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Yale-Vermögensverwalter David Swensen bleibt<br>trotz Rückschlags gelassen<br>Foto: Yale

Yale-Vermögensverwalter David Swensen bleibt
trotz Rückschlags gelassen
Foto: Yale

David Swensen über Asset Allocation und die Lehren aus der Finanzkrise

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Doch er nimmt’s sportlich und erklärt im Gespräch mit Marc Gunther, woher er seine Gelassenheit nimmt. DAS INVESTMENT.com gibt die wichtigsten Teile eines Interviews wieder, das der freie Autor mit Swensen für das Yale Alumni Magazine führte. DAS INVESTMENT.com: Herr Swensen, war es eine schwierige Zeit für Sie? David Swensen: In einiger Hinsicht ja. Ich bin beseelt von dem Gedanken, Yale Jahr für Jahr mit steigenden Gewinnen unterstützen zu können. Aber in den kommenden Jahren wird dieses Ziel sehr viel schwieriger umzusetzen sein als in der Vergangenheit. Das belastet mich schon, obwohl es andererseits faszinierend ist, sich täglich den Herausforderungen der Finanz- und Wirtschaftskrise stellen zu müssen.

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DAS INVESTMENT.com: Für Sie mag das faszinierend sein. Anleger, die ihre Depots schrumpfen sehen, sehen das vermutlich etwas anders. Was sollten sie angesichts der Turbulenzen und der anhaltenden Unsicherheit tun? Swensen: Wenn sie der Empfehlung in meinem Buch ‚Unconventional Success’ gefolgt sind, dürften sie das Ganze recht gut überstanden haben. Sie hätten 15 Prozent ihres Geldes in US-Anleihen und weitere 15 Prozent in inflationsgeschützten US-Anleihen. Diese zwei Asset-Klassen haben sich gut entwickelt. Allerdings liegen die anderen 70 Prozent in Aktien, und die haben sich nicht gut entwickelt. Für alle Klassen empfehle ich Indexfonds. Sie sind transparent, leicht zu verstehen und günstig. Ich empfehle aber auch, regelmäßig zu rebalancieren. Das ist inmitten dieser ganzen Kursverluste besonders wichtig. Denn es birgt gerade jetzt eine großartige Gelegenheit. Anleger sollten ihre US-Staatsanleihen verkaufen und den Anteil wieder auf 15 Prozent zurückfahren. Den Erlös sollten sie in Aktien aus den USA, dem Ausland und den Schwellenländern sowie in Immobilienaktien umschichten. DAS INVESTMENT.com: Erklären Sie die Sache mit der Asset Allocation bitte genauer. Swensen: Asset Allocation ist das Instrument, über das Sie das Chance-Risiko-Profil Ihres Portfolios bestimmen. Studien zeigen, dass Asset Allocation für mehr als 100 Prozent Ihres Gewinns verantwortlich ist. DAS INVESTMENT.com: Wie das? Swensen: Weil die anderen beiden Faktoren, Wertpapierauswahl und Timing, nur negativ wirken. Volkswirte bezeichnen die beiden Faktoren als Nullsummenspiel. Wenn beispielsweise ein Anleger mit dem Kauf der Microsoft-Aktie gewinnt, muss auf der anderen Seite einer sein, der mit dem Verkauf verliert. Bei gebührenfreiem Handel würden sich die beiden Beträge genau entsprechen. Tun sie aber nicht. Handel kostet Gebühren in Form von Marktbeeinflussung, Umsatzgebühren und eventuell noch Kosten für Beratung oder einen Investmentfonds. Das zehrt insgesamt an allen Gewinnen gleichermaßen. Deshalb ist es das Beste, sich eine genaue Asset Allocation zurechtzulegen, sie mit kostengünstigen Indexfonds umzusetzen und regelmäßig zu rebalancieren. Sie werden damit die große Mehrheit der Marktteilnehmer hinter sich lassen. DAS INVESTMENT.com: Anleger sollten also keine Angst vor Aktien haben? Swensen: Sie sollten nicht nur keine Angst haben, sie sollten sogar enthusiastisch sein. Die Ironie ist ja: Hätten Sie vor 18 Monaten mit einem durchschnittlichen Anleger gesprochen, er hätte es für eine gute Idee gehalten, Aktien zu kaufen. In den vergangenen Monaten sind dieselben Investoren an ihren Portfolios verzweifelt und haben nun Angst, Geld in den Aktienmarkt zu geben. Das ist aber komplett falsch. Sie hätten vor 18 Monaten vorsichtig sein müssen, als die Kurse noch viel höher waren. Jetzt sollten sie enthusiastisch sein. DAS INVESTMENT.com: Das widerspricht der menschlichen Natur. Swensen: Das ist ja das Knifflige an der Welt der Investments. Im normalen Leben zählen Gewinner und nicht die Verlierer. In der Investment-Welt sollten Sie bei Gewinnern misstrauisch werden und bei den Verlierern hoffnungsvoll. Allerdings nicht naiv hoffnungsvoll. DAS INVESTMENT.com: In Ihrem Buch warnen Sie davor, stark strukturierte Produkte wie Asset Backed Securities zu kaufen. Darf ich daraus schließen, dass das Yale-Vermögen keine solchen Papiere enthält? Swensen: Richtig. Einer meiner Ratschläge, den ich schon vor über zehn Jahren in einem Buch gab, ist, dass Rentenanleger nur klassische Anleihen ohne Nebenbedingungen kaufen sollten. Anleihen mit Optionen, Kreditrisiken oder strukturierte Anleihen wie Asset Backed Securities gehören nicht ins Portfolio eines vernünftigen Anlegers. DAS INVESTMENT.com: Und nun haben genau die Institutionen, die die Papiere konstruiert und immer verkauft haben, diese selbst im Portfolio und bleiben darauf sitzen. Swensen: Verblüffend, oder? Vielleicht waren sie doch nicht so clever, wie sie dachten. Selbstgefälligkeit könnte eine Erklärung sein. Oder sie waren blind vor Gier. DAS INVESTMENT.com: Oder haben Ihr Buch nicht gelesen. Swensen: Die Geschäfte, die ich anprangere, sind einfach zu profitabel. Selbst wenn die Beteiligten mein Buch gelesen und mir geglaubt haben, haben sie es am Ende doch gehalten wie Ex-Citigroup-Chef Chuck Prince. Sie haben getanzt, solange die Musik spielte. Und die Musik hat lange gespielt. DAS INVESTMENT.com: Was lernen wir daraus? Swensen: Nach 1987 und 1998 hatten wir nichts gelernt. Ich glaube, die Finanzmarktaufsicht hat damals deshalb nicht auf die Finanzkrisen reagiert, weil sich Märkte und Wirtschaft jeweils sehr schnell erholt haben. Nach der Großen Depression hatten wir dagegen eine deutliche Antwort seitens der Aufsicht. Denn damals hat das Land lange Zeit gelitten. Ich bin also vorsichtig optimistisch, dass wir dieses Mal einige Reformen bekommen werden. DAS INVESTMENT.com: Was wäre denn sinnvoll? Swensen: Eine generelle Finanzaufsicht ergäbe eine Menge Sinn. Warum sollte man Märkte zersplittern und für jedes Segment eine andere Aufsicht haben? Und dann müssen wir auch noch jede Art von Institut regulieren, die ein systemisches Risiko birgt. Es erstaunt mich auch, dass wir überhaupt die Frage stellen, ob wir Hedge-Fonds regulieren sollten oder nicht. Nehmen wir das Beispiel LTCM. Wie konnten wir das denn nicht kapieren? Das Finanzsystem ist 1998 wegen dieses Hedge-Fonds beinahe kollabiert, und heute kriegen wir nicht einmal die grundlegendsten Informationen über die Aktivitäten von Hedge-Fonds gesammelt. DAS INVESTMENT.com: Es gibt keine Transparenz. Nicht einmal für Anleger, wie wir im Fall Madoff gelernt haben. Swensen: Es ist verblüffend. Aber es ist die Lehre vom freien Markt. DAS INVESTMENT.com: Viele junge Menschen glauben heutzutage, sie werden nicht mehr so wohlhabend sein wie ihre Eltern. Gibt es Hoffnung? Swensen: Ich bin ein unglaublicher Optimist. Wir sollten die Widerstandskraft dieser Wirtschaft nicht unterschätzen. Ich schätze, in den kommenden Jahren haben wir eine sehr schwere Bürde. Aber auf Sicht von fünf bis zehn Jahren bin ich sehr optimistisch, dass wir da heraus kommen, stärker und besser als zuvor. >> zum Themenkanal „Asset Allocation“

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