Vor ein paar Jahren musste man Anleihemanager fast trösten. Es gab kaum Rendite und kaum Zinsen, und an den Aktienmärkten spielte die Musik. Heute ist es genau umgekehrt. Staatsanleihen rentieren so hoch wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Fed und EZB erhöhen wieder die Zinsen. Und selbst eingefleischte Aktienanleger fragen sich, ob 5 Prozent auf US-Staatsanleihen nicht ziemlich attraktiv aussehen.

Zwei Fondsmanager gehen diesen Markt aus sehr unterschiedlichen Richtungen an. Craig Veysey hat gerade für Guinness Global Investors dessen ersten globalen Rentenfonds gestartet, den Guinness Global Dynamic Bond. Mit zuletzt 7,7 Jahren Duration positioniert er sich deutlich offensiver beim Zinsänderungsrisiko und kann die Duration auf bis zu zehn Jahre ausweiten. Felix Herrmann, Chefvolkswirt und Portfoliomanager bei Aramea, bleibt mit dem Aramea Kaizen bei gut drei Jahren und setzt lieber auf Kreditrisiken. Wir haben beide an einen Tisch geholt.

Der Markt: Zurück auf Mehrjahrzehnthoch

Wie außergewöhnlich die Lage ist, zeigt Veysey an wenigen Eckwerten. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren bei 3,6 Prozent, japanische Staatsanleihen gleicher Laufzeit bei mehr als 3 Prozent. Britische Gilts liegen bei über 5,4 Prozent, die zehnjährige US-Staatsanleihe bei 5,25 Prozent. In einigen Märkten sind das die höchsten Niveaus seit mehr als 20 Jahren. Die Treiber sind stärkere Inflationsimpulse, höhere Schuldenstände und Notenbanken, die mit Zinserhöhungen dagegenhalten. Dazu kommt seit dem Iran-Krieg ein Energiepreisschock, der Diesel und Benzin weltweit massiv verteuert hat.

Rendite zehnjähriger Staatsanleihen USA, Deutschland, Japan, Großbritannien (2008–2026)
Rendite zehnjähriger Staatsanleihen USA, Deutschland, Japan, Großbritannien (2008–2026) | Bildquelle: Guinness Global Investors

Bei Unternehmensanleihen sieht das Bild anders aus. Im globalen Investment-Grade-Segment stammt heute so viel von der Gesamtrendite aus dem zugrunde liegenden Staatsanleihezins wie seit der Zeit kurz vor der Finanzkrise nicht mehr. Die Risikoaufschläge sind also extrem eng. „Das heißt nicht, dass eine Finanzkrise bevorsteht“, sagt Veysey. „Aber als Investor in Unternehmensanleihen wird man heute schlechter bezahlt als noch vor ein paar Jahren.“

Herrmann sieht dahinter eine tiefere Verschiebung. Die globale Ersparnisschwemme, über die bis zur Corona-Krise alle gesprochen haben, kehrt sich aus seiner Sicht gerade massiv um. „Am Ende des Tages sind die globalen Ersparnisse endlich und aktuell sehr, sehr knapp“, sagt er. Ob Staaten oder Hyperscaler: Alle konkurrieren um dasselbe Kapital. Zusammen mit den enormen Schuldenständen treibt das vor allem die Zinsen am langen Ende nach oben.

DAS INVESTMENT: Sollten Anleger angesichts dieser Zinsbewegungen nervös werden – oder denken Sie: Endlich spielt im Anleihemarkt wieder echte Musik? Herr Veysey, fangen Sie an.

Craig Veysey: Die Anleger waren zuletzt sehr nervös, denn die Renditen sind in kurzer Zeit kräftig gestiegen. Dahinter stehen starke Inflationsimpulse, auf die Fed und EZB mit Zinserhöhungen reagiert haben. Am kurzen Ende sind je nach Markt schon drei bis vier weitere Schritte eingepreist. Ich verstehe die Sorgen, für Asset-Allokatoren ist das aber ein attraktives Einstiegsniveau. Die hohen Renditen liefern deutlich mehr laufenden Ertrag, und der summiert sich über die Jahre schön auf. Außerdem sind Staatsanleihen relativ sicher, ob Sie es glauben oder nicht. Scharfe Einbrüche wie bei riskanteren Anlageklassen sind bei ihnen selten. Einen nennenswerten Rücksetzer am Aktienmarkt hatten wir dagegen schon länger nicht, und bei den aktuellen Bewertungen sollte das Asset-Allokatoren durchaus beschäftigen.