Homeschooling während der Corona-Krise: Als im März 2020 die ersten Schulen schlossen, verzehnfachte die digitale Plattform Seesaw ihre Reichweite innerhalb eines Monats  | © imago images / MedienServiceMüller Foto: imago images / MedienServiceMüller

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„Ed-Tech-Sektor könnte das Bildungswesen umwälzen“

Das Coronavirus zwang Schüler, Studenten und Pädagogen weltweit, von einem Tag auf den anderen auf digitalen Unterricht umzustellen. Laut Beobachtungen der UNESCO ordneten 191 Staaten landesweite Schließungen von Bildungseinrichtungen an, von denen rund 98 Prozent der Schüler und Studenten in aller Welt betroffen waren. Dies führte in den vergangenen Monaten zu einem beispiellosen Experiment, bei dem digitale Lernangebote in rasantem Tempo eingeführt wurden. Während der Coronavirus-Krise hatten weltweit mehr als 90 Prozent der Schulen und ein Großteil der Universitäten ihre Tore geschlossen und den Unterricht auf digitale Kanäle verlagert. Ende April 2020 erhielten rund 1,7 Milliarden Schüler und Studenten Fernunterricht über eine Kombination aus Arbeitsplatz- und Lerntechnologien wie Zoom, Google Classrooms und Microsoft Teams.

Beispielloser Anstieg der Nutzerzahlen

Dem Anbieter der Sprachlern-App Duolingo zufolge ließen sich in der Regel drei bis fünf Tage nach der Einführung von Ausgangsbeschränkungen Spitzenwerte im Datenverkehr feststellen. Dieser verdoppelte sich zunächst in China, anschließend in Korea und erhöhte sich schließlich um 135 Prozent in Spanien, um 100 Prozent in Italien und um 90 Prozent in den USA. Dabei gab es zwei Arten von Hauptnutzern: Schüler und Studenten, denen Online-Lernmaterial von Lehrern und Dozenten zugewiesen wurde, und Erwachsene, die Social Distancing zu Hause praktizierten und sich für Kurse anmeldeten. Coursera meldete einen Anstieg der Neuanmeldungen um das Fünffache, wobei Kurse zur persönlichen Weiterentwicklung am beliebtesten waren. Insgesamt verzehnfachte sich die Zahl der angemeldeten Nutzer.

Download von Lern-Apps schnellte in China auf 127 Millionen

Als in China die ersten Fälle des Coronavirus bekannt und Schulen geschlossen wurden, boten digitale Lernplattformen ihre Online-Kurse gratis an, woraufhin die Zahl der neuen Nutzer häufig um das Zehnfache anstieg. Koolearn, GSX und Youdao, drei außerschulische Nachhilfedienste auf reiner Online-Basis, verzeichneten in dieser Zeit jeweils mehr als zehn Millionen Anmeldungen für ihr kostenloses Kursangebot. Im Vergleich dazu belief sich die Zahl der Nutzer zahlungspflichtiger Kurse vor der Krise auf einige Hunderttausend. Der Download von Lern-Apps schnellte in China auf 127 Millionen, was fast einer Verdopplung des Werts vor der Corona-Krise entspricht. Mit der Verlagerung des Unterrichts der Schulen ins Internet ging zudem ein sprunghafter Anstieg der in China verkauften iPads einher und führte zu Verfügbarkeitsengpässen.

Parallel zu der Verbreitung des Virus in der ganzen Welt beobachteten Ed-Tech-Unternehmen rund um den Globus einen Anstieg ihrer Nutzerzahlen. Als im März 2020 die ersten Schulen schlossen, konnte die Plattform Seesaw, mit der Schüler ein digitales Portfolio ihrer Arbeiten anlegen und mit Eltern oder Lehrern teilen, ihre Reichweite innerhalb eines Monats verzehnfachen. Google Classrooms, das es Lehrern ermöglicht, Unterrichtsaufgaben und Materialien an Schüler zu versenden, verdoppelte im März 2020 seine Nutzerzahl auf 100 Millionen, während die indische Online-Lern-App Byju’s im selben Monat sechs Millionen neue Nutzer registrierte. In Brasilien verzeichnete Estácio bei den Anmeldungen für reinen Online-Unterricht im ersten Quartal 2020 einen Zuwachs von 55 Prozent. Der US-Anbieter für digitale Lehrbücher Chegg meldete im selben Quartal bei den Abonnements für seine digitalen Lerndienste einen Anstieg von 35 Prozent. Ebenfalls in den USA registrierten sich innerhalb weniger Wochen Tausende von Schulen bei Newsela, einer App für attraktive digitale Inhalte und Lernressourcen.

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