Die 40 Dax-Konzerne werden im kommenden Frühjahr erstmals seit dem Corona-Frühjahr 2020 insgesamt weniger ausschütten als im Vorjahr. Das geht aus einer umfassenden Prognose vom „Handelsblatt“ hervor. Die erwartete Gesamtsumme liegt bei knapp 52 Milliarden Euro – rund 2 Milliarden weniger als in 2025.
Automobilbranche als Hauptbelastungsfaktor
Der Rückgang ist fast ausschließlich auf die Automobilbranche zurückzuführen. Die drei großen deutschen Autobauer BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen werden ihre Ausschüttungen voraussichtlich um 3,5 Milliarden auf nur noch 7,2 Milliarden Euro reduzieren. Die Gründe liegen in den dramatisch gesunkenen Gewinnen: Während die drei Konzerne 2022 zusammen noch 48 Milliarden Euro netto verdienten, werden es 2025 voraussichtlich nur noch gut 17 Milliarden Euro sein.
Verantwortlich für diese Entwicklung sind sinkende Absatzzahlen, verschärfter Wettbewerb insbesondere in China und hohe Investitionen in die Elektromobilität.
Finanzsektor übernimmt Spitzenposition
Ohne die Automobilbranche würden die Dax-Dividenden hingegen um fast 10 Prozent steigen. Den größten Beitrag leisten die Finanzdienstleister, allen voran die Allianz. Der Versicherungsriese wird mit mehr als 6 Milliarden Euro voraussichtlich der größte Dividendenzahler Deutschlands – eine Position, die er bereits 2024 mit 5,94 Milliarden Euro innehatte, wie eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY zeigt. Fast die Hälfte der gesamten Dax-Dividenden von 54 Milliarden Euro floss dabei 2024 an ausländische Investoren.
Der Versicherungssektor löst damit den Autosektor als dividendenstärksten Sektor ab. Bei Hannover Rück fällt die Entwicklung besonders deutlich aus: Der weltweit drittgrößte Rückversicherer hebt seine Ausschüttungsquote von 46 auf 55 Prozent des Nettogewinns an – die stärkste Erhöhung im gesamten Dax.
17 der 40 Dax-Konzerne bieten nach aktuellen Einschätzungen Dividendenrenditen von 3 Prozent oder mehr. Die höchsten potenziellen Renditen von 4,5 Prozent und mehr bieten Allianz, Hannover Rück, Vonovia und BASF.
Gesellschaftspolitische Dimension
Bei VW ist die Situation besonders angespannt: Der Konzern plant den Abbau von 35.000 Stellen an zehn deutschen Standorten bis 2030 – während gleichzeitig Dividenden ausgeschüttet werden. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte an der Volkswagen und hat dadurch eine Sperrminorität. Ohne Zustimmung der Politik sind wichtige Entscheidungen nicht möglich.
Zu starke Dividendenkürzungen bergen allerdings Risiken: Aktionäre könnten massenhaft ihre Papiere verkaufen, was weitere Kursverluste zur Folge hätte und künftige Finanzierungsbedingungen erschweren würde.
Die Rolle von Dividenden für den Anlageerfolg
Die langfristige Bedeutung von Dividenden zeigt sich am DAX besonders deutlich: Der deutsche Leitindex ist ein Performance-Index, der die Dividenden automatisch in die Wertentwicklung einbezieht – anders als beispielsweise viele amerikanische Indizes. Von den 23.700 Punkten Wertzuwachs seit 1988 beruhen 63 Prozent auf reinvestierten Dividenden – nur 37 Prozent auf Kurssteigerungen. In den letzten 20 Jahren stammten über 40 Prozent der Gesamtrendite europäischer Aktien aus Dividenden.
Trotz des Rückgangs der Gesamtausschüttungen bleibt die durchschnittliche Dividendenrendite im Dax mit rund 3 Prozent deutlich über den aktuellen Renditen von Tages- und Festgeld. 26 der 40 Dax-Unternehmen werden ihre Dividenden 2026 erhöhen, nur fünf kürzen.


