David gegen Goliath Deshalb sind große Fonds nicht besser als kleine

Thomas Soltau, Vorstandsvorsitzender der wallstreet:online capital und Vertriebsleiter bei Fondsdiscount.de

Thomas Soltau, Vorstandsvorsitzender der wallstreet:online capital und Vertriebsleiter bei Fondsdiscount.de

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Zunächst einmal sei auf eine wesentliche Schwierigkeit von Fonds mit hohem Volumen hingewiesen: ihre Schwerfälligkeit und mangelnde Flexibilität bei Kauf- und Verkaufsprozessen. Ein Beispiel: Will ein zehn Milliarden Euro schwerer Fonds lediglich einen Prozent seiner Mittel in ein aussichtsreiches Unternehmen investieren, so entspricht das einer Summe von 100 Millionen Euro – ein Betrag der sich nicht mal schnell nebenbei investieren lässt.

Das gilt insbesondere bei Investitionen in kleinere Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe, etwa aus MDax, SDax und TecDax. Hier sind Investments in derartigen Größenordnungen äußerst schwierig, wenn nicht gar unmöglich – oder die Unternehmensanteile sind schließlich so gering im Fondsportfolio gewichtet, dass sie für die Gesamtrendite des Fonds keine wesentliche Rolle spielen. Deshalb können gerade kleinere Fonds mit einem überschaubaren Volumen häufig die bessere Wahl sein. Denn sie sind beweglicher und können bei Marktturbulenzen schneller agieren.

Um die These von den guten großen Fonds zu stützen, führen viele Fondsmanager die Performances an. Diese sind in der Tat häufig überdurchschnittlich gut. Vergessen wird dabei jedoch oft die Tatsache, dass es sich bei der angegebenen Wertentwicklung stets um eine historische handelt, die rein gar nichts über die künftige Wertentwicklung aussagt. Zudem spielt der Betrachtungszeitraum eine nicht unwesentliche Rolle. Das hat die Ratingagentur Morningstar kürzlich sehr eindrücklich aufgezeigt: Demnach verfügen die meisten großen Mischfonds zwar über ein Rating von vier oder sogar fünf Sternen; das Rating setzt sich aber aus der Rendite-Risiko-Bilanz eines Fonds über drei – und falls vorhanden – fünf und zehn Jahre zusammen.

Wird die Kurzfristbilanz der Fonds betrachtet, ist das Ergebnis längst nicht mehr so überzeugend. So etwa beim Anleger-Liebling Carmignac Patrimoine: Der Fonds wird von Morningstar mit vier Sternen bewertet. Damit gehört der ausgewogene Mischfonds mit Blick auf das Rendite-Risiko-Profil zum oberen Drittel seiner Kategorie. Betrachtet man jedoch das Drei-Jahres-Rating, ist die Bilanz weniger beeindruckend. Demnach schnitt der Fonds im betrachteten Zeitraum von Herbst 2011 bis Herbst 2014 allenfalls durchschnittlich ab. Gleiches gilt für den ebenfalls sehr gefragten Ethna-Aktiv.

Auch ein direkter Performance-Vergleich von großen und kleinen Fonds belegt: Der Satz „Big is beautiful“ gilt nicht immer. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn man den „kleinen“ Patriarch Select Wachstum gegen den „großen” Carmignac Patrimoine antreten lässt, die beide zu den „ausgewogenen“ Fonds zählen: Die Rendite des Patriarch-Dachfonds liegt beim Fünf-Jahres-Vergleich um 1,76 Prozent höher ist als beim Mischfonds von Carmignac. Noch besser sieht es beim Drei-Jahres-Vergleich aus: Hier liegt der Patriarch Select Wachstum mit 2,87 Prozent vorne (Stichtag: 31.12.2014).

Ähnlich gut schneidet der Patriarch Select Chance gegenüber dem Megafonds Carmignac Investissement ab, wobei beide Fonds schwerpunktmäßig auf Aktien setzen. Und auch ein dritter Anleger-Liebling, der FvS Multiple Opportunities mit Fokus auf europäische Nebenwerte, hat schlechte Karten gegenüber dem weit weniger bekannten – und deutlich kleineren – Kepler Growth, der auf internationale Nebenwerte setzt.