriger als der durchschnittliche Preis im Markt. So nutzt der Anleger auf clevere Art Kursschwankungen aus. Rendite und Risiko stehen damit in einer vernünftigen Relation, denn man nutzt den Cost-Average-Effekt, also den Kostendurchschnittseffekt.

Kritik am Cost-Average-Effekt

Aber ist das auch wirklich günstiger?

Nun, die Argumentation wird immer wieder kritisiert, zuletzt in einem Kommentar in der Wirtschaftswoche vom 18. Juni 2023 mit dem Titel „Dieser Mythos kostet Geld“.

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson bezeichnete das Werben mit dem Durchschnittskosteneffekt schon 1994 als „blunder, if not a crime“. Zu Deutsch: „Ein grober Fehler, wenn nicht gar ein Verbrechen.“

Infrage gestellt wird das methodische Vorgehen, wenn Renditen arithmetisch gemittelt werden. Hier ein Beispiel: Ein Kurs fällt um 50 Prozent und steigt danach um 100 Prozent auf den Ausgangswert. Die durchschnittliche Rendite ist +25 Prozent (-50 Prozent +100 Prozent / 2), obwohl über den gesamten Zeitraum nichts verdient wurde. Richtig wäre hier das geometrische Mittel (1–50 Prozent) (1 +100 Prozent) -1 = 0.

Weiterhin wird argumentiert, dass bei einem Sparplan im zeitgewichteten Durchschnitt viel weniger Geld gebunden ist als bei der Einmalanlage und von daher Renditen keine Aussagekraft haben. Dies ist inhaltlich zwar richtig, sagt aber nichts über den Cost-Average-Effekt aus.

Es zeigt nur, dass der Sparplan – wie der Name schon sagt – eine Form des Vermögensaufbaus ist, während es sich bei der Einmalanlage um die Umschichtung innerhalb eines vorhandenen Vermögens handelt.

 

Cost-Average-Effekt als wesentlicher Bestandteil unseres Investmentprozesses

Für uns ist der Cost-Average-Effekt aber ein wesentlicher Bestandteil unseres Investmentprozesses, und zwar gar nicht nur aus Rendite, sondern vielmehr aus Risikoerwägungen. Genauso, wie ein Vermögen über mehrere Wertpapiere diversifiziert sein sollte, macht es auch Sinn, den Erwerb dieser Wertpapiere über mehrere Zeitpunkte zu streuen.

Zugegeben, dieses Vorgehen wird in der akademischen Literatur angezweifelt, da es nur funktioniert, wenn die Kurse im Investitionszeitraum auch niedriger sind als zum Zeitpunkt der Investitionsentscheidung. Im anderen Falle läuft man den Kursen nur hinterher. Diese Kritik gilt jedoch hauptsächlich für Momentum-Strategien, die zumeist bei Wachstumsunternehmen umgesetzt werden.

Beim Contrarian Value-Ansatz wie wir ihn verfolgen, in dem sehr früh in Unternehmen investiert wird und die Position dann bei fallenden Kursen ausgebaut wird, kann sie jedoch sehr erfolgreich sein. Ein Beispiel: Viel zu früh und viel kritisiert haben wir nach der Brexit Entscheidung 2016 in die Deutsche Bank-Aktie investiert und diese Position konsequent bis zu ihrem Tiefpunkt weiter erhöht. Inzwischen ist dies ein sehr erfolgreiches Investment. Man benötigte aber gute Nerven dafür.

Rebalancing als Kernfaktor unserer Strategie

Noch wichtiger ist für uns das sogenannte Rebalancing. Auch hier handelt es sich um Cost-Averaging. Kursschwankungen an den Börsen führen dazu, dass sich die Vermögensaufteilung des Portfolios aufgrund unterschiedlicher Wertentwicklung der einzelnen Vermögenswerte verändert und diese unterschiedlich stark von ihrer Zielallokation abweichen. Durch den Verkauf eines Teils der Aktien mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung und den Kauf anderer mit schlechterer Wertentwicklung wird das gewünschte Risikoniveau aufrechterhalten.

Hierzu gibt es zwei Strategien. Die Anpassung kann entweder Zeitbasiert oder Bandbreiten-basiert erfolgen. Je nachdem wie, wie zeitnah das Portfolio ad-justiert werden soll, können diese Anpassungen entweder zu einem Stichtag oder dann erfolgen, wenn bestimmte Toleranzgrenzen überschritten wurden. Diese Methode kommt im Contrarian Value Fonds zum Einsatz, da wir selbstverständlich täglich die Wertentwicklung unseres Portfolios überwachen und umgehend eingreifen, wenn die Abweichungen zu unserer Zielallokation zu groß werden. Meist nutzen wir dafür die Zu- und Abflüsse im Fonds.

Cost-Average-Effekt – ein sinnvolles Instrument zur Risikoreduktion

Auch wenn es berechtigte Kritik am Cost-Average-Effekt gibt, handelt es sich unseres Erachtens um ein durchaus sinnvolles Instrument zur Risikoreduktion in einem bestehenden Portfolio und beim Vermögensaufbau.

Trotz der positiver Wertentwicklung unseres Fidecum Contrarian Value Euroland Fonds seit Auflage, hat es sich für unsere Investoren als vorteilhaft erwiesen, aufgrund der ansatzbedingten volatilen Wertentwicklung zunächst ein Grundinvestment zu tätigen und dann die Position je nach Markteinschätzung und Risikoneigung im Zeitverlauf in mehreren Schritten zu erhöhen – also selbst ein Cost-Averaging zu betreiben.

Über den Autor:
Hans-Peter Schupp arbeitet seit 2008 bei dem von ihm mitgegründeten Finanzdienstleister Fidecum als Portfoliomanager. Zuvor leitete er das Asset Management bei der Mainfirst Bank.