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Das Draghi-Dilemma Die Eurokrise ist nur verschoben

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Die Dose weiter die Straße hinabschießen

Denn eigentlich hat Draghi die Eurokrise nur vertagt. „Kicking the can down the road“ nennt man das trefflich im Englischen – „Die Dose weiter die Straße hinabschießen“. Denn nichts ist geklärt: Italien rettet seine Banken mit Staatsgeld, obwohl das gar nicht mehr vorgesehen war. Das Land ist inzwischen mit 133 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verschuldet und hat ein Rating von nur noch einer Stufe über Schrott (BBB-). Unschwer auszumalen, was passiert, wenn die EZB ihre indirekte Anleihegarantie aufweichen sollte. Auch Spanien (99 Prozent), Portugal (129 Prozent) und Frankreich (97 Prozent) wären übel dran.

Damit steckt Draghi in einem Dilemma, in das er sich selbst reinmanövriert hat – auch wenn viele seine Maßnahmen von vor zwei Jahren heute noch als alternativlos ansehen. Doch nun hat er eine gesamte Währungsgemeinschaft an den Tropf gelegt und süchtig gemacht. Wie er daraus wieder rauskommen will? Niemand weiß es. Beim Notenbankertreffen in Jackson Hole sagte er nichts. Gleich darauf versuchten Experten zu entschlüsseln, was er denn so alles nicht gesagt habe. Und wie man das deuten könnte.

Diese Mischung macht die Anleihemärkte schwer berechenbar. Einerseits spricht vieles dafür, dass die Renditen niedrig und die Kurse hoch bleiben: Die Inflation ist niedrig, das Wachstum braucht noch etwas, um in die Gänge zu kommen, und Draghi will und kann noch kräftig Anleihen kaufen.

Aber die Stimmung kann eben auch kippen, nämlich wenn der Markt sich mit schlappen Renditen einfach nicht mehr zufriedengeben will. Einen Vorgeschmack lieferte das Phänomen, dass die Kurse von erstklassigen Anleihen seit einigen Monaten schwächeln (siehe Chart). Und das, obwohl die EZB genau dort jeden Monat zuschlägt.

Und nicht zuletzt besteht immer die Gefahr, dass die EZB mit ihren unkonventionellen Maßnahmen irgendwann eine rote Linie überschreitet, die sie sämtliches Vertrauen kostet. Dann glauben Investoren eben nicht mehr, dass Draghi den Euro retten kann. So etwas passiert normalerweise unangekündigt. Noch ist das nicht der Fall, im Gegenteil. Die Renditen sind wieder gesunken, und der Euro hat gegenüber dem Dollar sogar an Wert gewonnen. Wobei letzteres eher eine Dollar-Schwäche als eine Euro-Stärke ist. Quittung für die desolate Politik von US-Präsident Donald Trump.

An einer anderen Stelle in den „Glorreichen Sieben“ sagte Vin Tanner: „Ich kannte einen Typen in El Paso. Eines Tags zog er sich splitternackt aus und sprang in einen Kaktus. Ich fragte ihn auch: Warum?“ „Und?“ „Er sagte: Er hielt das damals für eine blendende Idee.“

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