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Airbag fürs Netzwerk Was Cyberversicherungen Firmenkunden bieten und was sie kosten

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Doch viele Firmen erfüllen diese Mindeststandrads nicht, moniert der GDV-Chef. Er fordert insbesondere mittelständische Unternehmen auf, sich stärker gegen Cyber-Attacken zu wappnen. „Die Angriffe werden immer professioneller und häufiger, aber das Niveau der IT-Sicherheit stagniert seit Jahren“, sagt Asmussen. Der Mittelstand habe die Potenziale bei der Prävention bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, bei den meisten Unternehmen bestünden noch große Sicherheitslücken.

„Ohne ein angemessenes Niveau an Cyber-Resilienz und -Kontrollen wird es für Kunden schwierig sein, eine Cyber-Versicherung abzuschließen“, meint auch Andreas Fürst, Senior Cyber-Experte der Allianz. „Mehr als die Hälfte der von potenziellen Kunden eingereichten Unterlagen erfüllen unsere Checkliste der erforderlichen Kontrollen noch immer nicht vollständig, sodass wir kein Angebot abgeben“, sagt er.

Konzerne helfen sich selbst

Auch Großkonzerne beklagen sich über mangelndes Angebot. Bei ihnen sind allerdings weniger die Sicherheitsvorschriften, sondern vielmehr die Deckungssummen das Problem. Während früher Versicherer regelrecht um neue Großkunden buhlten, haben mittlerweile viele Konzerne Schwierigkeiten, eine Police mit ausreichender Deckungssumme zu finden. Im April 2022 nahm die Industrie die Sache daher selbst in die Hand. Sieben Konzerne, darunter Airbus, Michelin und BASF, riefen in Brüssel einen eigenen Cyber-Versicherer ins Leben.

Das Unternehmen heißt Mutual Insurance and Reinsurance for Information Systems, kurz Miris, und agiert als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Das heißt die Mitglieder, deren Anzahl zwischenzeitlich auf zwölf gestiegen ist, teilen sich die Risiken. „Ziel von Miris ist es, den Versicherungsschutz bei Cyber-Risiken, die nicht oder nur unzureichend durch den bestehenden Versicherungsmarkt abgedeckt sind, zu gewährleisten“, heißt es von der BASF. In den ersten zwei Jahren bietet Miris jedem Mitglied eine Deckung von bis zu 25 Millionen Euro. „Abhängig von der versicherungstechnischen Leistung von Miris wird die gewähr te Kapazität im dritten Jahr voraussichtlich auf 30 Millionen Euro steigen“, erklärt die BASF-Sprecherin. Laut Medienberichten sollen bereits 40 weitere Unternehmen ihr Interesse an einer Miris-Mitgliedschaft bekundet haben.

Prämien bis 200 Prozent höher

Die von DAS INVESTMENT befragten Cyber-Chefs mehrerer Versicherungsgesellschaften sehen die Miris-Gründung als eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot. Und zudem als Zeichen für das zunehmende Interesse der Gewerbekunden. In den nächsten Jahren werde sich die Cyber-Police zu einer Standardversicherung für Firmen entwickeln, heißt es etwa von der Allianz. Allerdings müssen die Kunden wohl bereit sein, dafür wesentlich mehr Geld als früher in die Hand zu nehmen. Oliver Schulze, Leiter Cyber-Versicherung bei der Gothaer, spricht von einer „deutlichen Verhärtung des Cyber-Marktes“.

Diese führe unter anderem dazu, dass die bis dahin teilweise sehr niedrigen Einstiegsprämien in der Cyber-Industrieversicherung „eine Anpassung an die sich real ergebende Risikosituation erfahren haben“, so Schulze. Die Prämienerhöhungen fielen dabei je nach Ausgangslage teilweise sehr unterschiedlich aus.

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