Rennfahrer Daniel Ricciardo im Renault Foto: imago images / Motorsport Images

Fondsmanager Hans-Peter Schupp

Das Comeback der wahren Werte

Hans-Peter Schupp
Foto: Fidecum

Value oder Growth - die Frage, welcher Anlagestil bessere Ergebnisse liefert, beschäftigt die Börsianer bereits seit Jahrzehnten. Zumindest die Antwort für die jüngere Zeit fällt eindeutig aus. Seit 13 Jahren ist bei Value Sand im Getriebe. Umgekehrt feiern Tech- und Biotech-Werte einen Rekordkurs nach dem anderen. Dementsprechend hoch sind ihre (Über-)Bewertungen.

Value-Aktien, also unterbewertete Substanzwerte, sind derzeit einfach unpopulär. Das hat aber auch dazu geführt, dass sie noch zu den rar gewordenen Anlagen gehören, bei denen noch keine Blasenbildung stattgefunden hat.

Déjà vu

Die derzeitige Marktphase erinnert stark an die Nuller-Jahre. Auch in der Zeit des Neuen Marktes haben die Anleger alles gekauft, was nach Zukunft aussah. Kurs-Umsatz-Verhältnisse verdrängten Kurs-Gewinn-Verhältnisse, war eine Aktie angesagt, spielte die Bewertung keine Rolle. Tatsächlich hat das Internet die Welt revolutioniert, wie damals vielfach vorhergesagt wurde. Und heutige Online-Giganten wie Amazon sind wie Phönix aus der Asche aufgestiegen. Doch das Gros der damaligen Börsenstars hat nicht überlebt und ist zwischenzeitlich pleitegegangen. Als die TMT-Blase platzte, waren auf einmal wieder Value-Aktien gefragt, die zuvor als Titel aus der Old Economy gescholten wurden. Ähnliches könnte sich wiederholen. Der Crash der SAP-Aktie Ende Oktober weist auf jeden Fall in diese Richtung.

Vereinfacht ausgedrückt können die Menschen nicht allein von Daten und deren Verarbeitung leben. Es braucht auch die klassischen Unternehmen, die etwas produzieren oder Dienstleistungen des täglichen Bedarfs erbringen. Häufig sind sie sogar ähnlich profitabel wie die Wachstumswerte aus dem Tech- und Biotech-Bereich.

Das zeichnet Value-Aktien aus

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was unter Value-Titeln zu verstehen ist. Zu ihnen zählen Aktienunternehmen, deren Marktkapitalisierung unter ihrem inneren Wert liegt. Dieser lässt sich entweder anhand der künftigen und abgezinsten Gewinne oder anhand des Substanzwerts ermitteln. Beispiel Banken: Zahlreiche Kreditinstitute notieren unter ihren Buchwerten. So wies die Deutsche Bank Ende 2019 ein Eigenkapital von 55,9 Milliarden Euro aus. An der Börse kommt der deutsche Marktführer dagegen nur auf einen Wert von 16,5 Milliarden Euro. Klar: Die niedrigen Zinsen machen den Banken zu schaffen, wahrscheinlich werden sie nie mehr so viel verdienen wie früher. Aber ist wirklich ein Abschlag in dieser Höhe zu rechtfertigen?

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