Es war einer dieser Momente, die eine Karriere definieren können. Daniel Schmidt saß 2010 in einem Konferenzraum der Deutschen Bank und erklärte, warum die Zukunft des Investmentmanagements eine Daten- und Technologie getriebene sein wird. „Wir brauchen eine digitale Investmentautomatisierung“, sagte er damals. „Das ist wie der Sprung von der Schreibmaschine zur E-Mail.“ Die Menge der Skeptiker war groß: Eine Bank sei schließlich keine Online-Plattform.

Schmidt verließ die Deutsche Bank und machte sich selbstständig. Heute, zwölf Jahre später, verwaltet seine Firma Cepres Daten von 18.000 Fonds mit einem Gesamtvolumen im Billionenbereich. Staaten, Versicherungen und Pensionskassen weltweit nutzen seine Plattform, um ihre Investments in Private Markets zu analysieren. Internationale Entwicklungsprogramme sowie die großen Staatsfonds sind dabei in Europa, USA und Asien, sie lenken und gestalten ihre Kapitalflüsse. Schmidt hat geschafft, was damals unmöglich schien: Er wurde zum Bloomberg der Private Markets, zum Betriebssystem einer wachsenden Branche.

Der zufällige Einstieg

Dabei begann alles mit einem Forschungsprojekt. Nach seinem Diplom in Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim kehrte Schmidt Anfang der 2000er Jahre an die Universität zurück. Die Europäische Kommission suchte Wissenschaftler, die Risiken von Private-Equity-Anlagen messen sollten. „Big Buyouts wurden gerade etabliert, immer mehr Versicherungsgelder flossen in diese Segmente“, erinnert sich Schmidt. „Die EU verstand das nicht und sagte: Macht mal wissenschaftliche Analysen.“

Mehr als 10 Universitäten aus ganz Europa beteiligten sich an dem Projekt. Schmidt brauchte Daten – nicht nur von Fonds, sondern von den dahinterliegenden Assets. Also klopfte er bei Fondsmanagern an, baute auf Basis stringenter Vertraulichkeitsvereinbarungen ein „Trusted Network“ auf und sammelte Informationen über deren Investments, bis hin zu den Umsatzentwicklungen einzelner Portfoliounternehmen. „Damals gab es noch keinen Namen dafür“, sagt Schmidt. „Heute bildet es den Marktstandard und man nennt es Look-Through.“

Was als wissenschaftliche Arbeit begann, wurde schnell zum Lebenswerk. Schmidt gründete das Center of Private Equity Research, eine vernetzte Datenbank, die er kontinuierlich ausbaute. 2001 promovierte er an der Goethe-Universität Frankfurt über Finanzen und Private Equity. Parallel dazu startete er bei VCM Capital Management, die später an die Deutsche Bank verkauft wurde. „Plötzlich sammelte ich nicht mehr aus wissenschaftlichen Gründen, sondern für Investmentzwecke.“

Bei der Deutschen Bank Private Equity Partners stieg Schmidt schnell auf. Als Managing Director verantwortete er die Produktentwicklung und Deal-Strukturierung, leitete Investments in vielen Regionen der Welt und baute sein Datennetzwerk weiter aus. Doch 2011 war Schluss. Schmidt wollte mehr. Er gründete Cepres.

Die Macht der Daten

Heute ist Cepres weit mehr als eine Datenbank. 180.000 einzelne Transaktionen sind erfasst, 140.000 davon können für Marktanalysen aggregiert werden. Doch Schmidt geht es nicht um die schiere Masse. „Wir gehen direkt zu den Fondsmanagern und haben mit Tausenden von ihnen Verträge“, erklärt er den Unterschied zu Konkurrenten: „Viele  ziehen ihre Daten aus Pressemeldungen und hoffen, dass es stimmt. Für eine rechtlich bindende Investmententscheidung, bei der es um Milliarden geht, reicht das nicht.“

Der entscheidende Vorteil: Cepres bekommt die Rohdaten – Cashflows statt fertig berechnete Renditen und differenziert sich durch eine komplexe Kalkulationsmaschine. „Unsere Technologie kalkuliert die Returns selbst“, sagt Schmidt. „So können wir sicherstellen, dass alles vergleichbar ist. Der eine Fondsmanager rechnet seine Rendite so, der andere anders. Wenn du das nebeneinander stellst, vergleichst du Äpfel mit Birnen.“

Diese Präzision hat ihren Preis. Während Schmidt seine Datenqualität preist, bauen einige Mitbewerber wie Blackrock konkurrierende Systeme auf. „Auch Investmenthäuser wollen das Daten- und Analyse-Ökosystem besitzen, um auf ihre Investmentopportunitäten zu leiten“, sagt Schmidt. Angst hat er keine.

Der KI-Prophet

Schmidt öffnet während unseres Gesprächs seinen Laptop und zeigt Charts zu Entry- und Exit-Multiples. Die Balken erzählen eine Geschichte: Die Bewertungen sind massiv gestiegen, aber die Spanne zwischen Top-Performern und Durchschnitt wird größer. „Die Spreu trennt sich vom Weizen wieder viel mehr als in den Jahren 2010 bis 2020“, sagt er. „Wer heute einfach kauft, was die Investmentbanken bringen, ohne eine tiefgehende Trendanalyse wird im Durchschnitt nach unten gehen. Die Welt dreht sich heute einfach zu schnell, neue Businessmodelle entstehen und alte gehen unter.“

Dann lässt er eine KI über die Daten laufen. Innerhalb von Sekunden analysiert sie makroökonomische Zusammenhänge, für die ein Mensch Stunden, vielleicht auch Tage bräuchte. „Du brauchst keine Charts mehr lesen“, sagt Schmidt fast beiläufig. „Das ist die Zukunft.“

Es ist diese Entwicklung, die Cepres in den vergangenen Jahren radikal verändert hat. „Früher konnte man trotz guter Analytics-Anwendungen auf Basis von Charts breite und tiefgehende Daten nur mithilfe aufwendiger Recherche verarbeiten“, erzählt Schmidt. „Das bindet Personal und Ressourcen. Heute dient die KI als Berater oder steigert die Effizienz des Beraters“. Cepres ist damit zu einem der größten KI-Anbieter im Bereich Investment Decisions geworden. „Wir bieten das komplette Ökosystem: von der Datengenerierung über strukturierte Daten und Kalkulationen bis zur KI, die komplexe Zusammenhänge analysiert.“

Der Markt der Zukunft

Für Schmidt ist klar: Die Demokratisierung der Private Markets ist unaufhaltsam. „In zehn Jahren wird jeder Wealth-Management-Kunde ein Portfolio haben wie die großen Endowments heute“, prophezeit er. Bis zu 50 Prozent in illiquiden Anlagen, inklusive Real Estate. Der Staat habe ein strategisches Interesse daran – nicht nur für bessere Renten, sondern um Kapital in geopolitisch relevante Projekte zu lenken. „Du kannst Geld nicht über die Börse in Venture Capital oder Infrastruktur steuern. Dafür brauchst du Private Markets.“

Die Zahlen geben ihm recht: 80 bis 90 Prozent der Unternehmen sind nicht börsennotiert. Hier findet der Großteil der globalen Wertschöpfung statt. Und hier sieht Schmidt die Zukunft – nicht nur für institutionelle Investoren, sondern bald auch für Privatanleger. Die neue Eltif-Regulierung macht es möglich.

Die unbequeme Wahrheit

Am Ende des Gesprächs wird Schmidt grundsätzlich. Die Branche stehe vor einem radikalen Wandel. „Es gibt nicht genug Menschen, um diese Kapitalvolumina smart zu investieren“, sagt er. KI werde nicht nur unterstützen, sondern ganz neue Effizienzen heben, und vieles in einer rasanten Geschwindigkeit möglich machen, wo wir heute noch nicht mal im Ansatz daran denken.

Dabei ist Schmidt kein Technologie-Romantiker. Über 22 Jahre Branchenerfahrung hat er gesammelt, von der wissenschaftlichen Forschung über die Deutsche Bank bis zur eigenen Firma. Er hat den Aufstieg der Private Markets von der Nische zum Billionenmarkt miterlebt und mitgestaltet.

„Ich bin aus der Deutschen Bank raus, weil ich wusste: Die nächste große Welle wird daten- und technologiebasiert sein“, sagt Schmidt. Die Welle ist da. Und Schmidt will nun ganz vorne mitreiten.

Seine Vision geht über das Geschäftliche hinaus. Wenn Staaten künftig Kapitalströme über Private Markets in strategische Projekte lenken, wenn Pensionsgelder nicht mehr nur in börsennotierte Unternehmen fließen, sondern zunehmend in Infrastruktur, Venture Capital und Mittelstand – dann verändert das nicht nur die Finanzwelt. Es verändert die Art, wie Volkswirtschaften funktionieren.

Wenn Schmidt heute von seinem Büro in München aus auf seine Karriere zurückblickt, sieht er einen roten Faden: Daten. Von der ersten Excel-Tabelle als Doktorand bis zur KI-gesteuerten Investmentplattform. „Ich habe immer daran geglaubt, dass man Investmententscheidungen automatisieren kann“, sagt er. Seine ehemaligen Chefs bei der Deutschen Bank haben das anders gesehen. Heute wohl nicht mehr.