Firmengebäude von Infineon Foto: IMAGO / Fotostand

Kapital Plus

Darum verliert der Fonds seinen Rückenwind

Die erste Reaktion: Naserümpfen. Ein europäischer Mischfonds, der die Möglichkeiten dieses förmlich nach Flexibilität schreienden Mediums gar nicht aktiv nutzt, sondern stumpf eine Gewichtung von 70 Prozent Anleihen und 30 Prozent Aktien einhält? Wer braucht so etwas, fragte sich so mancher Beobachter im Frühjahr 1994, als der Kapital Plus (ISIN: DE0008476250) auf der Bildfläche erschien.

Nun, an Nachfrage für den Neuling mangelte es von Beginn an nicht. Schon 2003 – kurz nach Platzen der Dotcom-Blase – lag das Volumen bei mehr als einer Milliarde Euro, heute sind es über 3 Milliarden Euro. Und in puncto Performance ist der Kapital Plus ohnehin über jeden Zweifel erhaben: Wer seit Mai 1994 ununterbrochen dabei ist, kann sich über eine durchschnittliche jährliche Wertentwicklung von 6,1 Prozent freuen. Eine Messlatte, an der sogar manch reinrassiger Aktienfonds scheitert.

Das einmal im Monat vorgenommene Rebalancing, das antizyklisch die ursprüngliche 70-30-Mischung wiederherstellt, macht sich also langfristig bezahlt. Seinen Platz unter den 100 Fondsklassikern von DAS INVESTMENT hat der Kapital Plus somit mehr als verdient.

Daran ändert zunächst einmal auch nichts, dass der langjährige Manager des Fonds, Stefan Kloss, Ende November 2020 Allianz Global Investors verlassen hat. Denn mit Marcus Stahlhacke hat dessen Stellvertreter das Ruder übernommen. Ihm zur Seite stehen die neu zum Team gestoßenen Manager Andreas de Maria Campos und Marcus Bayer.

Für die Auswahl der Einzeltitel ist zudem auf der Aktienseite weiter Thorsten Winkelmann verantwortlich, der auch den über verschiedene Zeiträume sehr erfolgreichen Allianz Europe Equity Growth (LU0256839191) betreut und 2020 allen Corona-Kapriolen zum Trotz diverse Volltreffer wie ASML, Infineon oder den dänischen Logistik-Riesen DSV Panalpina beisteuerte.

Und doch ist der künftige Erfolg des Kapital Plus kein Selbstläufer. Denn gerade in der knapp zehnjährigen Amtszeit von Stefan Kloss profitierte der Fonds von zwei großen Trends. Zum einen vom Mega-Lauf für Wachstumsaktien, der einem Growth-Manager wie Winkelmann in die Karten spielte.

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