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„Das China-Wachstum war sowieso nicht zu halten“

Philip Ehrmann, Jupiter Asset Management
Philip Ehrmann, Jupiter Asset Management
Es besteht kein Grund, wegen Chinas derzeitiger wirtschaftlicher Verfassung in Panik zu geraten. Es stimmt zwar, dass sich die chinesische Wirtschaft gegenüber Anfang 2010 deutlich abgekühlt hat; die Rate von über 11 Prozent, mit der sie damals noch wuchs, war aber offen gesagt sowieso nicht haltbar. Der Regierung muss man zugute halten, dass sie für eine sanfte Landung der Wirtschaft gesorgt hat. Wir glauben, dass das Wachstum in China erneut anziehen dürfte. Den Impuls dafür werden eine lockerere Kreditpolitik sowie gewisse Hinweise auf einen fiskalischen Anreiz in Form höherer Infrastrukturausgaben liefern.

Ebenfalls positiv für die Wirtschaft ist, dass die Inflation unter Kontrolle gehalten wird. Der Verbraucherpreisindex des Landes (ein möglicher Indikator für die Teuerung) legte im September lediglich um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Die Erzeugerpreise sanken im selben Zeitraum um 3,6 Prozent, wobei aber der Deflationsdruck, der in den letzten Monaten zu beobachten war, mittlerweile ein Ende zu finden scheint. Vor diesem Hintergrund sollten chinesische Unternehmen in der Lage sein, höhere Umsätze zu erwirtschaften und ihre Gewinnmargen auszuweiten. Ich bin daher davon überzeugt, dass die Analysten ihre Prognosen für die Unternehmensgewinne, die sie in den letzten Monaten gewohnheitsgemäß gesenkt haben, allmählich wieder anheben werden.

Auf politischer Ebene sah es in den letzten Monaten so aus, als ob zwischen Reformern und den konservativeren Elementen innerhalb der Kommunistischen Partei eine Art Machtkampf stattgefunden hätte. Dieser scheint nun einen günstigen Ausgang gefunden zu haben. Unsere Zuversicht, dass die bisher erzielten Fortschritte bei der Öffnung der Wirtschaft rasch fortgesetzt und sich positiv auf die Kapitalmärkte auswirken werden, ist dadurch gestiegen. Im Zuge des bevorstehenden Führungswechsels werden sicherlich auch die letzten Unsicherheiten, die noch bestehen könnten, aus dem Weg geräumt werden.

Vor allem sollten die Anleger nicht vergessen, dass sich die chinesische Wirtschaft immer noch mitten in einem Prozess des Wandels befindet – von einer exportorientierten Wachstumsökonomie hin zu einer Wirtschaft, bei der dem Binnenkonsum eine bedeutendere Rolle als Wachstumstreiber zukommt. Dieser Wandel hat zweifellos schon eingesetzt, dürfte aber meines Erachtens noch gut die nächsten fünf bis zehn Jahre brauchen, um sich vollständig zu vollziehen.

Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin Unternehmen, die von der Neuausrichtung zum Binnenkonsum profitieren werden. Aus Bewertungssicht meine ich, dass Small und Mid Cap-Wachstumswerte, die den Fonds ausmachen, übermäßig abgestraft wurden. Die negative Risikostimmung, die an den globalen Finanzmärkten geherrscht hat, und die Sorge der Anleger um Chinas wirtschaftliche und politische Lage haben dazu beigetragen. Sowohl die Risikoaversion als auch die Besorgnis scheinen mittlerweile jedoch recht schnell nachzulassen.
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