Luftaufnahme der WWK-Zentraldirektion in München Foto: wwk.de

Gefahr durch Niedrigzinsen

Covid-19 bedroht Zukunft deutscher Lebensversicherer

Können Deutschlands Lebensversicherer das Dauerzinstief überleben? Dieser Frage ging das Deutsche Finanz-Service Institut (DFSI) jetzt wieder im Rahmen einer Marktanalyse nach. Für die Studie „Die Zukunftssicherheit der deutschen Lebensversicherer 2021“ unterzogen die Kölner Tester die 60 größten in Deutschland aktiven Lebensversicherer einem Daten-Check.

Um zu sehen, welche Lebensversicherer sich zukunftsfest aufgestellt haben, hat das DFSI - wie schon in den Vorjahren - Bilanzdaten zu folgenden fünf Themenbereichen detailliert untersucht: die Substanzkraft jedes Lebensversicherers, seine Ertragsstärke, die Kundenzufriedenheit, die Bestandsicherheit sowie die Kunden-Performance.

Fatales Ergebnis für Gesellschaften

Demnach schaffen es zwöf Lebensversicherer nicht, die geforderten gesetzlichen Solvabilitätsquoten ohne Hilfe der derzeit noch zulässigen Übergangsmaßnahmen zu erreichen. Und 22 der 60 untersuchten Versicherer gelang es nicht, eine Rohüberschussmarge von mindestens 1,0 Prozent zu erwirtschaften. Laut Sebastian Ewy „ein fatales Ergebnis für diese Gesellschaften“.

„Denn aus der Rohüberschussmarge werden die nicht garantierten Kundenüberschüsse bedient - und bei Versicherungs-Aktiengesellschaften auch die Aktionäre“, erläutert der Senior Analyst des DFSI. Verschärfend für Kunden von Aktiengesellschaften gebe den Trend, den Aktionären immer größere Anteile des Rohüberschusses des Versicherers zukommen zu lassen.

„Versicherer in existenzieller Gefahr“

Im Schnitt schütten die untersuchten Versicherer 2021 auf die angelegten Kundengelder eine Überschussbeteiligung von 2,04 Prozent aus. Nur bei zehn Gesellschaften lag diese Quote deutlich höher: Ihre Kunden bekommen 2,5 Prozent bis 3,0 Prozent. Am anderen Ende der Skala rangieren dagegen drei Versicherer mit Überschussbeteiligungen von lediglich 1,25 Prozent.

Fatal für Neukunden, denn auch bei diesen Gesellschaften erhalten Kunden mit Altverträgen weiterhin die ihnen bei Abschluss garantierte Mindestverzinsung von bis zu 4,0 Prozent. Doch nicht nur fehlende finanzielle Substanz und zu geringe Erträge bringen Versicherer in existenzielle Gefahr: Bei immer mehr Gesellschaften bluten laut Ewy zudem die Bestände aus.

Nur noch bei 19 Service-Versicherern wächst der Bestand an Verträgen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 stieg er bei 24 Service-Versicherern. „Eine äußerst bedenkliche Entwicklung“, findet DFSI-Studienleiter Ewy. „Den Versicherern laufen die Kunden weg.“ Etwas besser sieht es hier bei den vier Direkt- und Biometrie-Versicherern aus: Drei verzeichnen steigende Vertragszahlen.

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