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David Zahn zum Brexit „Das Wahlergebnis steigert die Risikoaversion“

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Welche möglichen Konsequenzen der gestrigen Entscheidung wurden Ihrer Meinung nach von den Märkten und den Kommentatoren unterschätzt?

Zahn: Ich glaube, den meisten Menschen ist gar nicht klar, wie komplex der Vorgang eines Austritts von Großbritannien aus der EU sein wird. Die Zahl der Verträge, die angepasst oder neu verfasst werden muss, ist gewaltig, und wurde meiner Ansicht nach enorm unterschätzt.

Großbritannien musste seit 1976 keine bilateralen Handelsverträge mehr aushandeln, daher muss man, wie ich meine, die Frage stellen, wie schnell dies vonstattengehen kann. Wir haben gesehen, wie lange es dauern kann. Und es geht nicht nur um den Handel, sondern auch um die Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt und wichtige Bereiche wie das Fliegen von Flugzeugen: Die EU hat mehr als 60 verschiedene Vereinbarungen mit Ländern auf der ganzen Welt abgeschlossen, die es Flugzeugen aus der EU gestatten, andere Gebiete zu überfliegen und dort zu landen. Großbritannien hat keine Vereinbarungen dieser Art. Dies zeigt die Weitläufigkeit der Bereiche, die angegangen werden müssen.

Natürlich startet der Countdown bis zum Austritt Großbritanniens aus der EU erst dann, wenn die britische Regierung einen offiziellen Antrag stellt. Es spricht einiges dafür, dies nicht sofort zu tun. Es muss eine Menge an Infrastruktur geschaffen werden, damit dieser Vorgang in die Wege geleitet werden kann. Und nächstes Jahr folgen wichtige Wahlen in Deutschland und Frankreich. Da es sich dabei um die zwei Hauptpartner handelt, mit denen die Vertreter Großbritanniens über die Bedingungen für einen Brexit verhandeln müssen, stellt sich die Frage, wie groß deren Interesse an Verhandlungen sein wird, wenn zuhause Wahlen anstehen.

Wir wissen auch nicht, wie empfänglich die EU sein wird für Verhandlungen mit einem Großbritannien, das nicht der EU angehört. Ich schätze, dass die EU sich dabei als recht schwieriger Verhandlungspartner entpuppen könnte. Die EU will mit Sicherheit keinen Präzedenzfall dafür schaffen, dass ein Austritt aus der Union reibungslos verläuft – oder keine Konsequenzen hat.

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