Der Dax hat ein neues Allzeithoch erreicht – und dabei eine viel beachtete Marke durchbrochen. Am Dienstagvormittag (3. Dezember) stieg der deutsche Leitindex kurzzeitig über die 20.000-Zähler-Grenze. Zwischenzeitlich erreichte er die Marke von 20.038.

Die neue Bestmarke erscheine aus Sicht von Beobachtern allerdings spektakulärer als Marktteilnehmer sie wahrnähmen, kommentiert Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater die Entwicklung. „Ein großer Teil der Aktienentwicklung entstammt dem Ausgleich der hohen Preis- und Kostensteigerungen aus den vergangenen Jahren“, glaubt Kater. So sei es nur auf den ersten Blick paradox, dass der Dax weiter steige, obwohl die deutsche Wirtschaft, die der Index eigentlich abbildet, aktuell schwächele.

Dax im allgemeinen Aufwärtssog  

 „Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass der Dax von einem nicht kleinen Anteil sehr erfolgreicher deutscher Unternehmen getragen wird“, sagt Kater. Gerade Unternehmen der Technologie-, Elektronik-, Konsum- und Finanzsparten nähmen am kräftigen globalen Wirtschaftswachstum teil. Sie hingen kaum an der aktuell mauen deutschen Konjunktur. „Die deutschen Problembranchen, insbesondere die Automobilindustrie, haben nur noch einen sehr geringen Prozentanteil am Dax“, so Kater.

Auch bei der DWS gibt man sich überzeugt: „Nicht die aktuelle Lage in Deutschland und Europa befeuert den Durchbruch der 20.000-Marke, sondern die Sogwirkung der globalen Konjunktur durch die Entwicklung in Amerika“, schätzt Fondsmanagerin Sabrina Reeh. Vor allem die am Montag verkündeten Novemberdaten des Einkaufsmanagerindex ISM aus den USA hätten den deutschen Leitindex beflügelt. Demzufolge hätte der Dax seinen neuen Rekordstand vor allem der verarbeitenden Industrie der USA zu verdanken.

Weiterhin sieht man bei der DWS zwei gegensätzlich wirkende Kräfte am Werk. Einerseits werde der Dax durch Makro-Indikatoren wie Daten aus ZEW-Umfrage, IFO-Index und dem BIP für das dritte Quartal gedrückt. Andererseits sorge der aktuelle Umbruch in der Politik für Aufwind – und dieser überwiegt ganz offensichtlich: Die Aussicht auf vorgezogene Neuwahlen nach dem Zusammenbruch der Ampelkoalition sorge „für etwas mehr Zuversicht im Markt, da die Hoffnung auf Strukturreformen und höhere Ausgaben als Chance gesehen wurden“, beobachtet Reeh.

Gute Aussichten auch für den Dax 

Wie geht es nun weiter? Sowohl bei der DWS als auch bei der Deka zeigt man sich auch für die kommenden Monate optimistisch. „Dieses Wachstum der Weltwirtschaft wird sich trotz geopolitischer Spannungen fortsetzen“, ist Kater überzeugt – und meint: Davon dürfte auch der Dax profitieren. Auch DWS-Managerin Reeh sieht weiteres Aufwärtspotential für das deutsche Börsenbarometer. Sie stellt auch fest: „Nach wie ist der Dax vor im globalen Vergleich niedrig bewertet.“

Der deutsche Leitindex Dax spiegelt die Wertentwicklung der 40 größten und liquidesten deutschen Unternehmen wider. Gewichtet werden die Titel innerhalb des Index nach ihrem Anteil an Aktien im Streubesitz. Für diesen Anteil gilt seit Anfang dieses Jahres eine Obergrenze von 15 Prozent, zuvor waren es 10 Prozent. Die Deckelung soll den Index vor Klumpenrisiken zu schützen. Der deutsche Softwarehersteller SAP, der sich im laufenden Jahr sehr gut entwickelt hat, hat die Schwelle von 15 Prozent jüngst gerissen. Es ist zu erwarten, dass der SAP-Anteil im Dax bei der bevorstehenden Neubewertung am 20. Dezember zurückgestutzt wird.