Christin Jahns

Diskussion um den Weltindex Warum der MSCI World schwächelt – und was du jetzt tun kannst

Trader an der New Yorker Börse
Trader an der New Yorker Börse: Die Schwäche des großen MSCI World hat in den vergangenen Wochen für Unruhe gesorgt und viele Anleger verunsichert.
© Imago Images / UPI Photo

Verkehrte Welt: Bereits zu Jahresbeginn dümpelte der große MSCI World bloß vor sich hin, während Deutschland und Europa insgesamt einen starken Start erlebten. Gerade einmal 4 Prozent konnte der Weltindex im Januar auf Euro-Basis gewinnen, während der kleine Dax 8,6 Prozent zulegte und der Euro Stoxx 50 sogar 9,6 Prozent Plus machte.

Nachdem der Index sich in den Folgemonaten erholte und am 31. Juli 2023 mit 3.064 Punkten sein vorläufiges Jahreshoch erreichte, ging es zuletzt wieder deutlich abwärts. Bis zum 30. Oktober verlor der MSCI World rund 300 Punkte – und geriet erneut ins Kreuzfeuer der Kritik (Daten: Onvista, 7. November 2023).

Obwohl auch andere Indizes an Boden verloren, wurde einzig der MSCI World direkt als Investment infrage gestellt. Medien, in denen er Anlegern zuvor als Basisinvestment ans Herz gelegt wurde, titelten schon „MSCI World: Ist ein ETF-Sparplan noch die richtige Entscheidung?“, „MSCI World: Welt-ETF unter Druck, US-Übergewicht in der Kritik“ oder „ETF: Wie riskant ist der MSCI World?“  

Doch woran liegt es, dass der MSCI World schwächelt?

Zu Jahresbeginn ließ sich das schwache Abschneiden des MSCI World insbesondere mit dem hohen Anteil an US-Titeln im Index erklären. Mit knapp 67 Prozent sind amerikanische Papiere deutlich übergewichtet. Auf Platz zwei im Länderranking des MSCI World steht Japan mit einem Anteil von 6,2 Prozent. Zu Jahresbeginn performten beide Aktienmärkte deutlich schwächer als beispielsweise der chinesische oder der europäische Markt.

 

Da chinesische Aktien gar nicht und europäische Aktien nur zu einem relativ geringen Anteil im MSCI World vertreten sind, konnten diese die Schwäche der US-amerikanischen und japanischen Titel allerdings nicht ausgleichen, weshalb der MSCI World im Verhältnis zu anderen Indizes schwächer abschnitt.

Und wie lässt sich die aktuelle Schwächephase erklären?

Im Oktober war die Lage an den Börsen insgesamt alles andere als berauschend. Neben dem MSCI World, der rund 3,5 Prozent verlor, ging es auch für den wichtigsten deutschen Aktienindex Dax 3,7 Prozent abwärts und selbst der amerikanische Leitindex S&P 500 verlor 2,1 Prozent. 

Die Ursachen für den Kursverfall waren dabei vielfältig. Zu nennen ist die ausgebliebene Erholung Chinas nach der Corona-Pandemie und die daraus folgenden Konsequenzen für die Weltkonjunktur.  Darüber hinaus belasten die gestiegenen Zinsen in den USA und Europa die Aktienmärkte und haben weitreichende Folgen für Unternehmen und Verbraucher. Der Grund: Höhere Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten. Das wirkt sich negativ auf Investitionen aus, da mehr Geld für die Bedienung von Schulden aufgewendet werden muss, was wiederum die Kaufkraft einschränkt. Die Aussicht, dass die Zinsen aller Wahrscheinlichkeit weiter hoch bleiben werden, sorgt deshalb dafür, dass Börsianern nicht gerade zum Feiern zumute ist.

Hinzu kommt, dass es mit dem Israel-Konflikt neben dem Ukraine-Krieg nun einen zweiten Krisenherd gibt, der die ohnehin getrübte Stimmung an den Börsen zusätzlich nach unten drückt.

Ist der MSCI World jetzt also ein schlechtes Investment?

Der Punkt, für den der MSCI World am schärfsten kritisiert wird, ist sein US-Fokus. Was das angeht, muss gesagt werden, dass der Index zweifellos von US-Unternehmen dominiert wird und aufgrund dessen zu Jahresbeginn weniger stark zulegte als das bei anderen Indizes der Fall war.

Auf die aktuelle Schwächephase lässt sich das aber nicht so einfach übertragen, da hier eine Vielzahl von Märkten betroffen waren.

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Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass der Fokus auf US- und Tech-Titel bislang kein großes Thema, geschweige denn ein Problem war. Das ist auch damit zu erklären, dass Unternehmen wie Apple, Coca-Cola oder Nvidia zwar aus den USA stammen, inzwischen aber globale Schwergewichte sind, deren Produkte überall verkauft werden, weshalb sie keineswegs nur für die US-Wirtschaft, sondern für die gesamte Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind. 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Was in der aktuellen Diskussion zudem untergeht: Der MSCI World hat zwar im vergangenen Monat etwas Federn lassen müssen, enttäuscht aber auch 2023 keineswegs. Seit Jahresbeginn liegt er mit rund 11 Prozent im Plus, während andere globale Aktienfonds im Schnitt nur um 6,4 Prozent zulegten. (Stand: 6. November 2023). Über einen Zeitraum von 15 Jahren verzeichnete der älteste ETF auf den Weltindex, der iShares MSCI World (dist), im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 10,6 Prozent (insgesamt 355 Prozent). Damit liegt er deutlich über dem Median seiner Vergleichsgruppe, der bei lediglich 8,0 Prozent pro Jahr (insgesamt 218 Prozent) steht. 

Ein Abgesang auf den Weltindex dürfte angesichts dieser Bilanz mehr als übertrieben sein. Sich über das Thema Diversifikation Gedanken zu machen, schadet dennoch nicht.

Und wie kann ich mein Depot besser und breiter aufstellen?

Als Anleger kannst du aus der Diskussion mitnehmen, dass es wichtig ist, ETFs nicht nur nach dem Namen zu kaufen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Denn auch wenn der MSCI World sehr weltoffen klingt, berücksichtigt er in der Praxis vor allem US-Konzerne, während Schwellenländertitel überhaupt nicht enthalten sind.

 

Deinen Sparplan auf den MSCI World stoppen, solltest du deshalb aber nicht. Denn auch wenn der Index nicht wirklich die ganze Welt abbildet, investiert er dennoch in eine große Bandbreite erfolgreicher Unternehmen. Und wenn die Entwicklung wie aktuell mal etwas schwächer ausfällt, bekommst du für dein Geld, das du über einen Sparplan investierst, im Verhältnis sogar mehr Anteile, als das bei höheren Kursen der Fall wäre.

US-Fokus umgehen und Depot breiter aufstellen

Die Schwäche der USA zu Beginn des Jahres und der zwischenzeitliche Einbruch von Apple im Oktober zeigen allerdings, dass die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse keineswegs in Stein gemeißelt sind und du als Anleger deshalb auch Märkte wie Europa, die Emerging und Frontier Markets nicht aus dem Blick verlieren solltest, um Chancen zu nutzen und dein Depot gegen Schwankungen abzusichern.

 

Um das zu erreichen, kannst du zusätzlich zum MSCI World in einen Europa- und einen Schwellenländer-ETF investieren. Auf diese Weise deckst du einen größeren Teil der wirtschaftlichen Welt ab und kannst Schwächephasen der US-Wirtschaft durch mögliche Rallys in den aufstrebenden Märkten oder auf dem alten Kontinent ausgleichen.

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