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Airbag fürs Netzwerk Was Cyberversicherungen Firmenkunden bieten und was sie kosten

Nach Schwachstellen im Netzwerk suchen: Im Markt für gewerbliche Cyber-Versicherungen übersteigt derzeit die Nachfrage das Angebot.
Nach Schwachstellen im Netzwerk suchen: Im Markt für gewerbliche Cyber-Versicherungen übersteigt derzeit die Nachfrage das Angebot. | Foto: imago images/Addictive Stock


Es geschah in der Nacht vom 9. auf den 10. Februar. Trotz Sicherheitsmaßnahmen hackten unbekannte Täter die Beratungssoftware und die Cloud-Lösung des Berliner Software-Anbieters Smart Insurtech. Daraufhin musste die Hypoport-Tochter beide Produkte vom Netz nehmen und ihre Kunden sowie die zuständige Datenschutzbehörde informieren. Auch der Dokumentenservice des Hauses war nach Unternehmensangaben „in Teilen betroffen“. Auch dort musste Smart Insurtech einzelne Anwendungen offline nehmen. Wie lange es dauert, bis Kunden die Programme wieder nutzen können, vermag das Unternehmen bislang noch nicht zu sagen. Die Verantwortlichen stellen sich derzeit wohl auf einen längeren Ausfall ein. Entsprechend hoch dürften die Kosten sein – vom Reputationsschaden ganz zu schweigen.

Kein Einzelfall: Im Dezember vergangenen Jahres meldete WWK einen Phishing-Angriff. Cyber-Kriminelle hatten Phishing-Mails an zahlreiche Mitarbeiter des Unternehmens verschickt. Zwar sei es den Tätern nicht gelungen, in die Kernsysteme des Unternehmens vorzudringen, erklärte der Versicherer aus München. Allerdings könne man den Diebstahl von Kundendaten aus E-Mail-Postfächern der Mitarbeiter nicht ausschließen, warnte der Versicherer und riet seinen Kunden, bei verdächtigen Mails vorsichtig zu sein. Und im April vergangenen Jahres legte eine Cyber-Attacke Teile der IT-Infrastruktur der Baloise lahm – vor allem die Systeme der Basler Deutschland waren damals betroffen. Bereits ein Jahr zuvor hatten Hacker bei der Haftpflichtkasse zugeschlagen und dabei zahlreiche Daten erbeuten können.

Versicherer machen Verluste

Insgesamt zählten die Cyber-Versicherer im Geschäftsjahr 2021 knapp 3.700 Schäden durch Hackerangriffe. Dafür leisteten sie rund 137 Millionen Euro. Dazu kamen Schäden aus den Vorjahren, für die zusätzliche Rückstellungen gebildet Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). An Beiträgen verbuchten die Unternehmen rund 178 Millionen Euro. Damit sind die Cyber-Versicherer 2021 erstmals in die Verlustzone gerutscht. „Unter dem Strich betrug die Schaden-Kostenquote fast 124 Prozent, nach 65 Prozent ein Jahr zuvor“, erklärt Asmussen. Jedem eingenommenen Euro in der Sparte standen somit Ausgaben für Schäden und Verwaltung von 1,24 Euro gegenüber.

Zugleich wächst das Geschäft mit der Absicherung gegen Hacker-Attacken rapide. Ende 2021 besaßen knapp 243.000 Kunden eine Cyber-Versicherung – ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Ähnlich  stark legten die Vertragszahlen auch im ersten Halbjahr 2022 zu.

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Hälfte der Anträge abgelehnt

„Immer mehr Unternehmen haben das Risiko erkannt und suchen neben der Verbesserung ihrer IT-Security nach wirksamen Instrumenten, um ihre Bilanz zu schützen“, erklärt Thomas Pache, Cyber-Chef bei Aon Deutschland. Mittlerweile übersteige die Nachfrage nach Cyber-Versicherungen das Angebot. Hintergrund seien die Anforderungen der Cyber-Versicherer an das IT-Sicherheitsniveau von Unternehmen. „Sofern diese erfüllt sind, bietet der Cyber-Versicherungsmarkt weiterhin Lösungen“, sagt Pache.

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