Das blaue Gold

//

(Quelle: DAS INVESTMENT) Die Wasserknappheit stellt die Welt in den nächsten Jahrzehnten vor neue Herausforderungen – und öffnet Anlegern ein lukratives Investitionsfeld. Bevölkerungswachstum, mangelnde Wasserqualität, eine überalterte Infrastruktur in den Industrieländern und der Klimawandel – das sind für Daniel Wild die vier großen Trends, die die Wasserbranche in den nächsten Jahren beschäftigen werden. Der Spezialist für Wasseraktien bei der Schweizer Vermögensverwaltung Sustainable Asset Management (SAM) schätzt, dass zurzeit rund 300 bis 400 Milliarden Dollar im Wassermarkt umgesetzt werden, Tendenz steigend.

Experten zufolge wird der Wasserverbrauch bis zum Jahr 2025 um 40 Prozent zunehmen. 2050 müssen sich dann fast 9 Milliarden Menschen das Süßwasser der Erde teilen. Das klappt schon heute nicht. Jährlich sterben 4 Millionen Menschen durch verschmutztes Trinkwasser, und mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Zwar ist Wasser weltweit im Überfluss vorhanden, nutzbar indes ist nur ein Bruchteil. Über 70 Prozent der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt. Doch 97 Prozent davon sind salziges Meerwasser, und 2 Prozent stecken im Eis der Antarktis, Alaskas und Grönlands. Nur ein Prozent der gesamten Wassermenge bleibt als Süßwasser übrig.

„Vor allem die Entwicklungsländer haben noch starken Nachholbedarf. Dort rechnen wir mit einem Wachstum von 10 Prozent pro Jahr“, so Wild. Doch nicht nur die Entwicklungsländer bieten Potenzial. „Die Wasserinfrastruktur in Westeuropa und den USA ist rund 50 bis 80 Jahre alt. Dort stehen jetzt viele Ersatzinvestitionen an“, so Wild. Und das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Wasserknappheit beträfen nicht nur Schwellenländer. Auch für den Süden der USA, etwa Kalifornien, sei das ein Thema. Ebenso geht der Klimawandel wohl kaum an den entwickelten Ländern vorbei. Aus diesen Trends ergeben sich für Wild vier Bereiche des Wassersektors, in denen sich ein Investment lohnt. Das sind erstens Firmen, die sich mit der Verteilung von Wasser oder der Erschließung neuer Quellen beschäftigen. Zweitens sieht er gute Chancen für Firmen, die sich mit der Aufbereitung von Wasser beschäftigen, sei es mit der Reinigung oder der Entsalzung von Meerwasser.

Ein drittes Thema ist die effizientere Nutzung von Wasser in der Landwirtschaft. Rund 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs geht auf die Landwirtschaft, die Industrie verbraucht rund 20 Prozent, die privaten Haushalte sind für 10 Prozent verantwortlich. Interessant sind daher vor allem Unternehmen, die den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft effizienter gestalten.

Ebenfalls aussichtsreich sind für Wild viertens Firmen, die den Wasserverbrauch der privaten Haushalte optimieren. „Wasser ist der Mega-Trend des 21. Jahrhunderts“, pflichtet Wolfgang Pflüger dem Schweizer Spezialisten bei. Auch für den Chefökonom der Hamburger Berenberg Bank sind die größten Profiteure jene Unternehmen, deren Technologien und Produkte bei der Ver- und Entsorgung von Wasser und Abwasser benötigt werden.