Börsenhändler in New York im März 2020 Foto: IMAGO Images / Xinhua

Elf Börsenregeln mit Humor

Das Rheinische Grundgesetz für Investoren

Mein Opa Wilhelm hat meine Leidenschaft für Börse geweckt, mir auch sonst viel fürs Leben mitgegeben und obendrein habe ich von ihm das rheinische Wesen geerbt – was wiederum beim Investieren hilft. Nicht von ungefähr lassen sich aus dem „Rheinischen Grundgesetz“, mit dem der Kabarettist Konrad Beikircher die Lebensart im Kölner Umland auf den Punkt gebracht hat, elf Börsenregeln ableiten, die man sich auch im Rest der Republik getrost zu Herzen nehmen darf.

1. Et es wie et es.

Klar, man kann sich aufregen. Etwa über diesen Italiener, der die Zinsen abgeschafft, den deutschen Sparer enteignet und dafür auch noch das Bundesverdienstkreuz bekommen hat. Das Lamento bringt bloß nichts, außer schlechter Laune und Bluthochdruck. Es ist wie es ist. Wir können die Umstände nicht ändern. Aber darauf reagieren – etwa, indem wir den Nullzins zum Anlass nehmen, endlich vom Festgeld-Sparer zum Investor zu werden.

Können Tech-Aktien noch weiter steigen? Sind Rohstoffe nicht viel zu billig? Wird Tesla der neue Mercedes? Ja. Nein. Vielleicht. Es gibt zehn valide Argumente dafür, zehn dagegen und am Ende bleibt die nüchterne Erkenntnis: Es kommt, wie es kommt. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt – beschäftigen wir uns also lieber damit, unser Vermögen so zu strukturieren, dass wir in jedem halbwegs plausiblen Szenario noch ordentlich leben und gut schlafen können.

3. Et hätt no emmer joot jejange.

Korea-Krise, Kennedy-Attentat, Vietnam-Krieg, Ölpreis-Schock, Y2K-Angst, New Economy-Blase, 11. September, Lehman-Pleite, Euro-Debakel – immer gab es gute Gründe, warum man gerade besser keine Aktien haben sollte. Aber allen Kriegen, Krisen und Crashs zum Trotz: Es ist noch immer gut gegangen. Wirtschaft und Börse haben sich stets wieder berappelt. Der Fortschritt hat weltweit Wohlstand geschaffen. Und wer glaubt, dass das Beste noch immer vor uns liegt, der muss Aktien kaufen.

4. Wat fott es, es fott.

Volksaktie Telekom. Der Neue Markt. Oder Kraft Heinz, wo sogar Investment-Legende Warren Buffett beteiligt ist und der Kurs trotzdem 70 Prozent unter Wasser liegt. Ja, manchmal trifft man schlechte Entscheidungen und verliert Geld. Hoffentlich (Regel #2) nie so viel, dass es an die Existenz geht. Dennoch ärgerlich. Aber was weg ist, ist weg. Und wer mit Wut im Bauch versucht, einen Verlust möglichst schnell wieder aufzuholen, geht oft fatale Risiken ein. Deshalb besser kritisch reflektieren, wo man einen Fehler gemacht hat – und dann einen gedanklichen Schlussstrich ziehen.

5. Et bliev nix wie et wor.

Aktien kaufen, Schlaftabletten nehmen und irgendwann reich aufwachen. Obwohl er Zeit seines Lebens wild spekuliert hat, warb Jahrhundert-Börsianer André Kostolany für langfristiges Investieren. Gar nicht ins Depot zu schauen, kann allerdings auch teuer werden. Denn es bleibt nichts, wie es war. Die Welt ist im Wandel. Über Generationen erfolgreiche Unternehmen wie die Deutsche Bank oder General Electric verlieren erst den Anschluss und dann ihren Wert. Deshalb lautet die Devise: Buy & Hold & Check – nicht zu oft (Regel #8), aber auf jeden Fall ein bis zweimal im Jahr systematisch überprüfen, ob alle Portfolio-Positionen fundamental auf Kurs sind.

6. Kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet.

Die Finanzindustrie erbricht einen stetigen Strom neuer Produkte. Hier ein ETF auf einen „globalen Megatrend“. Dort ein Fonds mit „ausgeklügeltem Risikomanagement“. Und obendrauf vielleicht noch lettische Verbraucherkredite oder rumänisches Ackerland? Für 99 Prozent dieser „Innovationen“ gilt: Kennen wir nicht, brauchen wir nicht, weg damit – vor allem dann, wenn man nicht binnen fünf Minuten versteht, was da mit dem Geld passiert und wie nach dem Anbieter auch der Anleger verdienen soll.

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