Themen-Experte
Globale Investmentthemen und Emerging Markets

Themen-Experte
Globale Investmentthemen und Emerging Markets

Straßenszene im Senegal: Afrikas hat zwar Erfahrungen im Umgang mit Epidemien, doch die Mittel sind begrenzt. | © imago images / Le Pictorium Foto: imago images / Le Pictorium

Covid-19 in Afrika

Mangelnde Testkapazitäten verhindern ein klares Bild

Der andauernde Ölpreiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien in Verbindung mit der Pandemie belastet auch die erdölproduzierenden Länder in Afrika. Damit versiegt die Haupteinnahmequelle einiger afrikanischer Staaten und es drohen drastische wirtschaftliche Einbußen. Sollte der Preis pro Barrel länger unter 40 US-Dollar bleiben, drohen in einigen afrikanischen Ländern Währungsabwertungen.

Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Länder in Subsahara-Afrika, darunter Ghana, Gabun und Angola, einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von bis zu 1,6 Prozent – gegenüber einem Wachstum von 3,1 Prozent im Jahr 2019. Um die entstehenden Haushaltsdefizite zu kompensieren, müssten sich die Länder entweder um eine höhere Schuldenfinanzierung bemühen oder zusätzliche Hilfen beantragen.

Afrika – einer der am schnellsten wachsenden Kontinente

Bis 2050 könnte sich die Bevölkerung Afrikas auf 2,5 Milliarden Menschen verdoppeln. Dessen ungeachtet ist der Urbanisierungsgrad im Vergleich zu vielen anderen Frontiermärkten- und Schwellenländern immer noch gering. Die Verstädterung nimmt jedoch von einem sehr niedrigen Niveau aus rasch zu. Die Lebensbedingungen erschweren es in den Städten, soziale Distanzierungsmaßnahmen einzuhalten.

Ressourcen des Gesundheitswesens sind begrenzt

In vielen Teilen Afrikas sind die Krankenhäuser schlecht ausgerüstet. Afrika hat nur 1,4 Krankhausbetten pro 1.000 Menschen zur Verfügung, in China dagegen sind es vier Betten für 1.000 Menschen. Darüber hinaus sind die Laborkapazitäten in Afrika gering – es gibt nicht genügend Test-Kits, um die Infektionsraten auch nur annähernd einzuschätzen.

Fiskalische Zwänge

Der Großteil der wirtschaftlichen Aktivitäten Afrikas wird vom informellen Sektor getragen. Ein harter Lockdown dürfte viele der kleinen lokalen Unternehmen zur Schließung zwingen. In diesen Fällen stehen die Mitarbeiter vor dem Nichts, da Versicherungen und staatliche Unterstützung die Einkommensverluste nicht ausgleichen können.

In den hoch entwickelten Ländern und in vielen Teilen Asiens haben die Regierungen Hilfspakete für Bürger und Unternehmen in Höhe von 7 bis 10 Prozent ihres jeweiligen Bruttoinlandsprodukts (BIP) angekündigt. Dieses Maß an Unterstützung ist in Afrika aufgrund fiskalischer Zwänge undenkbar.

Welche Maßnahmen könnten in Afrika greifen?

Um das Virus einzudämmen und gleichzeitig die Volkswirtschaften am Laufen zu halten, ist eine umfängliche Test-Strategie vonnöten. Viele afrikanische Regierungen verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um die Krankenhaus- und Ausrüstungskapazitäten aufzustocken. Eine Ausweitung der Tests wäre jedoch mit geringen Kosten möglich. Damit ließe sich ein realistischer Eindruck der Infektionsrate erhalten.

Eine weitere Möglichkeit der Eindämmung der Pandemie wäre die Zusammenarbeit mit ansässigen Mobilfunkbetreibern: Mittels Tracking-Apps ließe sich der Grad der Ausbreitung nachverfolgen. Infizierte Personen, die keine aufwendige Versorgung benötigen, könnten dann isoliert untergebracht werden. Somit würde der Druck auf die Krankenhäuser nachlassen und die Reproduktionsrate des Virus dürfte zurückgehen.

Am wichtigsten ist derzeit: Hot-Spot-Bereiche sind schnell zu identifizieren und zu isolieren – damit könnte die Wirtschaftsleistung in der Breite aufrechterhalten werden.

nach oben