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Grüne Anleihen Das Lesen der Schattierungen von Green Bonds ist eine Kunst

Sitz eines europäischen Recyclingkonzerns in Antwerpen
Sitz eines europäischen Recyclingkonzerns in Antwerpen: Statt den Gläubigern höhere Coupons zu zahlen, wenn ein Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht, wäre es besser, die Coupons zu senken, wenn besonders ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele erreicht werden. | Foto: Imago Images / Belga

Wegen der hohen Nachfrage ist der Markt für Green Bonds erheblich gewachsen. Grüne Anleihen fördern den grundlegenden Wandel, der nötig ist, um den Klimawandel aufzuhalten (Grafik 1). Das Anlegerinteresse an der Assetklasse ist groß – so groß, dass häufig Aufschläge für grüne Anleihen gezahlt werden. Tatsächlich sind Investoren nach einer aktuellen Schätzung von Morgan Stanley bereit, auf fünf bis zehn Basispunkte Rendite gegenüber vergleichbaren traditionellen Papieren zu verzichten. Das klingt nach einer Win-win-Situation. Unternehmen und andere Emittenten haben günstigen Zugang zu Kapital, das sie einsetzen, um unseren Planeten zu schützen. Dazu finanzieren sie Projekte, die Umweltschäden verringern oder beseitigen.

Grüne Anleihen sind eine großartige Innovation, aber nicht immer halten sie, was sie versprechen. Nicht allen Emittenten ist Nachhaltigkeit gleich wichtig, und nicht alle haben strenge Richtlinien oder eine klare Dokumentation.

Einige Anleihen sind grüner als andere

Pilar Gomez-Bravo, MFS IM

Grundsätzlich sollen Green Bonds die Finanzierung klimafreundlicher Projekte unterstützen, aber manche Emittenten haben selber eine schlechte Umweltbilanz. Die Platzierung einer grünen Anleihe macht ein Unternehmen nicht automatisch nachhaltig. Deshalb ist es wichtig, vor einer Anlageentscheidung auch die Nachhaltigkeitsrichtlinien des Emittenten und seine Berichterstattung über wesentliche ESG-Risiken zu betrachten. Aber auch sie sind nur Teile des großen Ganzen und müssen im Zusammenhang mit eingehenden fundamentalen, bewertungsbezogenen und technischen Analysen gesehen werden.

Der Teufel steckt im Detail

Deshalb prüfen unsere Analysten die Anleihedokumentation sehr genau. Hier gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Emittenten, beispielsweise bei der Verwendung der Erlöse oder der Qualität der Berichterstattung über die Wirkung grüner Anleihen. Unsere internationalen Analysten tauschen sich darüber aus, welche Emittenten höchste Dokumentationsstandards einhalten, beispielsweise zur Zweckbindung der Erlöse. Zur Illustration haben wir in Grafik 2 Auszüge aus der Dokumentation zweier Emittenten aus demselben Sektor gegenübergestellt. Einer kommt aus den USA, der andere aus Europa. Als besonders gut gelten Emittenten, die eindeutig beschreiben, für was die Anleiheerlöse keinesfalls genutzt werden. Die „Caveat emptor“-Rhetorik, (Lateinisch: „möge der Käufer sich in Acht nehmen“) ein Rechtsgrundsatz, wonach beim Kaufvertrag der Käufer das Risiko dafür trägt, dass der Kaufgegenstand frei von offenen Sach- und Rechtsmängeln ist, mag ähnlich sein, aber es gibt erhebliche Unterschiede zwischen Green-Bond-Emittenten. Sie haben verschiedene Richtlinien, und vor allem sind nicht alle bereit, umfassend zu berichten, wie sie die von ihnen finanzierten Projekte kontrollieren und die Kontrollergebnisse offenzulegen gedenken. Unsere Analysten prüfen die Richtlinien und die damit verbundenen Kontrollverpflichtungen und engagieren sich bei Emittenten, um Entwicklung und Umsetzung klarer Nachhaltigkeitsvorgaben zu fördern.

Richtige Anreize?

Robert M. Hall, MFS IM

Nachhaltige Anleihen sind noch sehr neue Themenanleihen. Sie sollen den Emittenten helfen, Nachhaltigkeit zu fördern und wichtige ESG-Risiken in ihren Sektoren anzugehen. Wer sie begibt, muss bestimmte ESG-Ziele in einem vorab festgelegten Zeitraum erfüllen oder seinen Gläubigern einen höheren Coupon zahlen.

Die Bedingungen sind unterschiedlich streng, aber die Emittenten werden zur Kasse gebeten, wenn es ihnen beispielsweise nicht gelingt, Treibhausgasemissionen zu reduzieren oder die Diversität zu verbessern. In manchen Fällen sind die Anforderungen zu gering oder werden an schwer messbaren Kennziffern festgemacht.

Auch hier ist es für unsere Analysten wichtig, sich bei Emittenten zu engagieren, damit die Ziele klar definiert, ehrgeizig und objektiv zu überprüfen sind.

Statt den Gläubigern höhere Coupons zahlen zu müssen, wenn das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsziele nicht erreicht, wäre es vielleicht angemessener, die Coupons zu senken, wenn besonders ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele erreicht werden: Belohnung statt Bestrafung. Der Emittent würde für die Erreichung seiner Ziele mit niedrigeren Finanzierungskosten belohnt, und die Anleger könnten sicher sein, in einen besonders nachhaltigen Emittenten investiert zu haben.

Analyse ist besser als Labels

Auch bei Anleihen mit einem „grünen Label“ halten wir eingehende Analysen für sinnvoll: Welchen ESG-Risiken ist der Emittent ausgesetzt? Wie relevant sind diese Risiken? Und erhalten die Investoren für sie einen angemessenen Ausgleich? Wir bei MFS Investment Management sind überzeugt, dass ein integrierter, auf Engagement ausgerichteter ESG-Ansatz einen zeitnahen Wandel hin zu einer nachhaltigeren Welt fördert. Das spricht auch für einen aktiven langfristigen Ansatz, der nicht nur auf Ausschlüssen oder passiven Anlagen in Green Bonds beruht, sondern auch die fundamentale Kreditwürdigkeit eines Emittenten sowie dessen ESG-Gesamtkonzept berücksichtigt. Da viele Emittenten jetzt möglichst schnell als nachhaltig gelten wollen und deshalb „Emittenten-Latein“ droht, sollte man aus unserer Sicht einen umsichtigen, disziplinierten Prozess verfolgen, der zu einer verantwortungsvollen Kapitalallokation führt.

Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.
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