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Das Handbuch für Finanzberater, 3. Leseprobe Diese Art von Empfehlungs-Marketing ist in den meisten Fällen gesetzwidrig

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Abgesehen davon, dass diese Art der in meinen Augen sehr aufdringlichen Namensakquise nicht jedem liegt, bringt diese auch juristische Probleme mit sich, und zwar immer dann, wenn der „empfohlene Interessent“ von Ihnen kontaktiert wird, ohne dass er Ihnen hierzu zuvor eine Erlaubnis erteilt hat. Strukturvertriebe reden dieses Problem regelmäßig klein, und es kann ja auch gut sein, dass Sie in 99 Prozent der Fälle mit dieser Vorgehensweise gut klarkommen und auf keinen Widerstand stoßen. Dennoch sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass diese Art der Kundenansprache einen Verstoß gegen Paragraph 7 Absatz 2 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) darstellt. Dieser lautet:

Unzumutbare Belästigungen


(1) Eine geschäftliche Handlung, durch die ein Marktteilnehmer in unzumutbarer Weise belästigt wird, ist unzulässig. Dies gilt insbesondere für Werbung, obwohl erkennbar ist, dass der angesprochene Marktteilnehmer diese Werbung nicht wünscht.

(2) Eine unzumutbare Belästigung ist stets anzunehmen

1. bei Werbung unter Verwendung eines in den Nummern 2 und 3 nicht aufgeführten, für den Fernabsatz geeigneten Mittels der kommerziellen Kommunikation, durch die ein Verbraucher hartnäckig angesprochen wird, obwohl er dies erkennbar nicht wünscht;

2. bei Werbung mit einem Telefonanruf gegenüber einem Verbraucher ohne dessen vorherige ausdrückliche Einwilligung oder gegenüber einem sonstigen Marktteilnehmer ohne dessen zumindest mutmaßliche Einwilligung.

Verstöße gegen diese Vorschriften werden nach den Busgeldvorschriften des Paragraph 20 UWG wie folgt geahndet:

(1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen Paragraph 7 Absatz 11. in Verbindung mit Paragraph 7 Absatz 2 Nummer 2 mit einem Telefonanruf oder

2. in Verbindung mit Paragraph 7 Absatz 2 Nummer 3 unter Verwendung einer automatischen Anrufmaschine gegenüber einem Verbraucher ohne dessen vorherige ausdrückliche Einwilligung wirbt.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu dreihunderttausend Euro geahndet werden.

(3) Verwaltungsbehörde im Sinne des Paragraph 36 Absatz 1 Nummer 1 des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten ist die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen.

Für viele Vermittler ist die oben genannte Vorgehensweise eine sehr attraktive Möglichkeit, schnell den eigenen Kundenstamm zu erweitern. Und wenn sie dies mit einer seriösen Beratung kombinieren, mag das auch im Ergebnis moralisch zu rechtfertigen sein („Ich habe meinen Empfehlungskunden doch nur Vorteile gebracht.“). Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Vorgehensweise in den meisten Fällen gesetzwidrig und deshalb mit dem Anspruch einer seriösen Vermittlertätigkeit meiner Meinung nach nicht vereinbar ist.

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