Datenschutz Fast jeder Dritte misstraut deutschen Versicherern

Preisnachlass gegen Daten? Auf ein solches Tauschgeschäft mit ihrem Versicherer würde sich mehr als die Hälfte der Deutschen einlassen. Das belegt die Studie „Digitale Versicherung 2019“, für die im Auftrag des Softwareherstellers Adcubum mehr als 1.000 Bundesbürger bevölkerungsrepräsentativ befragt wurden. Demnach habe sich eine Mehrzahl der Kunden damit abgefunden, Firmen persönliche Daten zur Verfügung zu stellen.

Auch für die Unternehmen der Versicherungsbranche gewinnen persönliche Kundendaten immer stärker an Bedeutung. Von Interesse sind für sie unter anderem Informationen zum Standort, zur Fitness oder auch zum Nutzer- und Konsumverhalten. Dabei ist den deutschen Kunden aber wichtig, wo diese Daten gespeichert werden: Im Falle eines deutschen Rechenzentrums haben knapp zwei von drei Befragten ein gutes Gefühl.

Meinung zu persönlichen Kundendaten*

*z.B. Standortdaten, Fitnessdaten oder Angaben zum Nutzer- bzw. Konsumverhalten  Grafik: Adcubum Deutschland GmbH

Die Preisgabe sensibler Informationen ist für eine Mehrheit der Befragten mittlerweile normal: 63 Prozent gaben an, sie hätten sich daran gewöhnt. Gleichzeitig erwarten viele Menschen dafür eine Gegenleistung. Auf die Frage, ob sie für die Bereitstellung persönlicher Daten im Gegenzug erwarten würden, weniger für eine Versicherung bezahlen zu müssen, antworteten 23 Prozent mit „trifft zu“ und weitere 39 Prozent mit „trifft eher zu“.

Angst vor negativen Folgen

Michael Süß, Adcubum

Fast jeder Zweite hat allerdings Angst davor, dass sich die bereitgestellten Informationen negativ auswirken könnten: 51 Prozent befürchten, dass die Versicherung sie aufgrund persönlicher Daten als Kunden kündigt, ablehnt oder eine völlig überhöhte Versicherungsprämie verlangt. „Auffällig ist, dass vor allem jüngere Kunden stark sensibilisiert sind für dieses Thema“, erklärt Michael Süß, Deutschland-Chef von Adcubum.

55 Prozent der Teilnehmer im Alter zwischen 18 und 34 Jahren haben der Umfrage zufolge Angst vor Sanktionen seitens der Unternehmen, so Süß. Bei den über 55-Jährigen seien es hingegen 47 Prozent, die befürchten, dass der Versicherer sie benachteiligen könnte. „Die ältere Generation ist bei diesem Thema noch etwas gelassener“, kommentiert der Geschäftsführer der deutschen Tochter des Softwareherstellers Hauptsitz in St. Gallen.

Meinung zu persönlichen Kundendaten*

Vergleich der Altersgruppen bei positiven Antworten
(Antwortmöglichkeiten „Trifft zu“ und „Trifft eher zu“)

*z.B. Standortdaten, Fitnessdaten oder Angaben zum Nutzer- bzw. Konsumverhalten    Grafik: Adcubum Deutschland GmbH

„Unternehmen sollten dennoch allen Kunden die Angst nehmen“, empfiehlt Süß. Helfen könnten hierbei transparente Richtlinien und klare Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen Versicherungsschutz gewährt werden kann beziehungsweise wann nicht. „Eine klare Verpflichtung zum Datenschutz seitens der Versicherer und Offenheit darüber, wie diese Informationen genutzt werden, könnten einen Teil der Ängste abbauen.“