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Globale Investmentthemen und Emerging Markets

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Bewässerungssystem in Kalifornien Foto: imago images / Design Pics

Investmentrisiko Wassermangel

Damit sich im Portfolio keine Dürre breit macht

Bis 2030 wird die Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen anwachsen und 40 Prozent mehr Wasser benötigen als heute – das prognostiziert die Organisation 2030 Water Resources Group. Konflikte sind vorprogrammiert: Süßwasser macht lediglich 1 Prozent der globalen Wasservorräte aus. Dieses begrenzte Angebot ist durch übermäßige Nachfrage und Nutzung sowie Verschmutzung bedroht. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat in neun seiner zehn in den vergangenen Jahren erschienenen Global Risk Reports die „Wasserkrise“ als eines der fünf größten Risiken identifiziert, zuletzt im Jahr 2020. Es stuft sie als „gesellschaftliches Risiko“ ein, da sie Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche hätte: Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik und Technologie.

Dazu kommt der Klimawandel: Sollte die globale Temperatur wie prognostiziert bis 2050 um 2 Prozent steigen, wird das die Wasserknappheit in vielen Regionen der Welt weiter verschärfen. Die Weltbank schätzt, dass dadurch einige Regionen 6 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) verlieren könnten – ohne ein Gegensteuern ist sogar ein Minus von 14 Prozent möglich. Das betrifft nicht nur Entwicklungs- und Schwellenländer, sondern in unterschiedlichem Maße alle Kontinente und Volkswirtschaften.

Weltweit sind daher Investitionen in Technologien zur Wasserreinigung sowie -wiederverwendung und in die Versorgungsinfrastruktur und -effizienz erforderlich – auch in Industrieländern wie den Vereinigten Staaten.

It never rains in southern California

Die Region San Francisco Bay Area zum Beispiel ist stark von der Wasserproblematik betroffen. Sie befindet sich in einer der dürreanfälligsten und wassergefährdetsten Regionen der Welt. Und ohne die sogenannten Wasserkriege zu Beginn des 20. Jahrhunderts, milliardenschwere Infrastrukturinvestitionen und dem weltweit komplexesten und umstrittensten System innerstaatlicher und binationaler Wasserabkommen wäre Kalifornien, von der Wirtschaftsleistung her die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, schon vor Jahrzehnten das Wasser ausgegangen. Das vermittelt einen Eindruck von den Risiken, die das Thema für Investoren mit sich bringt. Dennoch sprechen nur sehr wenige Vermögensverwalter über das Wasserthema als Investmentrisiko – aus unserer Sicht zu Unrecht.

Das erwartete Sinken der Wasservorräte und der damit verbundene Rückgang des BIP stellen ein allgemeines Risiko für Investoren dar. Es betrifft alle Anlageklassen und umfasst ein breites Spektrum von Sektoren – naheliegende wie Landwirtschaft und Versorgungsunternehmen, aber auch weniger offensichtliche wie die Verpackungs- und Halbleiterindustrie.

Für bereits von Wassermangel geplagte Schwellen- und Wachstumsmärkte wie China und Indien prognostizieren Klimawandelmodelle, dass sich die Probleme weiter verschärfen werden. Das wiederum hätte erhebliche negative Auswirkungen auf Sektoren, in denen viele Investoren jetzt Wachstumschancen sehen. Darunter fallen Bekleidung und Textilien, Metalle, Bergbau und Werkstoffe. Hier werden im Wesentlichen „Bausteine“ für andere Branchen produziert. Dadurch betrifft das Wasserrisiko auch jene Unternehmen, die diese Bausteine in Produkte verwandeln.

Konkrete Auswirkungen für Anleger

Wasserrisiken müssen jetzt erkannt werden, nicht in der Zukunft. Denn sie sind auch ein materielles Risiko, das sich konkret auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken kann: Durch geringere Einnahmen und höhere Kosten. So können Mängel in der Wasserversorgung den Betrieb eines Unternehmens stören. Daneben lauern weitere Gefahren im mangelhaften Management des Wasserrisikos – etwa mit Blick auf die ordnungsgemäße Behandlung und Lagerung von Abwasser sowie das Verhältnis zu lokalen Interessengruppen und Gemeinden. Werden diese nicht richtig gehandhabt, können sie sowohl die für den Betrieb notwendigen Wasserreserven gefährden als auch zu Regulierungs- und Reputationsproblemen führen. Und schließlich auch den Aktienkurs belasten.

Ein Beispiel ist der wasserintensive Bergbausektor. Der Abbau und die Verarbeitung von Metallen erfordert viel Wasser. Außerdem führt die Herauslösung der Erze aus dem Gestein zu einer beträchtlichen Menge an Abwasser, das ordnungsgemäß behandelt und gelagert werden muss, um Umweltverschmutzung zu vermeiden. Der verantwortungsvolle und nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser ist daher gerade auch im Bergbau von größter Bedeutung.

Transparenz ist Trumpf

Obwohl viele Unternehmen über entsprechende Kennzahlen berichten und verschiedene Dienstleistungsanbieter versuchen, die Daten zu sammeln und zu standardisieren, sind die verfügbaren Informationen unvollständig und oft inkonsistent. Daher haben diejenigen aktiven Investoren einen Wettbewerbsvorteil, die eine gründliche Fundamentalanalyse betreiben und den wahren Wasser-Fußabdruck eines Unternehmens verstehen, anstatt sich auf einzelne Daten zu verlassen.

Grundsätzlich glauben wir, dass ESG-Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die langfristige Performance von Investitionen haben können. Wir analysieren diese Aspekte, um eine umfassendere Sicht auf den Wert, das Risiko und das Renditepotenzial eines Investments zu erhalten. Transparenz ist dabei der Schlüssel zum Risikoverständnis – fehlt aber in vielen Branchen. Unserer Ansicht nach werden Unternehmen und Sektoren, die derzeit bei der Offenlegung von Wasserrisiken und deren Auswirkungen auf die Betriebskosten führend sind einen Vorsprung haben gegenüber Konkurrenten, die im Rückstand sind oder denen der entsprechende Wille fehlt. Als Asset Manager suchen wir nach Unternehmen und Sektoren, die diese Probleme besser managen als andere und solchen, die Lösungen für Wasserknappheit, Abwasserentsorgung und effiziente Versorgung anbieten.

Wir gehen davon aus, dass die Wasserthematik in der Vermögensverwaltung eine immer größere Bedeutung erlangen wird. Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel dürfen nicht länger ignoriert oder als ferne Risiken betrachtet werden. Im Gegenteil: Wir müssen unsere Portfolios schon heute auf den Klimawandel ausrichten – und nicht erst 2030 oder 2050.

 

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