„Das ist ein Wahn“

Fed-Blase im Energiesektor droht zu platzen

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Seit Anfang 2010 haben die Energieerzeuger nach Angaben der Deutsche Bank über neue Anleihen und Kredite rund 550 Milliarden US-Dollar eingesammelt, während die Federal Reserve ihre Zinsen nahe null hielt. Angesichts der einbrechenden Ölpreise bezweifeln die Investoren, ob einige der Emittenten ihren Zahlungsverpflichtungen überhaupt noch nachkommen können. Das Analysehaus Creditsights erwartet, dass sich die Ausfallquote bei Ramschanleihen im Energiesektor im kommenden Jahr auf 8 Prozent verdoppeln wird.

“Alles was in Wahn ausartet, endet böse”, sagt Tim Gramatovich, Investmentchef von Peritus Asset Management im kalifornischen Santa Barbara. “Und dies ist ein Wahn.”

Die Entscheidung der US-Notenbank, ihre Leitzinsen seit sechs Jahren auf einem Rekordtief zu halten, hat Investoren auf der Jagd nach Rendite dazu veranlasst, Gelder in spekulative Wertpapiere zu stecken. Das hat Bedenken aufkommen lassen, dass die damit einhergehenden Risiken übersehen wurden.

Ein Bericht von Moody’s Investors Service von vergangener Woche stellte fest, dass sich der Anlegerschutz bei Firmenanleihen auf einem Allzeittief befindet. Derweil waren die Durchschnittsrenditen auf Ramschanleihen jüngst sogar niedriger als das, was Unternehmen im Bereich Investment Grade vor der Kreditkrise zahlen mussten.

Die Fremdfinanzierungskosten von Energiefirmen sind in den letzten sechs Monaten in die Höhe geschossen, während sich der Preis der US-Rohölsorte West Texas Intermediate seit dem diesjährigen Hoch im Juni bei 107,26 Dollar je Barrel mittlerweile fast halbiert hat. Am Mittwochmorgen notierte der Januar-Kontrakt für WTI bei 55,35 Dollar je Barrel.

Der Renditen von als spekulativ eingestuften Energieanleihen sind vergangene Woche auf 9,5 Prozent gestiegen und haben damit den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren erreicht, zeigen Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch. Mindestens drei Kreditnehmer aus dem Energiesektor, darunter C&J Energy Services, haben die Aufnahme neuer Finanzmittel in diesem Monat verschoben, während sich die Stimmung eintrübte.

Firmen mit einer Bonitätsnote von “B” oder darunter sind vom Markt ausgeschlossen


In den vergangenen fünf Jahren sei es “supergünstig gewesen”, um als Energieunternehmen an Finanzierung zu kommen, sagt Brian Gibbons, leitender Analyst für die Öl- und Gasbranche bei Creditsights in New York. Doch nun seien Firmen mit einer Bonitätsnote von “B” oder darunter “praktisch vom Markt ausgeschlossen” und müssten sich “auf eine Kombination aus Verkäufen von Vermögenswerten” und ihre Kreditlinien verlassen.

Als spekulativ gelten bei Moody’s Firmenanleihen mit einem Rating von “Ba1” oder weniger und bei Standard & Poor’s von “BB+” oder niedriger.

Die drei Kaufrunden von Anleihen durch die Fed seien für kleine Firmen im kapitalintensiven Energiebereich, deren Erfolg auch von günstigen Finanzierungen abhängt, ein kleines Geschenk gewesen, sagt Chris Lafakis, leitender Ökonom von Moody’s Analytics in West Chester, Pennsylvania. Die quantitative Lockerung sei “einer der Schlüsselfaktoren für das schnelle, halsbrecherische Wachstumstempo der US-Ölproduktion gewesen, das üppiges Kapital benötigt”, so Lafakis.

Die höchst akkommodierende Geldpolitik der US-Notenbank könnte nach Aussage des Harvard-Professors und ehemaligen Fed-Governeurs Jeremy Stein “im Laufe der Zeit Risiken” bergen. Je länger der Leitzins nahe null gehalten werde, desto größer die Gefahr sich daraus ergebender Vermögenspreisblasen, meint er.

Ölunternehmen mit hohen Finanzierungskosten trifft der niedrigere Ölpreis


Eines der Unternehmen, das Nutzen aus der Fed-Politik zog, war Energy XXI. Das Öl- und Gasexplorationsunternehmen aus Houston hat in den vergangenen vier Jahren am Anleihemarkt mehr als 2 Milliarden Dollar aufgenommen. Die Schuldverschreibungen der Firma zu 9,25 Prozent im Volumen von 750 Millionen Dollar, die im Dezember 2010 emittiert worden waren, sind auf rund 60 Cent je Dollar Nominalwert gefallen - verglichen mit 106,3 Cent im September, wie Daten von Trace zeigen, dem Berichtssystem für Anleihekurse der Financial Industry Regulatory Authority. Sie rentieren mit rund 30 Prozent.

“Ölunternehmen, die im Eagle Ford und bei Bakken-Schiefer-Anlagen hohe Finanzierungskosten haben, gehören zu jenen, die den niedrigeren Ölpreisen jetzt am stärksten ausgesetzt sind”, sagt Gary C. Evans, Konzernchef von Magnum Hunter Resources, im Telefoninterview mit Bloomberg News.

Die 9,75-Prozent-Anleihe von Magnum Hunter im Volumen von 600 Millionen Dollar und Fälligkeit 2020 ist von 109 Cent im September auf zuletzt etwa 74 Cent eingebrochen, zeigen Trace- Daten. Die Papiere werden von S&P mit “CCC” bewertet und werfen eine Rendite von etwa 17 Prozent ab.

Magnum Hunter hat Evans zufolge im Laufe der vergangenen anderthalb Jahre fast allen Grundbesitz im Ölbereich verkauft und ist nun vorwiegend ein Gasunternehmen.

“Wir haben uns dagegen abgeschirmt”, erklärt der Konzernchef weiter. Bei anderen gefährdeten Kreditnehmern wird wahrscheinlich im März oder April ein “Liquiditätsengpass” auftreten, wenn die Banken neu berechnen, wie viel sie sich - auf Basis des Werts ihrer Ölreserven - im Rahmen ihrer Kreditlinien ausleihen dürfen.

Die Deutsche Bank sagte am 8. Dezember voraus, dass etwa ein Drittel der Unternehmen mit einer Bonitätsnote von “B” oder “CCC” nicht in der Lage sein dürfte, den Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, wenn der Ölpreis auf 55 Dollar je Barrel fallen sollte. Und letzteres ist mittlerweile eingetreten.

“Wenn die Ölpreise lange genug niedrig genug bleiben”, sagt Oleg Melentyev, ein in New York ansässiger Kredit-Stratege der Deutschen Bank, “dann gibt es ein ziemlich gutes Argument dafür, dass einige der schwächsten Emittenten im Hochzinsbereich auf Cashflow-Probleme stoßen könnten.”

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