Damien Lanternier

Damien Lanternier

Damien Lanternier

„Deutsche Firmen könnten überproportional unter einem Wirtschaftseinbruch in China leiden“

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DAS INVESTMENT.com:  Rechtsruck, Krawallen bei Demonstrationen: Die Negativschlagzeilen um Frankreich reißen nicht ab. Auch wirtschaftlich steht das Land nicht gut da: Die Arbeitslosigkeit stieg im Juni auf Rekordhoch, die Wirtschaft stagniert, die Staatsverschuldung wächst. Trotzdem machen französische Aktien mehr als 50 Prozent des Portfolios Ihres Europa-Aktienfonds Agressor aus. Warum?

Lanternier: Weil ich als Stockpicker zuallererst in französische Unternehmen investiere, weniger in Frankreichs makroökonomisches Bild.

Wo ist da der Unterschied?

Lanternier: Es kommt nicht darauf an, wo eine Firma ihren Hauptsitz hat, sondern darauf, wo sie ihre Erträge generiert. Gerade qualitativ hochwertige französische Unternehmen sind international aufgestellt und exportieren einen Großteil ihrer Produktion sowohl in andere Industrie- als auch in Schwellenländer. Auch wenn französische Firmen 55 Prozent des Portfolios ausmachen, werden weniger als 15 Prozent der Erträge dieser Unternehmen im Inland generiert. Außerdem steht die französische Wirtschaft nicht so schlecht da, wie es die Schlagzeilen der vergangenen Monate suggerieren.

Inwiefern?

Lanternier: Die Wirtschaftslage stabilisiert sich. Strukturelle Reformen werden kommen, davon bin ich überzeugt. Allerdings ist das makroökonomische Umfeld nach wie vor schwierig. Die Baubranche beispielsweise ist derzeit äußerst schwach. Experten rechnen aber damit, dass die Regierung fiskale Anreize setzen wird, um der Branche auf die Sprünge zu helfen.

Und wie sieht es an den anderen europäischen Aktienmärkten aus? In welche lohnt es sich derzeit zu investieren?

Lanternier: Derzeit finde ich den Mid-Cap-Sektor in Italien interessant. Die italienische Wirtschaft wächst. Außerdem kommt Italien die starke Nachfrage nach Anleihen aus dem Euroraum zugute: Das Land finanziert sich derzeit so billig wie noch nie. Auch im krisengeschütteten Spanien gibt es einige unterbewertete Unternehmen, die sich in Zukunft gut entwickeln werden.

Und was ist mit Deutschland?

Lanternier: In der Bundesrepublik gibt es viele qualitativ hochwertige Firmen. Allerdings exportieren viele deutsche Konzerne einen großen Teil ihrer Produktion nach China. Daher hängt der deutsche Aktienmarkt stärker von der chinesischen Konjunkturentwicklung ab als andere Euro-Länder.

Ist das nun gut oder schlecht?

Lanternier: Jetzt, wo sich Chinas Wirtschaft gut entwickelt, ist das zwar von Vorteil. Dreht sich aber das Blatt, könnten deutsche Firmen auch überproportional unter einem Wirtschaftseinbruch in der Volksrepublik leiden. Auf lange Sicht wäre ich daher vorsichtig.

Welche Aktie war im ersten Halbjahr 2014 der Werttreiber des Fonds?

Lanternier: Numericable. Nachdem der französische Kabelnetzbetreiber im April den zweitgrößten Mobilfunk-Anbieter Frankreichs, SFR, übernahm, stieg seine Aktie um rund 17 Prozent. Gerade angesichts der derzeitigen Konsolidierung auf dem französischen Mobilfunkmarkt kann SFR von Synergie-Effekten mit Numericable sowie von einem neuen Management profitieren und seine Umsätze massiv steigern.

Und welches Papier bereitete Ihnen das meiste Kummer?

Lanternier: Nicht zufrieden waren wir von der Entwicklung der Aktie von CGG. Der Seismik-Dienstleister für Öl- und Gas-Konzerne ist ein zyklisches Unternehmen, das stark unter den jüngsten Problemen der Energiebranche gelitten hat. Schließlich setzen Öl- und Gas-Produzenten, die ihre Kosten senken wollen, zuerst bei externen Dienstleistern wie CGG an. Langfristig ist die Aktie aber in gutes Investment, da der Zyklus bald wieder nach oben zeigen dürfte, das Unternehmen ein tragfähiges Geschäftsmodell hat und mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent als Marktführer fungiert. Und unterbewertet ist die Aktie derzeit auch.

Ist die Euro-Krise Ihrer Meinung nach schon vorbei?

Lanternier: Die Geldmarktkrise ist vorbei: Die Europäische Zentralbank EZB macht einen guten Job. Die Wirtschaftskrise hingegen dauert noch an. Schuld sind die hohe Verschuldung mancher Staaten sowie Konjunkturmaßnahmen, die nicht nachhaltig sind.  

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