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Das große Interview „Wie will sich Ofi Asset Management hier durchsetzen, Herr Grimaud?“

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Es gibt einige verschiedene Nachhaltigkeitsansätze. Wie sieht Ihrer aus?

Grimaud: Es sind zwei. Der eine ist ein Best-in-Class-Ansatz, der auf einem Bewertungssystem beruht, und bei dem wir aus allen Branchen die nachhaltigsten Unternehmen herausfinden. Der zweite ist ein thematischer Ansatz wie die Positive Economy.

Warum schließen Sie nicht einfach schmutzige Branchen aus?

Grimaud: Wir mögen absolute Ausschlussverfahren nicht so sehr, weil man da so schnell etwas übersehen kann. Wir richten uns lieber nach den sogenannten Kontroversen, also wenn Unternehmen mit ihrem Verhalten Konflikte auslösen. Wenn in unserem Überwachungssystem eine Kontroverse auftaucht, sehen wir sie uns genau an. Wenn sie schlimm ist, schließen wir das Unternehmen aus. Das sind die zwei Hauptpfeiler beim Thema Nachhaltigkeit. Hinzu kommt aber noch, dass wir auf Umwelt-Aspekte achten, wenn wir zum Beispiel in eine Immobilie oder ein Infrastrukturprojekt investieren.

Was haben Sie getan, als der Dieselskandal ausbrach?

Grimaud: Die VW-Anleihen haben wir behalten. Die Aktie hatten wir ohnehin nicht in unseren nachhaltigen Aktienfonds, da VW schon wegen seiner Unternehmensführung unter Beobachtung stand. Wir schicken nämlich einmal im Jahr Fragebögen an die Unternehmen, die wir analysieren. Von VW haben wir nie eine Antwort erhalten, also haben wir die Aktien nie gekauft.

Unter den sieben Fonds, die Sie nach Deutschland gebracht haben, ist auch ein Ofi Euro Large Cap. Das klingt etwas langweilig, finden Sie nicht auch?

Grimaud: Meinen Sie den Namen?

Nein, das Thema.

Grimaud: Wir brauchen so einen Fonds in unserer Palette. Aber Sie haben recht, allzu aufregend ist das Thema nicht. Soll es aber auch gar nicht sein.

Abgesehen von den Nachhaltigkeitskriterien, nach welcher Art Aktien suchen Sie für Ihre Portfolios?

Grimaud: Aktien mit niedrigen Kursschwankungen, hoher Dividende und guter Unternehmensführung.

Und welche Aktien schaffen das derzeit?

Grimaud: Zum Beispiel Air Liquide, ein Spezialist für Industriegase. Er erfüllt alle Kriterien, die wir mögen: Der Kurs schwankt nur gering, das Unternehmen liefert alles, was es verspricht, und ist dabei hervorragend geführt.

Sie suchen also nach langweiligen Aktien.

Grimaud: Genau, so ist es. Wenn Anleihen keine Renditen liefern, müssen Sie nach langweiligen Aktien suchen, die Ihnen stetiges Einkommen über die Dividende liefern. Ich finde, dass das absolut einleuchtet.

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