Mark Stoeckle, Investmentchef von BNP Paribas

Mark Stoeckle, Investmentchef von BNP Paribas

„Das Schlimmste haben die USA überstanden“

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Mark Stoeckle ist Investmentchef bei BNP Paribas Investment Partners und managt unter anderem den BNP Paribas L1 Equity USA Growth Fonds (WKN: A0Q6SJ)

Die amerikanische Wirtschaft ist auf Erholungskurs. Im Aktienmarkt sind die positiven Nachrichten aber noch nicht angekommen – hier wirken immer noch die Vertrauensverluste der Finanzkrise nach. Nicht nur Privatanleger, sondern auch institutionelle Anleger hatten sich zuletzt abgewendet. So reduzierten etwa Stiftungsfonds ihre Aktieninvestitionen von 48 Prozent im Jahr 1990 auf nur noch 12 Prozent im Jahr 2011.

Ich halte diese extreme Risikoaversion für übertrieben. Angesichts der guten Fundamentaldaten sind die Bewertungen des US-Aktienmarktes mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 immer noch günstig.   

Amerikas Unternehmen haben Schulden abgebaut und befinden sich finanziell in einer historisch guten Verfassung: Mehr als 70 Prozent der US-Unternehmen konnten Ende 2011 ihre Gewinnerwartungen übertreffen. Zeitgleich haben sie hohe Cash-Reserven aufgebaut und halten 6,63 Prozent ihrer Bestände in bar – der höchste Wert seit 1963.  

Es ist zu erwartet, dass die Unternehmen ihre Cash-Reserven bald verstärkt zum Einsatz bringen, sei es durch Dividendenausschüttungen oder Aktienrückkäufe. Damit werden die Kurse vermutlich noch stärker anziehen, denn für dividendenorientierte Anleger werden die Aktien attraktiver und die Aktienrückkäufe der Unternehmen führen zu einer weiteren Verknappung des Angebots und damit zu einem höheren Gewinn pro Aktie.

Zudem werden einige Unternehmen durch Zukäufe schwaches organisches Wachstum ausgleichen können. Die Rahmenbedingungen für Übernahmen sind durch die Cash-Polster und niedrige Zinsen überaus günstig. Für Anleger ist die gegenwärtige Situation damit eine gute Einstiegschance.   

Technologiesektor als Wachstumstreiber

Es sprechen aber noch weitere Argumente für amerikanische Aktien: Der US-Aktienmarkt ist einer der größten, diversifiziertesten und globalsten der Welt und Heimat von Weltmarktführern in den Wachstumssektoren Technologie und Konsumgüter. Er bietet globale Anlagemöglichkeiten und profitiert von den immer größer werdenden Absatzmärkten in den Schwellenländern.

Besonders Technologieaktien aus den Bereichen Cloud Computing und Datensicherheit haben viel Potenzial. Aktienpreise folgen Gewinnen und viele Unternehmen haben ihre Erwartungen übertroffen. Wenn langsam die Risikobereitschaft der Anleger zurückkehrt, könnte dies weitere positive Effekte auf die Kurse haben.

Der Russell 1000 Growth Index, in welchem die 1000 wachstumsstärksten Unternehmen enthalten sind, verzeichnete im ersten Quartal 2012 bereits einen Zuwachs von über 14 Prozent.

Sinkende Arbeitslosenzahlen und Erholung am US-Immobilienmarkt

Neben den Unternehmensdaten bieten auch andere Entwicklungen Grund für vorsichtigen Optimismus, was die Absatzmärkte in den USA selbst betrifft: Die Arbeitslosenzahlen nehmen ab und haben den niedrigsten Stand seit vier Jahren erreicht. Langsam werden die Massenentlassungen der Finanzkrise wieder ausgeglichen.

Die Haushaltsverschuldung sinkt und die Anzahl überfälliger Hypothekenkredite nimmt ab. Gleichzeitig machen steigende Mieten und niedrige Zinsen Immobilienkäufe wieder attraktiver. Eine Erholung am Immobilienmarkt würde eine Reihe weiterer positiver Entwicklungen nach sich ziehen: Banken müssten weniger ausfallende Kredite verarbeiten und in der Bau-, Material- und Zuliefererindustrie werden neue Arbeitsplätze geschaffen.

Unser Haus ist daher zuversichtlich, dass das Schlimmste vorüber ist und erwartet ein langsames, aber stetiges Wirtschaftswachstum zwischen 2 und 3 Prozent in den USA.  

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