BVK-Präsident Michael H. Heinz Foto: BVK

BVK-Präsident zum staatlichen Standardprodukt

„Dann müssten sich Sparer mit einer geringeren Rente begnügen“

Der Disput um eine Reformierung des deutschen Rentensystems spitzt sich weiter zu. Vergangene Woche forderte die FDP die Einführung einer sogenannten „gesetzlichen Aktienrente“ nach schwedischem Vorbild.

Daraufhin meldete sich Karl-Josef Laumann, CDU-Politiker und seit 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen zu Wort. Er lehnte den FDP-Vorschlag ab und forderte stattdessen ein staatliches Standardvorsorgeprodukt „ohne Abschlusskosten, mit niedrigen Verwaltungskosten, renditestark durch Aktienanteile". Nebenbei rügte der Vertraute des CDU-Chefs Armin Laschet die Versicherungsbranche scharf. Er bemängelte "immense Abschlusskosten, hohe Verwaltungskosten, nahezu wertlose Garantien und keine Rendite".

Nun setzt sich der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) zur Wehr. Vor allem die Kritik „wegen angeblich zu hoher Abschlusskosten“ ist dem BVK-Präsidenten Michael H. Heinz ein Dorn im Auge. „Bekanntlich arbeiten wir als Unternehmer und ehrbare Kaufleute nicht für umsonst und brauchen einen halbwegs auskömmlichen Verdienst“, schreibt er. Professionelle und individuelle Beratung könne es nicht kostenlos geben. „Die Tatsache, dass die Produktgeber der Politik kein überzeugendes Angebot zur Reform der privaten Altersvorsorge machen konnten, darf nicht auf Kosten der Versicherungsvermittler gehen,“ so Heinz.

Des Weiteren moniert Heinz die Vernachlässigung der sozialpolitischen Aufgabe von Versicherungsvermittlern im aktuellen Altersvorsorge-Disput. „Nur dank der Versicherungsvermittler sorgen seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten millionenfach Riestersparer vor und werden somit im Alter nicht auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein“, erklärt der BVK-Chef. Die Kritik aus der Politik sei seiner Auffassung nach eher dazu geeignet, das Vertrauen in die private Altersvorsorge von Riester-Versicherungen nachhaltig zu erschüttern sowie Zweifel am Sinn und der Notwendigkeit zu säen, privat für das Alter vorzusorgen.

Auch an dem von Laumann vorgeschlagenen Standardprodukt ohne staatliche Zulagen lässt Heinz kein gutes Haar. „Diese Sichtweise verkennt, dass auch hier vermutlich weit höhere Kosten entstehen werden, weil neue Strukturen geschaffen werden müssen. Und das würde die Rendite schmälern und zu Lasten der Vorsorgesparer gehen, die sich dann mit einer geringeren Rente begnügen müssten.“

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