Cum-Ex-Geschäfte doch kein Fremdwort

Neues Detail im Prozess Müller gegen Sarasin-Bank

Offenbar hatte Erwin Müller doch mehr Ahnung von Cum-Ex-Geschäften, als er bisher zugegeben hat. In der Klage und gegenüber den Ermittlungsbehörden behaupten der Drogerieunternehmer und sein Anwalt, Eckart Seith, dass die Sarasin-Bank Müller nicht über die Steuer-Details und damit verbundenen Risiken der Investition in den Sheridan-Fonds aufgeklärt worden zu sein. Dabei soll der Drogerieunternehmer schon früher in ein Cum-Ex-Geschäft investiert haben. Das legt ein Gutachten nahe.

Demnach soll Müller bei dem Steueranwalt Thomas Koblenzer vor einigen Jahren ein Gutachten zu einem cum-ex-ähnlichen Geschäft in Auftrag gegeben haben. Nach Informationen von Juve soll das darin bewertete Investment eine Dividendenarbitrage-Strategie aufweisen. Auch hier sollten also Aktien vor der Hauptversammlung mit Dividendenanspruch (cum) erworben und danach ohne Dividende (ex) verkauft werden. Das Ziel auch hier: Die abgeführte Kapitalertragssteuer mehrfach erstattet zu bekommen. Müller soll daraufhin erfolgreich investiert haben, denn damals standen die Cum-Ex-Geschäfte noch nicht im Visier der Steuerbehörden.

Hintergrund des Millionen-Prozesses Müller gegen Sarasin-Bank

Müller fordert 47 Millionen Euro von der Baseler Privatbank J. Safra Sarasin. Die hatte in den Sheridan-Fonds investiert, dessen Geld in US-Pensionsfonds geflossen war. Die wiederum hatten Cum-Ex-Geschäfte abschlossen, also Geschäfte, bei denen Manager kurz vor der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft deren Aktien (cum) kauften und sie direkt nach der Versammlung wieder verkauften (ex). Die Geschäfte und die mit ihnen verbundene Kapitalertragsteuer werden seit 2012 in Deutschland unterbunden - durch eine Neuregelung der Nachweispflichten. Deswegen fordert Müller das entgangene Geld nun von der Sarasin-Bank zurück. Zuletzt war die Entscheidung in dem Millionen-Prozess verschoben worden.

Auch AWD-Gründer Carsten Maschmeyer hat die Bank J. Safra Sarasin angezeigt, weil er knapp 14 Millionen Euro aus Cum-Ex-Geschäften zurückhaben will.

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