Das bessere Europa

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(Quelle: DAS INVESTMENT) Die skandinavischen Aktienmärkte entwickelten sich in den vergangenen drei Jahren deutlich besser als viele europäische Börsen. Während der Aktienindex MSCI Europa nur um 9,7 Prozent zulegte, erzielte der MSCI Nordic mit 30,4 Prozent fast dreimal so viel Performance. Auf den starken Anstieg folgte im vergangenen Jahr zwar ein ebenso steiler Abstieg, doch bereits seit Mitte Januar dieses Jahres liegen die Börsen Schwedens, Finnlands, Norwegens und Dänemarks wieder in Führung. Die Performance-Treiber der Länder sind dabei sehr unterschiedlich: Norwegen ist der drittgrößte Erdöl-Exporteur der Welt. Der Aktienmarkt des Landes hängt darum stark von der Entwicklung des Ölpreises ab. Der dürfte weiter steigen. Doch selbst, wenn der Preis des schwarzen Goldes um 10 bis 20 Prozent fallen würde, kämen die Kurse der norwegischen Ölindustrie, darunter Firmen wie Statoil oder DNO, nicht unter Druck. An der Stockholmer Börse dominieren vor allem Finanztitel wie SEB oder Nordea und der Telekom-Konzern Ericsson. Die Kreditkrise ist hier kein Thema. In Nordeuropa ist der Grad der Fremdfinanzierung traditionell gering. Zu den wohl bekanntesten Unternehmen Finnlands gehört der Telekom-Konzern Nokia. Er profitiert von der hohen Nachfrage aus den Emerging Markets. Einen großen Stellenwert hat neben der IT- aber auch die Papierindustrie. Dänemark ist von der Sektorengewichtung her am breitesten aufgestellt und gilt als defensiver Markt. Hier dominieren vor allem Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, der Finanzbranche und dem Industriesektor. Eine wichtige Rolle spielt beispielsweise der Biotech-Konzern Novo Nordisk. Er ist der weltweit größte Hersteller des Diabetes-Mittels Insulin. Umsatz und Gewinn steigen zweistellig, was an der Börse belohnt wird. Eines ist allen skandinavischen Ländern gemeinsam: Ihre Fundamentaldaten versprühen Optimismus. Fast überall herrscht Vollbeschäftigung. Norwegen und Schweden haben sogar ausgeglichene Staatshaushalte. Und die relativ kleinen, offenen Volkswirtschaften glänzen mit hohem Wirtschaftswachstum. In den vergangenen zehn Jahren wuchs das skandinavische Bruttoinlandsprodukt im Schnitt um 0,8 Prozentpunkte stärker als das der restlichen Länder Europas. Der Norden profitiert von starken Exporten in die Emerging Markets, vor allem nach Russland und die Baltikum-Länder Estland, Lettland und Litauen. Zwar dürften die Volkswirtschaften nach einer Phase des rasanten Aufschwungs nun in eine Phase mit moderatem Wachstum eintreten, und dies nicht zuletzt aufgrund der Rezessions-Ängste in den USA, dennoch bleiben die Aussichten besser als für den Rest Europas. In den Aktienkursen scheint das allerdings noch nicht enthalten zu sein: Trotz der besseren Wachstumsaussichten liegen die Bewertungen der nordischen Firmen nicht über denen ihrer Konkurrenten aus dem übrigen Europa.