Themen
TopThemen
Fonds
Fondsanalyse
Mediathek
Märkte
Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender Finanz-Charts Globale Märkte Krypto-Kurse (in Echtzeit) Währungen (in Echtzeit)
Kai Werner Röhrl

Kai Werner Röhrl

„Das Marktrisiko ist weg"

//

DAS INVESTMENT.com: Springt der Vertrieb auf die neuen Long-Short-Produkte an? Kai-Werner Röhrl: Die Resonanz ist insgesamt sehr positiv. Hier und da hören wir von Beratern zwar: Warum soll ich jetzt Long-Short-Fonds empfehlen, wenn Aktien günstig einzukaufen sind? Aber natürlich weiß niemand, ob Aktien nicht doch noch einmal deutlich billiger werden, auch wenn die gegenwärtige Erholung zuversichtlich stimmt. Ein gewisses Timing-Risiko bleibt jedenfalls. Zudem gehört schon etwas Mut und Fingerspitzengefühl dazu, Anlegern einen  Aktienfonds mit einer Minusbilanz von unter Umständen 50 Prozent über ein Jahr anzudienen. Anders ist das bei einem marktneutral investierenden Long-Short-Fonds. Dort spielt für den  Einstieg die aktuelle Bewertung der Märkte keine Rolle. DAS INVESTMENT.com: Den Abschied vom Long-only-Konzept hatten vor einiger Zeit bereits die sogenannten 130-30-Fonds eingeläutet – mit mäßigem Erfolg. Die Absatzzahlen blieben ernüchternd, ihre Performance ebenfalls. Röhrl: Sicherlich setzten Berater und Anleger, die sich mit der Thematik beschäftigten, hohe Erwartungen in die 130-30-Konzepte. Ein Vergleich mit marktneutralen Produkt wäre jedoch unangebracht. Denn auch wenn ich 130 long und 30 short investiert bin, habe ich das Marktrisiko immer noch voll im Produkt. Mit anderen Worten: Es besteht ein Beta-Faktor von Eins, der mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in einem fallenden Markt bei voller Investition zwangsweise auch zu Kursverlusten führt. Wenn Sie marktneutral investieren, ist das Beta nahe Null oder gleich Null, das Marktrisiko ist also weg. Im Übrigen zeigen sich auch bei den 130-30-Produkten erhebliche Unterschiede. Wenn ich mir zum Beispiel unseren Robeco 130-30-European Equities (WKN A0MXTZ)anschaue, sehe ich, dass er in der Ein-Jahres-Betrachtung seine Benchmark deutlich schlagen konnte … DAS INVESTMENT.com: … doch hat auch dieser Fonds seit Auflage im Frühjahr 2008 rund 40 Prozent nachgegeben. Röhrl: Natürlich konnte sich auch unser Produkt nicht von den Marktentwicklungen komplett entkoppeln, schließlich ist auch hier das Marktrisiko noch voll im Produkt. Aber es hat für Anleger gegenüber der Benchmark einen Mehrwert geliefert - und nicht zuletzt eine erheblich geringere Volatilität als andere 130-30-Produkte dokumentiert. DAS INVESTMENT.com: Traditionelle Portfoliomanager sind interessiert am positiven Potenzial einer Aktie und weniger an Titeln mit Negativpotenzial. Wie setzen Sie diese gegensätzlichen Strategien um? Röhrl: Ganz klar, für einen klassischen Stockpicker bedeutet eine Shorting-Strategie gewissermaßen die Umkehrung seines Anlageprozesses. Doch derjenige, der quantitative Modelle für seine Auswahl nutzt, hat per se schon immer gute und tendenziell schlechte Aktien identifiziert. Bei uns geschieht das, indem wir ein Aktien-Ranking aufstellen und in fünf Fünftel aufteilen. Die ersten beiden Fünftel kommen für Long-Positionen in Frage, die letzten beiden für Short-Positionen. Wir treffen dabei keine Aussage darüber, welches Kursziel eine Aktie hat. Unser Modell zeigt nur, welche Aktien sich voraussichtlich über- oder unterdurchschnittlich gegenüber dem Markt entwickeln werden. DAS INVESTMENT.com: Meinen Sie, dass klassische Stockpicker damit ausgedient haben? Röhrl: Nein, Fondsmanager mit fundamentalem Research und guten Gespür für die Märkte werden auch in Zukunft eine feste Größe bleiben. Allerdings spielen quantitative Modelle eine immer größere Rolle im übrigen auch bei fundamental geprägten Ansätzen. Die meisten Portfoliomanager dürften heute bei einem umfangreichen Anlageuniversum für ihre Vorauswahl ein quantitatives System nutzen. Wenn Sie ein globales Portfolio betreuen, kommen für Sie vielleicht 5.000 Titel in Frage. Wenn Sie bei jeder dieser Aktien fundamentales Research betreiben wollten, müssten Sie ziemlich viele Analysten beschäftigen. Das ist schlicht nicht wirtschaftlich. DAS INVESTMENT.com: Gerade in der Krisenphase hat sich Stockpicking teils aber auch als erfolgreicher als quantitative Ansätze herausgestellt. Röhrl: Im Einzelfall trifft das sicherlich zu und überrascht auch nicht - die Märkte befinden sich gerade in einer Phase der „Unordnung“. Sie laufen momentan nicht nach den gleichen Spielregeln, nach denen sie in 95 Prozent aller Phasen funktionieren. Ein quantitatives Modell beruht immer auf Vergangenheitsdaten, also auf Basis der Analyse von längeren Zeitreihen. Dadurch entstehen zwangsläufig gewisse Glättungseffekte. Ein quantitatives System kann die gegenwärtigen außergewöhnlichen Ereignisse nicht erfassen. Und wie könnte es erahnen, dass morgen eine Bank pleitegeht? Insofern können in Phasen wie diesen quantitative Systeme tendenziell einen Nachteil gegenüber demjenigen haben, der mit einer guten Orientierung eine Bauchentscheidung trifft. Erfahrungsgemäß ist es aber so, dass die Märkte über kurz oder lang zu ihrem „normalen Betrieb“ zurückfinden, dann greifen quantitative Modelle auch wieder besser. DAS INVESTMENT.com: Allerdings behaupten viele Marktexperten, dass aufgrund der Globalisierung die Korrelation der Märkte immer stärker wird. Die klassische Asset-Allocation nach Markowitz bringt deshalb kaum noch positive Effekte. Röhrl: Die Korrelationen verändern sich im Zeitablauf, ganz klar. Beispiel: Im Frühjahr  2008 lag die Korrelation unseres Global-Long-Short-Quant-Portfolios -das ist das institutionelle Pendant zu unserem Publikumsfonds Robeco Global All Weather Equities (WKN A0Q740)-, gegenüber den weltweiten Aktienindex MSCI Welt seit Auflegung bei minus 0,65. Ende des Jahres rangierte sie bei minus 0,12. Das heißt, die Korrelation zu den üblichen Märkten stieg im Portfolio an. Dies kann an der bereits erläuterten Prognose-Unschärfe liegen, die bei quantitativen Systemen auftreten kann, wenn übliche Marktmechanismen für einen begrenzten Zeitraum nicht zu beobachten sind. Wie auch immer: Korrelationen sind – leider - nicht statisch, was aber auch heißt, dass es sich schnell wieder in die andere Richtung entwickeln kann. DAS INVESTMENT.com: Passt ein Chamäleon-Produkt wie ein Long-Short-Fonds überhaupt in eine strategische Asset Allocation?
Röhrl: Wir sehen das Produkt als Teilersatz für Long-only-Aktienportfolios. Es gibt gute Gründe für ein Engagement in marktneutralen Anlagestrategien: Wenn ich mich zum Beispiel in die Lage eines Beraters versetze, der womöglich x-hundert Kunden-Portfolios betreut, steht er bei einer aktiven Asset-Allocation-Beratung vor der logistischen Herausforderung, den Kunden rechtzeitig in Märkte hinein- und wieder herauszubekommen. In einem angemessenen Zeitraum ist das fast nur über eine nicht regelgebundene Verwaltung möglich und würde zudem einigermaßen homogene Portfolios der Anleger voraussetzen. Wir decken mit unserem Long-Short-Fonds das weltweite Aktienportfolio ab, darum kann es als Alternative für eine internationale Aktienstrategie oder ein europäisches Engagement im Bereich der Standardwerte gesehen werden. Er kann aber auch einen Teil der Rentenquote ersetzen, das hängt nicht zuletzt von der Risikopräferenz des Anlegers ab. Es ist damit ein Basisprodukt, eine Quote von 10 bis 20 Prozent innerhalb eines Gesamtportfolios kann es durchaus darstellen. DAS INVESTMENT.com: Was haben Sie bislang mit Global All Weather Equities eingeworben? Röhrl: Zurzeit liegen wir bei rund 27 Millionen Euro. Die Strategie hat ausreichend Aufnahmepotenzial beziehungsweise Kapazität. Ist die Kapazitätsgrenze erreicht, werden wir das Produkt  zunächst für Neuinvestments schließen, um zu überprüfen, welche Auswirkungen das gestiegene Volumen auf die Anlageergebnisse hat. Bleiben unerwünschte Effekte aus, würden wir den Fonds auch wieder öffnen.

Mehr zum Thema
Kurs halten in der Krise - die besten Long-Short-Fonds
Fondsvertrieb: Transparenz vor Performance
Robeco investiert marktneutral
nach oben