Shibuya-Kreuzung in Tokyo Foto: IMAGO / Imaginechina-Tuchong

Robert Halver über Japan

Das Land der aufgehenden (Aktien-)Sonne

Seit seinem Allzeithoch Ende 1989 mit 38.957,44 Punkten wäre es nicht das erste Mal, dass der Nikkei 225 erfolglos versuchte, an seine historischen Erfolge anzuknüpfen.

Angst vor Deflation? Ja, panisch!

Der Hit „Big in Japan“ der Band „Alphaville“ aus den 80er Jahren passte damals auf Japans Sturm und Drang-Wirtschaft wie die Faust aufs Auge. Nippons Aktien liefen wie Sushi am Circle. Ich erinnere mich gerne an meine frühere Studienzeit zurück, in der mir fast jeder japanische Optionsschein ein Zubrot bescherte.

Jedoch platzten 1990 die völlig überblähten Spekulationsblasen bei Aktien und Immobilien wie Seifenblasen. Das Land verfiel in eine jahrzehntelange deflationäre Depression. Niemand konsumierte oder investierte heute, weil es morgen billiger wurde. Und während die Aktienindices der Industrieländer ihre Anleger mit Rekordständen am laufenden Band aufhellten, konnten auf dem japanischen Aktienmarkt keine ordentlichen Lux-Werte erreicht werden. 

Zu spät begriff die Notenbank in Japan den Ernst der Deflation. Sie versuchte ihr zwar zu entkommen. Da ihre Leitzinssenkungen aber zunächst viel zu zaghaft ausfielen, holte sie Japan immer wieder ein. Erst 1999 brach die Nullzins-Zeit an.

Da diese aber auch nicht den erhofften Aufhellungseffekt erbrachten, setzte die Bank of Japan schließlich auf den massiven Aufkauf von Staatspapieren.

Seitdem erhalten die hemmungslos auf Pump finanzierten staatlichen Ausgabenprogramme in puncto Zins und Absatz die volle Rückendeckung. Die Notenbank hat die Finanzierung der öffentlichen Haushalte übernommen.

Aktuell besteht sogar mehr geldpolitische Nachfrage als finanzpolitisches Angebot. Kein Wunder also, dass Japan mit annähernd 270 Prozent Verschuldung gemessen an seiner Wirtschaftsleistung der Schulden-Weltmeister unter den Industrieländern ist. Dagegen ist jedes Euro-Land ein Stabilitäts-Musterschüler.  

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