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Fußgängerzone Zeil in Frankfurt Foto: imago images / Ralph Peters

Ausblick 2021

Darum werden Staaten weiter Schulden machen

Anna Stupnytska, Volkswirtin bei Fidelity

Die Volkswirtschaften haben sich nach der ersten Corona-Viruswelle zwar erholt. Doch viele Länder haben sich strengen Restriktionen unterworfen und hoffen auf rasche Einführung wirksamer Impfstoffe.

Politiker und Anleger beschäftigen sich bereits mit der Zeit nach der Pandemie. Insbesondere die hohe Staatsverschuldung stellt ein unübersehbares Problem dar, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Die Frage ist, wie die Regierungen mit dem Schuldenberg umgehen werden, der durch die Anstrengungen entstanden ist, die während der Covid-19-Krise entstandene gesamtwirtschaftliche Nachfragelücke zu schließen.

Fiskalpolitik hat entscheidend zur Konjunkturerholung beigetragen

Im Vergleich zur globalen Finanzkrise 2008, als sich die Regierungen auf die Geldpolitik verließen, hat sich während der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr 2020 die Fiskalpolitik als die wichtigere Stütze der Volkswirtschaften erwiesen. Die Regierungen in den entwickelten Ländern griffen rasch zu direkten Finanzhilfen, um die Haushaltseinkommen zu stabilisieren, als die Weltkonjunktur abrupt einbrach. Mit Kreditgarantien und direkter Kreditvergabe an Unternehmen wurden die Staatshaushalte in beträchtlichem Umfang dazu eingesetzt, um die Wahrscheinlichkeit eines dauerhaften wirtschaftlichen Schadens zu verringern und Arbeitsplätze zu sichern.

Mit weiteren fiskalpolitischen Anreizen in den kommenden Monaten ist zu rechnen. Doch zumindest in den USA könnte das Fehlen einer Mehrheit der Regierungspartei in beiden Häusern des Kongresses das Volumen und die Bandbreite der Maßnahmen begrenzen. Wir gehen davon aus, dass die US-Regierung im ersten Halbjahr 2021 Hilfen in Höhe von rund 1 Billion US-Dollar zur Verfügung stellen wird. Die staatlichen Gesamtausgaben werden aber weit geringer ausfallen, als wenn die Demokraten bei den Wahlen im Jahr 2020 eine umfassende Mehrheit errungen hätten. In einer zweiten (und vielleicht dritten) Virus-Welle wird dies wahrscheinlich nicht ausreichen, um die derzeit kräftige Konjunktur bis ins Jahr 2021 aufrechtzuerhalten.

Nach unseren Schätzungen würde ein Gesamtimpuls von rund 2 Billionen US-Dollar (bestehend aus 1 Billion US-Dollar an Hilfen im Zusammenhang mit dem Corona-Virus sowie weiteren Ausgaben) im Jahr 2021 nur 1,5 Prozentpunkte zum BIP beitragen. Dies bedeutet, dass sich die im Zuge der Krise entstandene Produktionslücke kaum vor 2023 schließen wird. Auf der anderen Seite sind Steuererhöhungen weniger wahrscheinlich. Dies könnte zwar mittelfristig das Wirtschaftswachstum stärken, langfristig aber die Staatsschuldenlast erhöhen.

Die Erholung dürfte schwankend verlaufen

In Europa wird die Erholung der Wirtschaft nach der ersten Welle durch neue Lockdowns zur Eindämmung der zweiten Welle beeinträchtigt. So könnte das Wachstum in den nächsten Quartalen negativ ausfallen. Die USA werden angesichts eines sich verschlechternden Infektionstrends wahrscheinlich nachziehen. Weitere Restriktionen könnten die Konjunktur in den USA hemmen und dazu führen, dass sich die Weltwirtschaft ungleichmäßig und in unvorhersehbarer Weise erholt.

Nach dem ersten Quartal 2021 sollte die Wirtschaftsaktivität jedoch wieder zunehmen, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden. Dabei hängt jedoch viel davon ab, wie schnell und in welchem Umfang Impfstoffe eingesetzt werden können. China stellt nach wie vor eine Ausnahme dar. Dort hat der Erfolg der Regierung bei der Eindämmung des Virus zusammen mit geld- und fiskalpolitischen Anreizen bereits dazu beigetragen, dass die Wirtschaft im Jahr 2020 wieder wächst. Wir erwarten, dass sich das Wachstum in China 2021 stabilisieren wird. Insgesamt schätzen wir die Risiken für die globalen Wachstumsprognosen (+5,4 Prozent nach jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds – IWF) als ausgewogen ein. Jedoch bleiben wir wachsam, was die Gefahr eines erneuten Rückfalls in die Rezession in den USA angeht.

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