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Airbag fürs Netzwerk Was Cyberversicherungen Firmenkunden bieten und was sie kosten

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Andere Verantwortliche werden da konkreter. So spricht Aon-Cyber-Chef Pache von Prämien, die „teilweise zwischen 100 und 200 Prozent über den Beiträgen von 2020“ liegen. Die Baloise berichtet über Anpassung im zweistelligen Prozentbereich bei Kunden ab einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro“. Bei kleineren Kunden habe man die Prämien hingegen nicht erhöht. Auch die VHV, Württembergische und die R+V haben nach eigenen Angaben auf flächendeckende Prämienerhöhungen bisher verzichten können. Die Württembergische setzt stattdessen auf individuelle Risikoprüfung sowie auf zielgerichtete Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung von Cyber-Kriminalität. Die R+V hat ein neues Produkt eingeführt, das neben den klassischen Cyber-Risiken auch vor den finanziellen Folgen von wirtschaftskriminellen Handlungen wie Betrug oder Diebstahl über das Internet oder durch Mitarbeitende im Unternehmen schützt. „Dadurch sind für Unternehmen mit einem Umsatz bis zu 20 Millionen Euro einige Risiken günstiger und für Unternehmen mit einem Umsatz über 20 Millionen Euro einige Risiken etwas teurer geworden“, sagt Stefan Schmutterer, Cyber-Experte bei der R+V. Und wie geht es weiter? „Im Großkundensegment sind die Prämiensteigerungen nahezu abgeschlossen“, meint Pache. Der Wettbewerb im Bereich der ergänzenden Versicherungen nehme wieder zu. „Durch die steigende Anzahl an Alternativen konnten wir insbesondere im Bereich über 50 Millionen Euro Versicherungssumme bereits erste Prämien reduzieren“, so der Cyber-Verantwortliche bei Aon. Im KMU-Segment verlaufe diese Marktentwicklung zeitlich verzögert.

Schadenersatz und Prävention 

Und was bekommt der Kunde im Gegenzug? Die Leistungen einer Cyber-Versicherung gliedern sich grob in drei Bausteine. Zum einen trägt sie die direkten Kosten für eine Cyber-Attacke. Dazu gehören die Soforthilfe und die Kosten für die Forensik, also für die Ursachenermittlung. Auch Krisenkommunikation und PR-Maßnahmen sowie Systemverbesserungen nach der Cyber-Attacke fallen in diese Kategorie. Der zweite Baustein ist die Abdeckung von Drittschäden. Hier geht es unter anderem um die Befriedigung oder Abwehr von Ansprüchen Dritter, Vertragsstrafen wegen der Verletzung von Geheimhaltungspflichten und Datenschutzbestimmungen und vertragliche Schadenersatzansprüche. Der dritte Baustein einer umfassenden Cyber-Versicherung schließt die konkreten Cyber-Eigenschäden eines Unternehmens durch Cyber-Diebstahl, -Erpressung oder -Betrug ein. Die eigene Betriebsunterbrechung, das Wiederherstellen von Daten, der Ersatz von IT-Hardware gehören dazu.

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Außerdem bieten viele Versicherer Präventionsmaßnahmen an. Bei der R+V sind das Beratungsgespräche zu Cyber-Risiken und Schulungen für IT-Verantwortliche durch externe Dienstleister. Außerdem lernen R+V-Kunden in Workshops mit externen Partnern, wie sie im Schadenfall möglichst schnell und effizient reagieren können. Die Württembergische stellt ihren Kunden und deren Beschäftigten kostenlos ein Cyber-Portal zur Verfügung, das unter anderem digitale Kurse mit Lernvideos und interaktiven Prüfungen sowie realistische Phishing-Simulationen enthält.

Die HDI bietet seit kurzem einen neuen Baustein Cyber-Security an. Schließt ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis 5 Millionen Euro diesen Baustein ab, verzichtet HDI auf die Risikofragen. Dafür erhält der Kunde eine jährliche Basisüberprüfung des Dienstleisters Perseus Technologies, der nachschaut, ob die gängigen Mindeststandards eingehalten werden. Die Prüfung wird dabei an die aktuelle Bedrohungslage angepasst. „Die Ergebnisse selbst sehen wir nicht und Kunden haben auch keine negativen Auswirkungen auf den Versicherungsschutz zu befürchten“, betont Sören Brokamp, Leiter Produktmanagement Cyber bei HDI. Damit könne man „das Schutzniveau der Kunden erhöhen und beim Risikomanagement helfen“.

Cogitanda, Hiscox, Allianz

Die Rating-Agentur Assekurata hat den Markt für Cyber-Versicherungen zuletzt im Sommer 2022 untersucht. Dabei nahmen die Forscher die Tarifbedingungen, den Leistungsumfang und die Transparenz der Cyberpolicen unter die Lupe. Jeder Tarif wurde dabei anhand von zehn Hauptprüfpunkten mit über 60 Kriterien analysiert. Vier Tarife schnitten „sehr gut“ ab. Die Bestnote „1,0“ erreichte der auf Cyber-Risiken spezialisierte Versicherer Cogitanda mit seinem Tarif Cyber Pro+. Es folgen die Konkurrenten Hiscox mit Cyber Clear (1,3), Allianz mit Cyber Schutz 3.0 (1,4) und VHV Versicherung mit Cyberprotect 3.0 (1,5). 14 weitere Tarife schnitten „gut“ ab, lediglich zwei Policen bekamen die Note „ausreichend“.

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