Das große Punktspiel Wie Clean Share Classes den Fondsvertrieb verwirbeln

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Jetzt bauen Fondsgesellschaften ein Angebot aus, das es unter anderem in Großbritannien und den Niederlanden schon länger gibt: die provisionsfreie Anteilsklasse, auf Neudeutsch „Clean Share Class“. In beiden Ländern ist provisionsgebundene Beratung schon lange verboten, dort läuft alles nur noch gegen Beratungshonorar.

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Clean Shares unterscheiden sich von herkömmlichen Anteilsklassen für Privatanleger, indem die Provisionsanteile fehlen: Der Ausgabeaufschlag fällt dadurch weg, und die Verwaltungsgebühr liegt deutlich tiefer. Denn darin ist bei normalen Klassen die Provision verpackt. Die belgische Gesellschaft Degroof Petercam hat zu jedem ihrer Fonds Clean Shares aufgelegt und Anfang 2018 in Deutschland genehmigen lassen. Normalerweise kostet beispielsweise der Aktienfonds Equities Europe in der normalen Privatanleger-Version (ISIN: BE0058178758) von 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr im Jahr. Die provisionsfreie Variante (BE6246041170) schlägt dagegen mit lediglich 0,75 Prozent zu Buche.

§ 70 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG): Zuwendungen und Gebühren

(1) Ein Wertpapierdienstleistungsunternehmen darf im Zusammenhang mit der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen oder Wertpapiernebendienstleistungen keine Zuwendungen von Dritten annehmen oder an Dritte gewähren, (...) es sei denn,

  1. die Zuwendung ist darauf ausgelegt, die Qualität der für den Kunden erbrachten Dienstleistung zu verbessern und steht der ordnungsgemäßen Erbringung der Dienstleistung im bestmöglichen Interesse des Kunden im Sinne des § 63 Absatz 1 nicht entgegen und
  2. Existenz, Art und Umfang der Zuwendung (...) wird dem Kunden vor der Erbringung der Wertpapierdienstleistung oder Wertpapiernebendienstleistung (...) offengelegt.

0,75 Prozentpunkte Preisnachlass im Jahr sind eine Menge. Damit können Privatanleger sogar mit den Konditionen großer institutioneller Anleger mithalten. Und mit noch einer anderen Konkurrenz. „Clean Share Classes sind auch eine Antwort auf die wachsende ETF-Branche, weshalb der Markt schon vor Mifid II in dieser Hinsicht im Umbruch war“, sagt Sebastian Höft, Abteilungsleiter B2B-Partner bei der Fondsdepotbank.

Buchstabensalat bei Fondsgesellschaften

Auch was den Aufwand betrifft, machen Clean Shares einiges einfacher. Denn es entfällt der regelmäßige Kehraus der Provisionen, der obendrein der Abgeltungssteuer unterliegt. Stattdessen verbessert der Betrag direkt die Wertentwicklung ihrer Fonds. Dort ist er zwar zusammen mit dem normalen Gewinn auch steuerpflichtig – der Steuervorteil ist damit wieder futsch –, dafür zweigt sich die Fondsplattform nichts mehr ab.

Inzwischen bieten zahlreiche Fondsgesellschaften Clean-Share-Varianten ihrer Produkte an. Das Volumen ist aber durchweg überschaubar. Standards gibt es keine, sogar die Buchstaben-Zusätze sind unterschiedlich. Franklin Templeton nennt seine Tranchen W und Z, Degroof Petercam V und W, UBS vergibt ein Q, Allianz Global Investors ein R, DWS ein TF, Nordea ein C und Sauren ein H. Fairerweise muss man aber sagen, dass die Branche derzeit wirklich dringendere Probleme hat. Nämlich eine Steuerreform, neues Datenschutzrecht und die ganzen anderen Belange von Mifid II. Und das alles bei sinkenden Margen. Tauschen will da keiner.

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