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Dachfonds-Manager entdecken ETFs

Ob ETF-Dachfonds oder Multi-Asset-Fonds: Es kommt <br> auf die richtige Mischung an. Quelle: Fotolia
Ob ETF-Dachfonds oder Multi-Asset-Fonds: Es kommt
auf die richtige Mischung an. Quelle: Fotolia
Die wachsende Bedeutung von ETFs zeigt sich nicht nur daran, dass diese Produkte immer häufiger in Dachfonds eingesetzt werden. Auch Manager von Aktien- und Rentenfonds greifen immer öfter auf diese zum Teil hoch spezialisierten Produkte zurück. Damit wollen sie ihre Anlageentscheidungen schnell umsetzen und flexibel von Marktbewegungen profitieren.

Ein weiteres Kennzeichen für die Nachfrage nach gemanagten ETF-Lösungen sind die in den letzten Wochen verstärkt aufgelegten Portfolio-ETFs. Während die Commerzbank ihr Produkt ganz klassisch Dachfonds nennt, verzichtet die Deutsche Bank bei ihren beiden neuen Fonds auf diesen Hinweis im Produktnamen.

Bei institutionellen Anlegern gelten ETFs im Allgemeinen als sehr teuer


Ein Grund für dieses Handeln bei der Namensgebung sind sicherlich die unterschiedlichen Zielgruppen: Der Dachfonds der Commerzbank richtet sich vornehmlich an Privatanleger, während die Stiftungs-ETFs der Deutsche-Bank-Tochter db x-trackers für institutionelle Anleger konzipiert wurden. Privatanleger haben mit Dachfonds in den vergangenen Jahren häufig gute Erfahrungen gemacht. Bei institutionellen Anlegern gelten diese Produkte dagegen im Allgemeinen als sehr teuer.

Allerdings sind die Namensunterschiede nicht das Einzige, worin sich die Produkte unterscheiden. Für das Portfolio des Commerzbank-Produktes kommen nur Aktien- und Anleihen-ETFs infrage. Der Spielraum bei den Fonds der Deutschen Bank ist größer, weil diese auch andere in Anlageklassen investieren dürfen. Somit ist der Fonds der Commerzbank ein klassischer gemischter Dachfonds, während es sich bei dem Dachfonds der Deutschen Bank um einen sogenannten Multi-Asset-Fonds handelt.

Während der Dachfonds der Commerzbank in ETFs von allen Anbietern investieren darf, beschränkt sich das Produkt der Deutschen Bank auf ETFs aus dem eigenen Hause. Man könnte der Deutschen Bank vorwerfen, dass diese über die Derivate-basierten db x-trackers das Risiko eines einzigen Kontrahenten in ihre Fonds nimmt - im Gegensatz zu anderen Dachfonds, die auf ETFs unterschiedlicher Anbieter mit verschiedenen Swap-Kontrahenten zurückgreifen. Aber aufgrund der gesetzlichen Beschränkungen zum maximalen Emittentenrisiko liegt dieses insgesamt betrachtet nicht höher, als es bei anderen Dachfonds theoretisch möglich wäre.

Hinzu kommt der Vorteil, dass ein Dachfondsmanager bei dem Einsatz von hauseigenen Produkten keine doppelte Gebührenstruktur einziehen darf. Dies bedeutet, dass der Dachfonds die jeweils für die unterliegenden Fonds gezahlten Gebühren mit seiner Verwaltungsvergütung verrechnen muss, wodurch dem Dachfonds automatisch eine Kostenebene entzogen wird.

ETF-Dachfonds eher für Privatanleger geeignet


Grundsätzlich sind diese neuen Produkte sicherlich für jede Art von Anleger geeignet. Allerdings werden professionelle Investoren mit klaren eigenen Meinungen zu den unterschiedlichen Marktsegmenten diese eher selbst mit den Instrumenten ihrer Wahl umsetzen, statt dies an andere Manager zu delegieren. Für Anleger, die sich dagegen nicht im Detail mit allen Marktsegmenten und Anlageinstrumenten auskennen, stellen diese Fonds eine gute Möglichkeit dar, um von den vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der ETFs profitieren zu können. Detlef Glow schreibt regelmäßig in der Online-Community von Thomson Reuters - Lipper, die nur für professionelle Investoren (Vermögensverwalter mit §32 KWG Zulassung o.ä.) zugänglich ist.

Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.
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