Dachfonds agieren oft im Schatten der großen Branchendebatten. Während intensiv über ETFs, aktives Management oder Asset Allocation gesprochen wird, findet das Multi-Manager-Segment in der öffentlichen Analyse seltener statt. Zu Unrecht, wie die neue Greiff-Dachfonds-Studie 2026 zeigt: Mit einem Gesamtvolumen von über 210 Milliarden Euro im Jahr 2025 hat der deutsche Dachfondsmarkt ein neues Allzeithoch erreicht.

Das Segment ist längst kein Spezialmarkt mehr, sondern fester Bestandteil der institutionellen und vermögensverwaltenden Kapitalanlage. Wellington Management, Co-Partner der Studie, nutzt die Erhebung, um den Markt datenbasiert und jenseits einzelner Produktdebatten transparenter zu machen.

Mit Marco Näder, Leiter Wholesale/Wealth (Deutschland & Österreich) bei Wellington Management, sprechen wir darüber, wie sich Allokationsprozesse aktuell verändern und warum Dachfondsmanager in der Praxis beim Thema „Aktiv versus Passiv“ sehr pragmatisch vorgehen. Zudem diskutieren wir im Interview, weshalb die eigentliche Herausforderung moderner Portfolios heute weniger im reinen Produktzugang liegt, sondern darin, strukturelle Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz oder De-Globalisierung frühzeitig und sauber in eine langfristige Gesamtanlage einzubetten.

Hier gibt es die gesamte Dachfonds-Studie 2026 

DAS INVESTMENT: Die Greiff-Dachfonds-Studie 2026 zeigt: Das Gesamtvolumen des deutschen Dachfondsmarktes hat 2025 die Marke von 210 Milliarden Euro überschritten. Das ist ein Allzeithoch. Was sagt Ihnen diese Zahl? Ist der Dachfonds als Anlageform in Deutschland unterschätzt?

Marco Näder: Dachfonds werden häufig unterschätzt, weil sie eher im Hintergrund stattfinden. Die Zahl zeigt vor allem, dass Dachfonds in Deutschland deutlich relevanter sind, als oft angenommen wird. Das ist kein Spezialmarkt mehr, sondern ein fester Bestandteil institutioneller und vermögensverwaltender Kapitalanlage.

Die Herausforderung besteht heute weniger darin, Zugang zu Produkten zu haben, sondern die richtigen Produkte dauerhaft zu identifizieren und sinnvoll miteinander zu kombinieren.

Gleichzeitig geht es immer stärker darum, strukturelle Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sinnvoll ins Portfolio einzubauen - etwa Themen wie künstliche Intelligenz, De-Globalisierung oder Infrastrukturinvestitionen. Entscheidend ist, Trends nicht kurzfristig hinterherzulaufen, sondern sie sauber in eine langfristige Gesamtallokation einzubetten.

Der Mehrwert eines modernen Dachfonds reicht heute über Diversifikation hinaus. Er liegt vor allem in der Selektion, der Risikosteuerung und der Fähigkeit, langfristige Entwicklungen sinnvoll in Portfolios zu integrieren.

Vor diesem Hintergrund überrascht uns das Wachstum des Marktes nicht. Eher im Gegenteil: Je komplexer Märkte werden, desto wichtiger werden professionelle Multi-Manager-Ansätze.

Wellington Management ist Co-Partner dieser Studie. Warum hat Wellington dieses Format gewählt und was erhofft sich Ihr Haus davon, den deutschen Dachfondsmarkt transparenter zu machen?

Näder: Für uns war wichtig, dass die Studie den Markt möglichst sachlich und datenbasiert betrachtet. Das schafft eine bessere Grundlage für Diskussionen - für Investoren, Asset Manager und Selektoren.

Bei Wellington Management ist dieser Austausch seit vielen Jahren wichtiger Teil des institutionellen sowie Wealth-Geschäfts. Die Studie schafft dafür eine breitere Grundlage, weil sie jenseits einzelner Produkte auf die Entwicklung des gesamten Dachfondsmarktes und die Veränderungen innerhalb institutioneller Allokationen eingeht.

Der deutsche Dachfondsmarkt ist zwar groß, wird gleichzeitig aber vergleichsweise selten und wenig öffentlich analysiert. Es wird viel über ETFs, aktive Fonds oder Asset Allocation gesprochen, aber deutlich seltener darüber, wie Dachfondsmanager tatsächlich investieren und wie sich ihre Portfolios verändern.

Genau hier setzt die Studie an. Neben Marktgrößen zeigt sie auch, wie sich Allokationen entwickeln: Wie verändern sich Selektionsprozesse? Welche Rolle spielen aktive Fonds noch? Wo werden ETFs stärker genutzt?

Gerade im deutschen Markt werden Debatten über aktiv versus passiv oft sehr grundsätzlich geführt. In der Praxis sieht man aber, dass viele Dachfondsmanager heute deutlich pragmatischer arbeiten. ETFs werden dort eingesetzt, wo sie effizient sind. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen aktive Manager weiterhin einen klaren Mehrwert liefern können.

Dachfondsmanager erkennen häufig früh, wohin sich Märkte und institutionelle Allokationen bewegen. Das zeigt sich nicht nur in den Portfolios selbst, sondern auch in den Gesprächen mit Selektoren und Multi-Managern über Risiken, neue Opportunitäten und langfristig an Bedeutung gewinnenden Themen.

Aktive Fonds machen laut Studie noch immer 47,5 Prozent des in Dachfonds eingesetzten Volumens aus, ETFs dagegen 41,4 Prozent. Der Abstand schrumpft. Wie erleben Sie diesen Shift im Tagesgeschäft?

Näder: Den Wandel sehen wir im Tagesgeschäft sehr deutlich. Wir erleben ihn in erster Linie als eine neue strategische Aufteilung innerhalb der Portfolios.

Viele Dachfondsmanager arbeiten heute deutlich pragmatischer als früher. Passive Lösungen werden dort eingesetzt, wo Märkte sehr effizient sind und wo es vor allem darum geht, sie günstig und breit abzubilden oder schnelle Asset-Allocation-Entscheidungen treffen zu können. Das sieht man zum Beispiel bei großen US-Aktienindizes oder sehr liquiden Standardmärkten.

Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen aktive Manager aus Sicht vieler Selektoren wichtig bleiben. Das betrifft oft Marktsegmente, in denen Einzeltitelauswahl, Marktkenntnis und Risikosteuerung einen größeren Unterschied machen können. Wie etwa bei europäischen Nebenwerten, Anleihebereichen wie europäischen Hochzinsanleihen oder Spezialthemen wie Infrastruktur oder asiatischen Technologiewerten.

Unser Mehrwert liegt dabei oft auch darin, gemeinsam mit Investoren zu hinterfragen, ob passive Lösungen tatsächlich das abbilden, was sie abbilden sollen. Gerade bei spezialisierteren Märkten zeigt sich immer wieder, dass Indizes teilweise sehr eng aufgebaut sind oder wichtige Teile des Anlageuniversums gar nicht erfassen.

Deshalb sehen wir heute in vielen Dachfonds eine stärkere Mischung aus beiden Ansätzen. Aktive Fonds kommen eher dort zum Einsatz, wo wirklich Überzeugung besteht und wo man sich einen klaren Mehrwert verspricht.

Die Anforderungen an aktive Manager sind deutlich gestiegen. Reichte früher oft eine gute Wertentwicklung, wollen Dachfondsmanager heute viel genauer verstehen, wie ein Fonds arbeitet, wie stabil der Ansatz ist und wie sich ein Manager in schwierigeren Marktphasen verhält. Wir denken nicht, dass aktive Strategien verschwinden. Aber die Messlatte liegt heute höher als noch vor einigen Jahren.

Welche Rolle spielen Dachfondsmanager heute noch als Gatekeeper im deutschen Markt? Oder haben professionelle Investoren längst gelernt, selbst zu selektieren?

Näder: Viele Investoren unterschätzen, wie aufwendig es geworden ist, aktive Manager wirklich über Jahre hinweg zu begleiten. Einen Fonds auszuwählen ist relativ einfach. Schwieriger ist es zu beurteilen, ob ein Investmentprozess auch unter veränderten Marktbedingungen stabil bleibt, wie konsistent ein Team arbeitet oder ob sich Risiken im Portfolio langsam verändern.

Dachfondsmanager beschäftigen sich kontinuierlich mit genau diesen Fragen. Sie führen laufend Gespräche mit Fondsmanagern und Investmentteams, hinterfragen Prozesse, beobachten Veränderungen und vergleichen Strategien über viele Marktphasen hinweg. Es geht darum, Qualität langfristig beurteilen zu können und Entwicklungen frühzeitig einzuordnen.

Technische Weiterentwicklungen und der Zugang zu relevanten Fondsdaten sind in den vergangenen Jahren zwar deutlich einfacher, schneller und transparenter geworden und viele Häuser haben ihre Investmentteams ausgebaut, können Fonds grundsätzlich selbst analysieren und selektieren. Zugleich ist der Markt aber auch deutlich komplexer geworden mit immer mehr Strategien, Produkten und Anbietern – mit deutlich mehr Anforderungen an Risikoprüfung, laufende Überwachung und Portfoliosteuerung.

Unter dem Strich bleiben Dachfondsmanager wichtig, auch wenn sich ihre Rolle verändert: Weg von der klassischen Fondsselektion hin zu mehr Einordnung, Risikosteuerung und der Fähigkeit, aus einer sehr großen Produktwelt die wirklich relevanten Strategien herauszufiltern.

Was sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Kriterien, nach denen Dachfondsmanager heute aktive Zielfonds auswählen – und hat sich diese Gewichtung in den letzten fünf Jahren verschoben?

Näder: Ein zentrales Thema ist die Stabilität des Investmentprozesses. Selektoren wollen verstehen, wie ein Fondsmanager investiert, wie Entscheidungen getroffen werden und ob ein Ansatz auch in schwierigeren Marktphasen tragfähig bleibt.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Stabilität der Teams. Viele schauen sehr genau darauf, wie lange Teams bereits zusammenarbeiten, wie Entscheidungen innerhalb eines Hauses getroffen werden und wie hoch die personelle Kontinuität ist. Gerade bei aktiven Strategien spielt das eine große Rolle.

Und der dritte Punkt ist das Risikomanagement. Gute Renditen allein reichen oft nicht mehr aus. Investoren wollen nachvollziehen können, wie diese Renditen erzielt wurden und wie sich eine Strategie in schwächeren Marktphasen verhält.

Mit dem höheren Zinsniveau hat sich der Blick auf viele Portfoliobausteine verändert. Anleihen spielen wieder eine andere Rolle im Portfolio, Liquidität wird anders bewertet und auch die Anforderungen an aktive Manager haben sich verschoben. Viele hinterfragen heute deutlich genauer, an welcher Stelle im Portfolio aktives Risiko wirklich sinnvoll ist und wo eher nicht.

Die Gespräche drehen sich inzwischen stärker um Disziplin im Investmentprozess und die Frage, ob ein Manager seinen Stil auch unter Druck konsequent beibehält. Statt auf kurzfristige Outperformance achten heute viele Anleger stärker darauf, ob ein Fondsmanager langfristig verlässlich arbeitet und Risiken nachvollziehbar steuert.

Sie haben in unserem Vorgespräch eine interessante These formuliert: Die großen Kunden bleiben Verfechter aktiver Strategien, die kleineren weichen zunehmend auf Passiv aus. Wie erklären Sie diesen Graben und ist er dauerhaft?

Näder: Große Häuser verfügen häufig über sehr breite Investmentplattformen, langjährige Selektionsprozesse und einen entsprechend großen Zugang zu Fondsmanagern weltweit. Dadurch können sie sich oft ein sehr tiefes Bild von aktiven Strategien machen und Manager über viele Jahre hinweg begleiten und beurteilen.

Gerade bei aktiven Strategien spielt dieser direkte Austausch eine wichtige Rolle. Große Investoren führen regelmäßig Gespräche mit Fondsmanagern und Investmentteams, vergleichen unterschiedliche Ansätze miteinander und können Strategien dadurch häufig sehr detailliert einordnen. Das stärkt oft auch die Bereitschaft, aktives Risiko bewusst einzugehen.

Kleinere Häuser arbeiten dagegen häufig flexibler und opportunistischer. Dort sieht man oft eine größere Offenheit gegenüber spezialisierten Nischenthemen oder kleineren Strategien, die bei großen Plattformen teilweise schwerer abbildbar sind. Auch spielt speziell bei kleineren Plattformen eine Rolle, wie aufwendig aktive Fondsselektion inzwischen geworden ist. Laufende Managergespräche, tiefe Analyseprozesse und die kontinuierliche Überwachung aktiver Strategien binden erhebliche Ressourcen.

Hieraus entsteht eine interessante Entwicklung. Große Häuser setzen häufig stärker auf etablierte aktive Strategien mit langer Historie und hohen Ressourcen. Kleinere Häuser bringen oft zusätzliche Diversifikation in den Markt, weil sie neue Themen oder spezialisierte Ansätze früher aufnehmen.

Wir sehen das derzeit weniger als Gegensatz zwischen Aktiv und Passiv. Vielmehr unterscheiden sich eher die Herangehensweisen und Möglichkeiten innerhalb der jeweiligen Plattformen. Wie dauerhaft dieser Unterschied bleibt, hängt von der zukünftigen Entwicklung der Märkte ab. In Marktphasen mit größeren Unterschieden zwischen Regionen, Sektoren oder Unternehmen steigt in der Regel das Interesse an aktiven Strategien und spezialisierten Ansätzen.

Wellington taucht in der Studie als einer der meistgewählten aktiven Einzelfonds im Gesamtranking auf – der Wellington Strategic European Equity Fund (ISIN: IE00B6TYHG95) findet sich in 34 Dachfonds, mit einem Durchschnittsgewicht von 4,4 Prozent. Was macht diesen Fonds zum Dauerbrenner bei deutschen Selektoren?

Näder: Der Fonds steht seit Jahren für einen sehr klaren und stabilen Ansatz im europäischen Aktienmarkt. Gleichzeitig konnte unser Fondsmanager Dirk Enderlein und sein Team über unterschiedliche Marktphasen hinweg einen stabilen Leistungsnachweis aufbauen. Auch in Zeiten, in denen europäische Aktien insgesamt nicht unbedingt im Fokus vieler Investoren standen.

Langfristige Verlässlichkeit und stabile Investmentteams sind für Dachfondsmanager oft wichtiger als kurzfristige Spitzenperformance. Viele Selektoren schauen sehr genau darauf, wie konsistent ein Fonds über unterschiedliche Marktphasen hinweg arbeitet und wie stabil der Investmentansatz bleibt.

Das gilt speziell für europäischen Aktienstrategien, da der europäische Aktienmarkt im Vergleich zu vielen Regionen insgesamt sehr breit und heterogen ist.

Ein wesentlicher Vorteil dürfte aber auch in der Breite unserer europäischen Aktienplattform liegen. Wellington verfügt in Europa über mehrere spezialisierte Aktienstrategien und ein großes europäisches Researchteam. Der Austausch zwischen den Teams ist dabei ein wichtiger Teil unserer Investmentphilosophie. Unterschiedliche Perspektiven und Einschätzungen fließen laufend zusammen, ohne dass einzelne Strategien ihren eigenen Stil verlieren. Dadurch entsteht oft ein deutlich breiteres Bild einzelner Unternehmen, Branchen und Markttrends, als es ein einzelnes Team allein abdecken könnte.

Viele deutsche Selektoren schauen sehr genau darauf, ob hinter einer Strategie wirklich eine belastbare Plattform steht oder ob der Erfolg stark von einzelnen Personen abhängt. Wir denken, dass genau diese Kombination aus langfristiger Stabilität, klarer Investmentphilosophie und einer breiten europäischer Researchplattform für viele Investoren eine wichtige Rolle spielt.

Wie unterscheidet sich der Zugang zu deutschen Dachfondsmanagern von dem zu anderen institutionellen Kunden? Welche Anforderungen stellen Selektoren heute, jenseits von Performance und Track Record?

Näder: Im Austausch mit deutschen Dachfondsmanagern merkt man schnell, dass neben der Performance vor allem die Nachvollziehbarkeit eines Investmentansatzes wichtig ist. Die Gespräche gehen oft tief in Investmentprozesse, Portfoliostrukturen und Risikosteuerung.

Transparenz ist wichtiger geworden. Dazu gehören regelmäßige Gespräche mit Fondsmanagern und Investment-Experten, Einblicke in Portfoliopositionen oder auch die Diskussion darüber, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden und wie sich Risiken im Portfolio verändern.

Unter dem Strich sind die Due-Diligence-Prozesse deutlich tiefer geworden. Teamstabilität, Nachfolgeplanung, Kapazitätsgrenzen oder der Umgang mit Liquidität spielen heute eine größere Rolle als früher. Hinzu kommt eine effiziente Abwicklung von Geschäftsprozessen: Gerade bei größeren institutionellen Selektoren spielen Reporting, Datenqualität, Reaktionsgeschwindigkeit oder die Zusammenarbeit mit Operations- und Serviceteams heute eine deutlich größere Rolle.

Auch die Erwartungen an den Austausch haben sich verändert. Statt Produktpräsentationen wünschen sich viele Investoren eher einen laufenden Dialog und eine ehrliche Einordnung von Märkten, Risiken und Positionierungen – gerade in schwierigeren Marktphasen.

Es geht inzwischen stärker um Vertrauen, Transparenz, verlässliche Prozesse und ein partnerschaftliches Verhältnis und weniger nur um reine Performancezahlen.

Wie konkret macht sich institutionelle Reputation beim Zugang zu Top-Allokatoren bemerkbar? Lässt sich das in verkürzten Due-Diligence-Prozessen oder höheren Einstiegsvolumina messen?

Näder: Institutionelle Reputation spielt für den Zugang zu großen Allokatoren definitiv eine Rolle. Gerade bei etablierten Selektoren oder großen Dachfondsplattformen beobachten wir, dass Vertrauen über viele Jahre aufgebaut wird und nicht kurzfristig entsteht.

Das lässt bekannte Anbieter aber nicht automatisch einfacher Mandate gewinnen. Auch große Asset Manager wie wir müssen ihre Strategien heute sehr detailliert erklären und sich denselben Prüfungen stellen wie andere Marktteilnehmer. Die Anforderungen an Due Diligence sind insgesamt deutlich gestiegen.

Einen Unterschied macht Reputation häufig beim ersten Zugang. Wenn ein Anbieter über viele Jahre konsistent gearbeitet hat, stabile Teams vorweisen kann und auch in schwierigeren Marktphasen verlässlich war, entsteht oft schneller eine Gesprächsbasis. Viele Investoren achten dabei auf die Stabilität der gesamten Plattform, die Zusammenarbeit der Investmentteams und die Art, wie Entscheidungen innerhalb eines Unternehmens getroffen werden.

Kennen Investoren einen Anbieter lange kann sich das in Einzelfällen auch in effizienteren Due-Diligence-Prozessen zeigen. Das Gleiche gilt für Einstiegsvolumina. Vertrauen kann dabei helfen, größere Tickets schneller diskutieren zu können. Gleichzeitig spielen aber auch strukturelle Themen eine wichtige Rolle. Viele institutionelle Investoren achten genau auf maximale Positionsgrößen im Verhältnis zum Fondsvolumen, um Anlegerkonzentrationen zu vermeiden oder mögliche Auswirkungen auf Liquidität und Swing Pricing gering zu halten.

Am Ende entscheidet aber selten allein der Name eines Hauses. Institutionelle Investoren prüfen genau, ob eine Strategie wirklich ins Portfolio passt und welchen konkreten Mehrwert sie liefern kann.

Unser Eindruck ist, dass Reputation heute weniger über reine Markenbekanntheit definiert wird als vielmehr über langfristige Verlässlichkeit, Service-Qualität, Transparenz und ein partnerschaftliches Verhältnis mit Investoren.

Ihre Abschlussthese: Wird der typische Dachfonds in zehn Jahren mehr oder weniger aktive Fonds halten als heute?

Näder: Der Anteil passiver Bausteine wird sicherlich weiter hoch bleiben, weil ETFs in vielen Marktsegmenten eine effiziente und sinnvolle Lösung sind. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass aktives Management in vielen Bereichen sogar wichtiger werden könnte. Die Kapitalmärkte verändern sich strukturell. Technologische Umbrüche, geopolitische Verschiebungen, stärkere staatliche Eingriffe, neue Handelskonflikte oder Industriepolitik verändern Märkte heute deutlich schneller als noch vor fünf oder zehn Jahren.

Hinzu kommt, dass sich Marktzyklen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz beschleunigen. Informationen verbreiten sich schneller, Kapitalströme bewegen sich teilweise auch antizyklisch und Marktphasen verändern sich deutlich schneller als früher. Dadurch wird es immer wichtiger, Entwicklungen richtig einzuordnen und Risiken aktiv zu steuern. Die vergangenen Jahre haben bereits gezeigt: In Phasen mit stärker auseinanderlaufenden Märkten kann aktives Management einen echten Unterschied machen.

Der typische Dachfonds wird in zehn Jahren wahrscheinlich nicht unbedingt weniger aktive Fonds halten, sondern vermutlich selektiver mit aktiven Strategien umgehen. Aktive Fonds kommen dort zum Einsatz, wo Investoren bewusst aktives Risiko eingehen wollen und sich davon einen klaren Mehrwert im Verhältnis zum eingegangenen Risiko versprechen.

Gefragt sein werden aus unserer Sicht vor allem Manager mit klaren und nachvollziehbaren Investmentprozessen, stabilen Teams und einem langfristig belastbaren Leistungsnachweis.