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Straßenverkehr in Wuhan: Um sich vor Ansteckungen zu schützen, sorgen Pendler in China für eine ungebrochen hohe Nachfrage nach Autos. | © imago images / Kyodo News Foto: imago images / Kyodo News

Covid-19-Bewältigung in Asien

„China geht gestärkt aus der Krise hervor“

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity International

First in – first out: In China hat die Corona-Pandemie ihren Anfang genommen – und China führt die Rückkehr zur Normalität an. Es gibt mehrere Gründe, dass China die Pandemie vergleichsweise gut hinter sich gebracht hat. So hat China bereits Erfahrung mit der Eindämmung von Pandemien, etwa mit dem SARS-Ausbruch Ende 2002. Die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen ist daher deutlich höher – sei es das Tragen von Schutzmasken, das Messen der Temperatur in Restaurants oder zum Teil rigide Quarantänemaßnahmen. Zudem ist das autoritäre chinesische Regime besser in der Lage, Schutzmaßnahmen zu steuern. In puncto staatlicher Wirtschaftshilfen ist Peking, im Gegensatz zu beispielsweise Deutschland, nicht mit der „Bazooka“ vorgeprescht, sondern eher punktuell vorgegangen. In der Folge ist die Staatsverschuldung nicht so exzessiv nach oben geschnellt, und China hat noch trockenes Pulver, wenn weitere Stützungsmaßnahmen erforderlich werden sollten.

Produktion auf bestem Weg zu Vorkrisenniveau

Um die weitere Dynamik prognostizieren und Anlagechancen frühzeitig zu erkennen, befragen wir unsere Asien-Analysten monatlich nach ihren Einschätzungen. Danach arbeitet die Industrie aktuell wieder zu 80 bis 95 Prozent des Vorkrisenniveaus. Während einige Fabriken ihre Produktion jetzt wieder hochfahren, waren einige hochautomatisierte Unternehmen, wie beispielsweise Hersteller von Speicherchips, ohnehin fast nicht vom Lockdown betroffen. Andererseits gibt es noch einige Segmente, die bestenfalls mit halber Kraft fahren: Dazu zählen beispielsweise exportorientierte Unternehmen, die unter dem Einbruch der globalen Konjunktur leiden.

Sonderkonjunktur bei Autos

Auch beim Konsum gibt es – wenngleich etwas langsamer – Anzeichen einer Erholung. Hintergrund ist, dass Peking eine zweite Infektionswelle unter allen Umständen vermeiden will. Außerordentlich hoch ist beispielsweise die Nachfrage nach Autos. Neben Nachholeffekten lässt sich die Sonderkonjunktur damit erklären, dass sich Pendler im eigenen Auto sicherer als in öffentlichen Verkehrsmitteln fühlen. Auch Konsumelektronik ist weiterhin sehr gefragt. Der Smartphone-Umsatz lag in China im März 2020 sogar über dem des Vorjahresmonats.

In anderen Branchen lohnt sich unseren Analysten zufolge ein genaues Hinsehen. Während die Umsätze der Einkaufszentren noch weit unter dem Durchschnitt liegen, dominiert weiterhin der E-Commerce, der bereits in der Krise profitierte. Auch im Tourismus ist das Bild gespalten: Der Binnentourismus erholt sich, während Fernreiseanbieter weiterhin leiden. In der Hotellerie sind Mittelklassehotels wieder gefragt, während exklusive Hotels wegen fehlender internationaler Reisenden und Billighotels wegen Zweifeln an der Hygiene leiden.

Bei einem Teil der internationalen Nachfrage wird es hingegen Veränderungen geben. Einige Unternehmen werden Lehren aus der Krise ziehen und ihre Lieferketten neu ausrichten. Auch wenn keine Deglobalisierung auf breiter Front zu erwarten ist, haben wir den Peak der Globalisierung wahrscheinlich überschritten. Vor allem in sicherheitsrelevanten Bereichen wie Pharma und Medizintechnik sowie Sicherheitstechnik gibt es die Tendenz, die Produktion wieder ins eigene Land zu holen, um in Notfällen besser gewappnet zu sein. Dieser Trend ist allerdings auch in China zu beobachten, so dass die Entwicklung den chinesischen Markt nicht überdurchschnittlich schwächen sollte. Bei einigen Konsumgütern wie Autos oder Unterhaltungselektronik fallen die Kostenvorteile zudem so deutlich zugunsten Chinas aus, dass neue Lieferketten kaum vorstellbar sind.

Top-Priorität: Aufbau nationaler Champions in Schlüsseltechnologien

Auch wenn die Pandemie die Wirtschaftsaktivität kurzfristig gebremst hat, gibt es langfristige Trends, die Chinas Rolle als extrem dynamisches Kraftzentrum in den nächsten Jahren zementieren sollten. So arbeitet Peking nach wie vor ambitioniert daran, in Schlüsseltechnologien die Weltspitze zu erobern. Dazu zählen die Robotik, die Medizintechnik und künstliche Intelligenz, wo China auch gegenüber den USA schnell aufholt. Wie entschlossen und strategisch China hier vorgeht, haben wir bereits in den vergangenen Jahren erlebt. Die wachsende chinesische Mittelschicht, die voranschreitende Digitalisierung, eine immer bessere mobile Infrastruktur und die Stärkung des Nachhaltigkeitsgedankens sorgt für weiteren Aufwind. Auch wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China weiterhin für Störfeuer sorgen wird, hat China seinen Einfluss in der Welt gestärkt, während sich die Vereinigten Staaten zurückgezogen haben. Der Überholvorgang ist nicht aufzuhalten. Darauf sollten auch Anleger setzen.

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