Themen-Experte
Strategien für nachhaltige Erträge

Themen-Experte
Strategien für nachhaltige Erträge

Augmented Reality am National Museum of Korea in Seoul, Südkorea: Das Land setzt bereits seit 2008 auf den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft. Foto: imago images / ZUMA Wire

Covid-19-Folgen

Welche Fehler Staaten beim Wirtschaftsaufbau machen

Bei der Bekämpfung der Pandemie hat die britische Regierung Nachhaltigkeit kaum in den Fokus genommen. Nur kleinste Beträge aus dem Konjunkturpaket fließen in entsprechende Projekte. In anderen Ländern ist es ähnlich, wie eine globale Erhebung des Institute of International Finance zeigt: Von den 11 Billionen US-Dollar, mit denen Staaten weltweit die Wirtschaft ankurbeln wollen, sind demnach weniger als 1 Prozent für grüne Initiativen vorgesehen.

Im globalen Vergleich ist der Vorschlag der Europäischen Kommission für einen 750 Milliarden Euro schweren Konjunkturfonds, aus dem 25 Prozent der Finanzmittel in Klimaschutzmaßnahmen fließen sollen, am umweltfreundlichsten. Deutschland will zusätzlich 50 Milliarden Euro für Elektro- und Hybridfahrzeuge, erneuerbare Energien, öffentliche Verkehrsmittel und die Reduzierung von Umweltaufschlägen bei der Stromrechnung für Verbraucher bereitstellen. Doch diese Summe stellt ebenfalls nur einen kleinen Teil des Konjunkturpakets dar.

In Großbritannien sieht die Situation deutlich schlechter aus. Die britische Regierung will grüne Arbeitsplätze mit 3 Milliarden Pfund fördern – eine vergleichsweise geringe Summe. Deutlich höhere Ausgaben für nachhaltige Projekte hätten nicht nur positive Auswirkungen auf die Umwelt, sondern wären auch wirtschaftlich sinnvoll.

Vorbild Südkorea

Es gibt einen historischen Präzedenzfall, der zeigt, dass es besser geht: Südkorea gab im Jahr 2008 etwa 80 Prozent seiner fiskalischen Stimuli für grüne Projekte aus. Dazu gehörten Ausgaben für den Schutz von Flüssen und Wäldern, den Ausbau des Schienenverkehrs, Investitionen in Energieeffizienz und Fahrzeuge, die weniger Kraftstoffe verbrauchen. Auch als Folge dieser Maßnahmen gehörte die koreanische Arbeitslosenquote im Jahr 2009 zu den niedrigsten der OECD-Länder. Südkoreas Demokratische Partei ist aus der Wahl im April dieses Jahres als deutlicher Sieger hervorgegangen und hat damit das Mandat erhalten, einen grünen „New Deal“ im EU-Stil umzusetzen.

Südkorea ist zugleich das erste Land in Ostasien, das sich verpflichtet hat, bis 2050 die Netto-Emissionen auf null zu senken. Zu den Plänen gehören groß angelegte Investitionen in erneuerbare Energien, die Einführung einer Kohlenstoffsteuer und die Unterstützung von Beschäftigten, die aus umweltfeindlichen in grüne Branchen wechseln.

Nachhaltigkeit bringt Wachstum und Arbeitsplätze

Die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 führen dazu, dass die Staatsausgaben auf ein noch nie dagewesenes Niveau ansteigen. Vorschläge für einen nachhaltigen Umbau von Unternehmen und Branchen gibt es genügend – und damit keinen Grund, weiter auf eine konventionelle Wirtschaft zu setzen.

Ein Beispiel: Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) einen Plan für langfristiges Wachstum und zukunftssichere Arbeitsplätze entwickelt, der nachhaltige Entwicklungen miteinbezieht. Darin werden kostenwirksame Maßnahmen in sechs Schlüsselsektoren aufgezeigt: Gebäude, Elektrizität, aufkommende kohlenstoffarme Technologien, Brennstoffe, Industrie und Verkehr.

Bis 2023 könnte das den Initiatoren zufolge dazu führen, dass die jährlichen energiebedingten Treibhausgasemissionen um 4,5 Milliarden Tonnen sinken, das Bruttoinlandsprodukt weltweit um 3,5 Prozent steigt und neun Millionen Arbeitsplätze geschaffen werden. Der größte Teil davon würde durch die Nachrüstung von Gebäuden und weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz sowie im Elektrizitätssektor entstehen, insbesondere beim Netzausbau und den erneuerbaren Energien. Sich für mehr Energieeffizienz einzusetzen, lohnt sich sowohl im Hinblick auf die CO2-Reduzierung als auch auf die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Mehr zum Thema