Das Jahr 2021 war für Cyber-Versicherer alles andere als einfach. Nachdem im Zuge der Corona-Pandemie immer mehr Mitarbeiter ins Homeoffice wechselten, stieg auch die Zahl der Hacker-Angriffe. So zählten die Cyber-Versicherer im Geschäftsjahr 2021 insgesamt knapp 3.700 Schäden durch Cyber-Attacken. Dafür leisteten sie rund 137 Millionen Euro.
Dazu kamen Schäden aus den Vorjahren, für die zusätzliche Rückstellungen gebildet werden mussten, erklärt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). An Beiträgen verbuchten die Unternehmen rund 178 Millionen Euro. Damit sind die Cyber-Versicherer 2021 erstmals in die Verlustzone gerutscht. „Unter dem Strich betrug die Schaden-Kostenquote fast 124 Prozent“, so Asmussen. Jedem eingenommenen Euro in der Sparte standen somit Ausgaben von 1,24 Euro gegenüber.
Schaden-Kostenquote von 78 Prozent
Nun scheint sich das Blatt gewendet zu haben: Die Cyberversicherer haben 2022 wieder schwarze Zahlen geschrieben. „Die Schaden-Kostenquote ist von fast 124 Prozent auf rund 78 Prozent gesunken“, sagt Asmussen. Auf jeden Euro Beitragseinnahmen kommen somit 78 Cent an Kosten für Schäden und Verwaltung.
Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen wurden den Versicherern im vergangenen Jahr weniger Hacker-Angriffe gemeldet. So ging laut Asmussen die Anzahl der Schäden um rund 5 Prozent auf knapp 2.900 zurück. Allerdings stiegen die Durchschnittskosten pro Schadensfall von 37.000 Euro auf 42.000 Euro an. Die Gesamtleistungen lagen nach GDV-Angaben bei 121 Millionen Euro. Zum anderen stieg das Prämienvolumen deutlich: Die Versicherer nahmen mit 249 Millionen Euro etwa 56 Prozent mehr ein als 2021.
Nachfrage nach Cyber-Versicherungen übersteigt Angebot
„Immer mehr Unternehmen haben das Risiko erkannt und suchen neben der Verbesserung ihrer IT-Security nach wirksamen Instrumenten, um ihre Bilanz zu schützen“, erklärte Thomas Pache, Cyber-Chef bei Aon Deutschland, bereits im April. Mittlerweile übersteige die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen das Angebot. Hintergrund seien die Anforderungen der Cyber-Versicherer an das IT-Sicherheitsniveau von Unternehmen. „Sofern diese erfüllt sind, bietet der Cyber-Versicherungsmarkt weiterhin Lösungen“, sagt Pache.
Doch viele Firmen erfüllen diese Mindeststandrads nicht, moniert der GDV-Chef. Er fordert insbesondere mittelständische Unternehmen erneut auf, sich stärker gegen Cyber-Attacken zu wappnen.
Auch die Prämien für gewerbliche Cyber-Versicherungen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. So spricht Aon-Cyber-Chef Pache von Prämien, die „teilweise zwischen 100 und 200 Prozent über den Beiträgen von 2020“ liegen.
