Dax: Charttechnisch ein Traum, fundamental ein Alptraum

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6.600 Punkte, das ist ein Wort. Das ist sogar ein Satz und zwar ein ganz großer für den Dax, der in den vergangenen Monaten wie festgebunden zwischen 5.800 und 6.200 Punkten schwankte. Charttechnisch sind jetzt 6.800 Punkte rasch möglich, selbst die 7.300 Punkte sind in Reichweite. Und wenn es mit Schwung weiter aufwärts geht, liegt erst am oberen Ende der 7.400er-Spanne ein massiver Widerstand.

Es fehlt der Gleichschritt

Gute Aussichten also für Aktienanleger? Ein klares „Ja“ würde es als Antwort geben, wenn Charttechnik und fundamentale Daten im Gleichschritt liefen. Das aber ist derzeit nicht der Fall. So ist es zwar positiv, dass in Deutschland die Wachstumsprognose der Bundesregierung angehoben wird, die Arbeitslosenquote sinkt und die ersten Experten bereits von Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel ab 2020 berichten.

Zum einen aber ist Deutschland nicht die Welt. Andere Staaten ächzen unter ihrer Schuldenlast, kämpfen Reformen der Sozialsysteme durch oder versuchen schlichtweg Anschluss zu halten an die Weltwirtschaft. Straucheln sie, ändert sich auch für Deutschland das Bild. Die USA etwa müssen aus den Schulden raus, dort brechen noch immer Banken zusammen. Griechenland ist beruhigt, aber nicht gerettet, Irland wackelt. China versucht sich im Aufstechen von Blasen, bevor sie zu groß werden.

Globalisierung geht weiter


Zum anderen beruhen viele der optimistischen Einschätzungen darauf, dass weltweit alles so bleibt, wie es derzeit ist. Das anzunehmen aber ist unrealistisch. Nicht nur, dass andere Staaten schwer zu kämpfen haben. Auch ist die Globalisierung noch lange nicht abgeschlossen.
Die Gewichte verschieben sich, und nicht nur China greift nach einem größeren Stück vom Kuchen. Rohstoffe wie zuletzt die „Seltenen Erden“ dienen als Druckmittel und werden genutzt, um Einfluss in der Welt zu gewinnen. Ob Deutschland also seinen Status wird halten können, ist von vielen Faktoren abhängig – und beeinflussen lassen diese sich nicht von hierzulande aus.

Vorsicht ist geboten

Also noch einmal: Gute Aussichten also für Aktienanleger? Den positiven Trend zu nutzen bietet sich an. Allerdings nur für Anleger, die kurzfristige Gewinne suchen. Da die positive charttechnische Stimmung nicht durch fundamentale Daten unterlegt ist, bleibt zu viel Unsicherheit im Markt.

Auch wenn es charttechnisch eine traumhafte Situation ist – fundamental bleibt es eher ein Alptraum: Zuviel Risiko für zu geringe Ertragschancen – und damit kein Umfeld für einen Vermögensverwalter.

Zum Autor: Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Meridio AG und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in Kolumnen regelmäßig zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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