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Loys-Chef Boydak über stabile Aktien „Dann sind mit einer Hausmeisterfirma 100 Prozent möglich“

Loys-Chef Ufuk Boydak
Loys-Chef Ufuk Boydak: „Es gibt Cloud-Unternehmen, die mit dem 50-fachen Umsatz oder mehr gehandelt werden, da geht in einem Bullenmarkt natürlich ordentlich die Post ab“ | Foto: Uwe Nölke / Ricarda Piotrowski

DAS INVESTMENT: Herr Boydak, ist Ihre Arbeit zurzeit einfach oder schwierig?

Ufuk Boydak: Ich finde sie angenehm mit Tendenz zu: Es wird schwieriger.

Warum?

Boydak: Man müsste sich eigentlich klarer positionieren. Das ist aber nicht leicht, weil es zurzeit zu viele Fragezeichen gibt.

Sie meinen sinkende Realzinsen, Delta-Varianten und krasse Engpässe in der Wirtschaft.

Boydak: Engpässe sind nicht das Problem. Die lösen sich irgendwann auf. Die Produktion folgt der Nachfrage – der klassische Schweinezyklus eben. Da hat der Negativzins eine ganz andere Tragweite, weil es um gesellschaftliche und soziale Strukturen geht und die Frage, was mit Aktien, also Produktivkapital ist.

Es ist schön, dass Sie darüber nachdenken, Ihr Job ist das aber nicht.

Boydak: Das stimmt, trotzdem mache ich mir Gedanken. Solche gesellschaftlichen Dinge stören mich. Auf die Märkte bezogen, sind die derzeit wichtigsten Risikofaktoren die Delta- Variante des Coronavirus und die Frage, ob noch einmal ein Lockdown kommt. Wobei wir uns das rein schuldentechnisch gar nicht mehr leisten können. Dann ist da noch die Frage, ob und wie stark die Inflation kommt – und trotzdem steht an der Börse gefühlt alles auf Allzeithoch.

Und nun?

Boydak: Wir gehen wie immer fundamental an die Sache heran und bieten unseren Anlegern Substanz als Schutz. Zum Beispiel über ein Unternehmen wie Post-NL. Das Geschäft mit Briefen, Logistik und Transport können wir gut berechnen. Und wenn man so ein gut aufgestelltes Unternehmen für das Acht- oder Neunfache des Gewinns kauft, kann man etwas Volatilität gut aushalten.

Womit wir bei Ihren Fonds sind. Bei Kollegen Bruns und Ihnen muss ich die Top-5-Positionen immer erstmal nachschlagen. Wo nehmen Sie die eigentlich immer her?

Boydak: Wir schauen absichtlich dorthin, wo die Scheinwerfer nicht sind. Die Frage lautet doch: Kann ich mit diesen ganzen populären Werten wie Microsoft und Alphabet meinen Anlegern noch einen Mehrwert bieten? Schwierig. Andererseits waren solche Aktien bisher kaum zu schlagen, weil sie sehr gut liefen. Dann muss ich mir durchaus die Frage gefallen lassen, warum ich lieber eine Mears aus UK kaufe und nicht die großen Techs.

Aber wie finden Sie solche kaum bekannten Sachen?

Boydak: Wir haben eine Datenbank mit rund 3.000 Werten als Universum. Die durchkämmen wir jede Woche und erhalten so eine Watchlist mit 250 Aktien.

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